Transalp.info by Andreas Albrecht

Schweizcross


6. Tag: Im Schneetreiben über den Hahnenmoospass

opner 350 IMG 3998Text: Daniel Bolender

Der Regen hat über Nacht nicht aufgehört und es ist bitter kalt. In den Wetternachrichten ist von einem Temperatursturz die Rede. Wir warten zumindest mal auf etwas Trockenheit, im Regen los zu fahren ist mehr als trostlos. Aber es hört nicht auf. Stundenlang rumsitzen bringt es auch nicht, also auf. Die Etappe sollte uns über den Hahnenmoospass (1956 m) nach Lenk und weiter bis nach Gstaad bringen. Besonders hoch und schwierig sind die Pässe alle nicht, von der Schneefallgrenze her müsste es also gehen. In Regenklamotten eingehüllt (was bin ich froh, dass ich auch noch meine Windjacke dabei habe), fahren wir auf Asphalt zur Seilbahn Bergläger und weiter am Gilbach entlang bis auf eine Höhe von 1818 m. Der Regen ist bereits hier in Pappschnee übergegangen, aber der Boden noch frei. Ein kurzer Trail und wir befinden uns auf der Straße zum Pass. Diesen kann man weiter oben schon sehen, mitten in einer schönen Winterlandschaft. Alpentouren fährt man ja zum Spaß, aber ich gebe offen zu, 2° Grad bei pappigem Schneefall sind einfach nur eklig und vor allem kalt. Aus mir saugt das alle Kräfte raus und ich lasse Andreas und Thomas ziehen.
Im Bergrestaurant ist erst mal Aufwärmen angesagt. Nach und nach nehmen wir dann auch unser Mittagessen ein. Worauf warten? Auf besseres Wetter? ... Ich sollte erwähnen, dass auch der Hahnenmoospass nach einer empfehlenswerten Übernachtung aussieht. Landschaftlich weniger interessant, einfach eine Graskuppe, aber auch die kann bleibende Erinnerungen erzeugen, wenn sie mit Schnee überzogen ist. Wir müssen aber doch irgendwie weiter. Die letzten Tage hatten schon zu viele Kurzprogramme. Die immer noch nassen Regenklamotten machen nun richtig Laune, und in meinen neuen Sommerschühchen steht das Wasser.
Vom Pass führt eine vom Regen stark ausgewaschene Piste bis nach Büelberg (1658 m). Die Straße weiter nach Lenk (1064 m) könnte man vermutlich ab und zu abkürzen, wir sparen uns jegliche Trailexperimente. Unten angekommen tut Aufwärmung Not, eine Touriinfo kommt da sehr gelegen. So können wir auch in Ruhe darüber nachdenken, was nun zu tun ist. Einen weiteren Pass im Dauerregen, noch dazu mit leicht unsicherer Wegführung, das macht den Tag nicht besser. Es gibt zwar eine Seilbahn nach oben, aber die steht bisher nicht auf unserem Plan. Ein Übernachtung im Leiterli oben am Betelberg scheidet ebenfalls aus, denn die gesamte Hütte ist für eine Hochzeit reserviert (na, viel Spaß bei dem Wetter). So reift langsam die Überzeugung, dass wir wohl in Lenk bleiben werden. Das bedeutet aber möglicherweise eine Verlängerung der Tour um einen Tag und abermals einen sehr frühen Feierabend.
Die Quartiersuche gestaltet sich trotz Touriinfo etwas holperig. Lenk zählt nicht zu den preiswerten Orten und der erste Anlauf im KUSPO (Kurs- und Sportzentrum) verschreckt vor allem mich ganz fürchterlich. Günstig wäre es, aber die Mischung aus Seniorenheim und Speisesaal im Stil einer Mensa ist nicht das, was ich mir für einen frühen Feierabend vorstelle.
Zwei Hotels haben wir aber auch noch auf der Liste und so ist es dann das Hotel Waldrand, das für den Rest des Tages unser Heim sein wird. Und kaum haben wir das Quartier bezogen, hört der Regen endlich auf. Die Wolken in der Höhe lassen den Entschluss trotzdem sinnvoll erscheinen. Insgeheim hoffe ich trotzdem noch darauf, das wir morgen, wie ursprünglich geplant, am Genfer See ankommen werden. Ich spreche es aber nicht offen aus, denn zu viele Unsicherheiten lauern auf der Strecke. Und die Seilbahn, die muss dann natürlich auch sein.

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Hinweise zur Route:

Das war aufgrund der Wetterbedingungen notgedrungen eine sehr kurze Etappe von Adelboden/Gilbach bis Lenk (nur 15 km und ca. 600 Höhenmeter). Im Roadbook des 6. Tages ist zusätzlich noch die Auffahrt per Bike zum Berghotel Leiterli beschrieben.
Es empfiehlt sich auf jeden Fall die Etappe bis Gstaad zu verlängern, auch wenn das übernachtungstechnisch ein selbst für Schweizer Verhältnisse sehr teurer Ort ist. Plant man die Etappen ganz anders, ist es auch eine gute Idee, die letzte Etappe vor dem Erreichen des Genfer Sees schon in der französischsprachigen Schweiz zu beginnen. Übernachtungen wären nach dem Passübergang am Col de Jable zum Beispiel möglich in den Ortschaften L'Evitaz oder La Lécherette.

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