Transalp.info by Andreas Albrecht

Schweizcross

Vom Zürichsee zum Genfer See

Strecke:

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Zürichsee - Vierwaldstätter See - Surenenpass - Engelberg - Meiringen - Große Scheidegg - Grindelwald - Kleine Scheidegg - Thuner See - Adelboden - Lenk - Gstaad - Lac d'Hongrin - Genfer See (Montreux)

Länge: ca. 322 km
Höhenmeter: ca. 12.000 hm
Etappen: 7, Hinweise zu Varianten siehe bei den einzelnen Etappen

1. Tag: 48 km, 1530 hm
Pfäffikon - Einsiedeln - Ibergeregg - Suworowbrücke - Schwyzer Höchi - Vierwaldstätter See

2. Tag: 40 km, 2030 hm
Sisikon - Flüelen - Seedorf - Distleren Alp - Grat - Angistock - Surenenpass - Engelberg

3. Tag: 48 km, 2200 hm
Engelberg - Trübsee - Jochpass - Engstlen Alp - Innertkirchen - Rosenlaui - Große Scheidegg

4. Tag: 26 km, 1200 hm
Große Scheidegg - Ällfluh - Grindelwald - Brandegg - Kleine Scheidegg

5. Tag: 64 km, 1400 hm
Kleine Scheidegg - Wengen - Lauterbrunnental - Wilderswil - Thuner See - Frutigen - Adelboden

6. Tag: 25 km, 1480 hm
Adelboden - Hahnenmoospass - Lenk - Leiterli

7. Tag: 71 km, 1910 hm
Leiterli - Trütlisbergpass - Gstaad - Col de Jable - L'Etivaz - Lac de l'Hongrin - Col de Jaman - Montreux

Medien

Wenn ihr die Tour individuell nachfahren wollt, ist folgendes verfügbar: GPS-Tracks, Kartenscans, TOPO-Karte für Garmin GPS-Geräte, Finisher Bikeshirt, Transalp Roadbook: im Webshop


Übersichtskarte

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schwarz: Hauptroute
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Höhenprofil

schweizcross gesamt

Wegeverteilung

untergrund

Landkarten

Kompass: Schweiz 3D, 84, 108, 114, 116, 124
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Tourplanung: Daniel Bolender

gefahren vom 13. - 19. Juli 2009: Daniel Bolender, Andreas Albrecht, Thomas Kamp



Tourbericht

Was immer Du tun kannst oder wovon Du träumst - fange es an.
Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)


Prolog

opner 350 Swiss Cross 2009 079Für viele Mountainbiker bedeutet eine Transalp den Höhepunkt der Bikesaison. Darauf bereitet man sich entsprechend vor. Die Kondition wird aufgebaut, die Ausrüstung optimiert und natürlich die Route geplant. Dazu muss noch eine Woche Urlaub eingereicht und manchmal freigeschaufelt werden. Der Termin steht dann fest und die Vorfreude wächst, je näher der Start heranrückt. Das Einzige, was man nicht planen kann, ist das Wetter. Allzu oft macht es erwartungsfrohen Transalplern einen Strich durch die Rechnung. Ich habe in den langen Jahren, in denen ich Transalps fahre, schon in jedem der sinnvollen Monate Juni bis September alle denkbaren Wetterlagen erlebt. Drückende Hitze, mildes Sommerwetter, Regen, Gewitter und Schnee bis hinunter in Lagen um die 1500 Meter. In dem Falle ist man gut beraten, wenn die Route ausreichend Möglichkeiten bietet, alternative Strecken zu fahren oder einzelne Abschnitte mit Bus, Bahn oder Seilbahn zu verkürzen oder zu entschärfen. Für solch eine Transalproute ist die Schweiz wie geschaffen. Die Logistik der öffentlichen Verkehrsmittel ist perfekt ausgebaut und aufeinander abgestimmt. Fehlt nur noch ein passender Start- und Zielort und eine schöne Route dazwischen. Die hat für diesen Schweizcross Daniel Bolender ausgetüftelt, der als einer der ersten Transalpler seine Tourberichte ins Internet gestellt hat. Das begann schon 1998 und wird inzwischen dauerhaft und qualitativ hochwertig auf seiner Website www.alpen-biken.de präsentiert.
Ich habe mich in meinen frühen Jahren von seinen flüssig und informativen Berichten inspirieren lassen. Über das IBC-Forum (www.mtb-news.de) kam dann auch ein direkter Kontakt zustande. Daniel und ich haben uns während einer Transalp einmal zufällig getroffen und sind ein Stück des Weges gemeinsam gefahren. Dabei entstand die Idee, irgendwann einmal eine gemeinsame Tour zu fahren. Die Planung seines Schweizcrosses vom Zürichsee nach Montreux am Genfer See fand ich sehr schlüssig, zumal sich mit dieser Route für mich ein Kreis geschlossen hat. Meine allererste Transalp führte mich im Jahre 1994 genau an diesen Zielpunkt.

Transalp Roadbook9Also ging es an einem heißem Sommertag los. Drückende, schwüle Hitze lastete über dem Land. Es versteht sich fast von selbst, dass es nicht so bleiben sollte. Ein „markanter Temperatursturz“ (Originalton Schweizer Wetterdienst) sollte die geplante Route etwas durcheinander bringen. Wir präsentieren die Route im Tourbericht so, wie wir sie tatsächlich Tag für Tag gefahren sind, geben aber Hinweise, wie die Tagesetappen bei Idealbedingungen aussehen könnten.
„Wir“, das sind in diesem Falle Daniel Bolender und ich. Der Großteil des Textberichtes stammt von ihm, Ergänzungen und Detailinfos stammen von mir. Mit auf Tour war noch Thomas Kamp, ein Bikefreund von Daniel. Wir haben auf der Tour gut harmoniert und auch in den kritischen Wettersituationen Ruhe und einen kühlen Kopf bewahrt, so dass wir alle gern auf diesen Schweizcross zurückschauen.


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Zwei Gesichter einer Transalp zeigen sich auch bei diesem Alpencross durch die Schweiz. Auf der einen Seite Bilderbuchwetter in der Bilderbuchschweiz mit Blick auf den Eiger. Auf der anderen Seite ein markanter Wettersturz, der im Hochsommer Schnee bis in tiefe Lagen bringt. Andreas Albrecht hat es trotzdem genossen, sich diesmal gemeinsam mit Thomas Kamp der Planung und Führung des ebenfalls sehr erfahrenen Transalplers Daniel Bolender anzuvertrauen. Herausgekommen ist dieser Schweizcross - abseits der klassischen Transalprouten - vom Zürichsee an den Genfer See. Die abwechslungsreiche Strecke führt über den einsamen, hochalpinen Surenenpass, die touristisch geprägte, aber traumhaft schöne Eigerregion rund um Grindelwald, bis ins französisch angehauchte Montreux.
Das Buch enthält Höhenprofile, Übersichtskarten und detaillierte Roadbooks in Tabellenform mit allen wichtigen Informationen zur Strecke.
Ebenfalls erhältlich als eBook - mehr Info hier



1. Tag: Tag der drei Seen

opner 350 P1020980Text: Daniel Bolender

Nachdem Andreas bereits am Vorabend bei mir am Rhein eingetroffen ist, starten wir früh morgens zu dritt mit dem Auto in Richtung Schweiz. Die Fahrt verläuft trotz montäglichem Berufsverkehr ziemlich reibungslos. Erst in Pfäffikon (412 m) am Zürichsee kommt etwas Hektik auf, da wir keine Ahnung haben, wo man für eine Woche das Auto entspannt abstellen kann. Es ist gerade Mittagsruhe und kein kostenloser Stellplatz aufzutreiben. So landen wir schließlich für 54 SFr. am großen Parkplatz am Bahnhof. Für drei Leute gut finanzierbar, und es kann endlich losgehen. Denn wir haben bereits 13 Uhr und heute steht noch eine ansehnliche Etappe auf dem Programm. Ein ordentliches Mittagessen wäre im Nachhinein noch sinnvoll gewesen. Schließlich sind wir seit ca. 5 Uhr auf den Beinen.
Nach einem ersten kleinen Anstieg zum Etzelspass (950 m) geht es leicht hügelig mal über Straße oder auch daneben gut behütet von kleinen Schäfchenwölkchen zum kleinen Einsiedeln (884 m), mit einer überraschend großen Kirche. Schon jetzt sieht alles nach einer gelungenen Startetappe aus. Die noch nicht ganz so hohen Berge, das ansehnliche Wetter und die liebliche Landschaft sind genau das Richtige zum Einstimmen. Das bestätigt sich um so mehr, je weiter wir uns den markanten Spitzen der Mythen am südlichen Ende des hübschen Alptals nähern. Der Anstieg zum Müsliegg (1427 m) fällt mir aber bereits zusehends schwer. Die lange Autofahrt, kein Mittagessen und die fortgeschrittene Stunde fordern Opfer.
Oben angekommen lassen wir die Mythen hinter uns und genießen einen ersten Blick in Richtung Hauptkamm, den wir morgen erreichen werden. Bis zum heutigen Ziel am Vierwaldstätter See liegt "nur" noch ein kleiner Hügel vor uns. Aber erst geht es hinunter. Zunächst führt ein kurzer Höhenweg bis zum Ibergeregg (1406 m), dort wird es zum ersten Mal trailig. Ein ruppiger aber feiner Trail geht hinunter zur Hand, wo wir die Straße queren, und weiter bis Bätzli (769 m). Zum Ende hin wird der Trail zum Wiesenweg und endet schließlich auf Asphalt. Das war ja schon mal nett. Aber noch sind wir nicht ganz unten. Auf Asphalt geht es weiter abwärts, nur ein kurzes steiles Trailstück nehmen wir noch mit. Vorbei an der Schlattlibahn erreichen wir den Talgrund an der Suworowbrücke (533 m). Dort hat sich die Muota beeindruckend tief in den Fels eingegraben.
Direkt vor uns liegt Schwyz, die Stadt, die der Schweiz ihren Namen gab. Wir biegen allerdings ab und starten zu fortgeschrittener Stunde in Oberschönenbuch (539 m) den letzten Anstieg des Tages. Es geht eine kleine Straße hinauf zum Schwyzer Höchi (758 m). Eigentlich nicht viel, aber ich erreiche die Passhöhe erst nach zähem Kampf, lange nach Andreas und Thomas. Wir sind aber noch nicht ganz oben. Meine Routenplanung sieht nämlich vor, dass wir hoch oberhalb des Vierwaldstätter Sees hinüber nach Sisikon queren. Nach etwas Überzeugungsarbeit geht es also noch einmal knapp 100 hm nach oben und oberhalb von Morschach am Waldrand entlang. Dabei haben wir vermutlich nicht den richtigen Weg erwischt. Jedenfalls müssen wir überraschend noch ein Stück Trail hoch schieben. Es wird immer später ...
Wir erreichen wieder eine kleine Straße, die nach kurzer Abfahrt abermals steil nach oben zu gehen scheint. Jetzt reicht es. Die Aussicht auf den See ist zwar toll, aber um das Tagesziel noch sicher zu erreichen, brechen wir die Traverse ab und rollen zurück hinunter nach Morschach (646 m) und weiter über die Straße zum Vierwaldstätter See (485 m). Mit völlig leerem Tank erreichen wir auf dem kleinen Radweg entlang der Uferstraße Sisikon, wo wir die Etappe abbrechen (eigentlich wäre Flüelen das Ziel gewesen) und im Hotel Sternen aufschlagen. Bis auf den etwas chaotischen Abschluss war das heute wirklich eine gelungene Einführung, für die man aber etwas mehr essen muss. Zusammen mit der Anreise war es für mich eine Nummer zu kraftraubend.

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Hinweise zur Route:

Den Extra-Schlenker bei Morschach habe ich in der Nachbereitung der Tour entfernt und den GPS-Track somit bereinigt.
Es empfiehlt sich auf jeden Fall, bis nach Flüelen oder Seedorf zu fahren, und dort zu übernachten. Am folgenden Tag wartet mit dem Surenenpass ein hammerharter Übergang. Dadurch wird der Tag lang genug.

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2. Tag: Die absolute Härte - Surenenpass

opner 350 P1030029Text: Daniel Bolender

Die Qualität der Übernachtung war durchschnittlich. Besonders die Straße hat mich sehr gestört. Schade, denn in Flüelen, das wir nach wenigen Kilometern erreichen, passieren wir das ganz passabel wirkende Hotel Tourist, das eigentlich angedachte Ziel von gestern. Weit war es nicht mehr ... Auf einem kurzen Stück Radweg überqueren wir die Reuss, einen Zufluss des Vierwaldstätter Sees und gelangen nach Seedorf (452 m). Hier muss ich erst mal meine Wunden lecken und mich darum kümmern, dass ich gestern Abend das Firmenhandy nicht mehr auffinden konnte. Telefonkarte kaufen, Telefonzelle suchen, Firma anrufen, kleinlaut werden, Telefon sperren lassen, die totale Spaßbremse.
Der Morgendunst hat sich verzogen und die Sonne scheint uns auf den Pelz. Mit frischer Verpflegung kann es weiter gehen. Das Tagesprogramm heute: Surenenpass. Nur ein Pass? Das klingt nach einem entspannten Tag. Allerdings sind wir vorgewarnt, dass der Surenenpass ein zäher Brocken ist. Es gibt mehrere „Auffahrten“ dort hinauf. Von Attingshausen über das Brüsti (wo es Seilbahnunterstützung gäbe) oder unsere Variante durch das Gitschtal. Also lassen wir den Vierwaldstätter See unter uns und fahren ein kleines fieses Sträßchen hinauf. Hier kann man sich schon ordentlich verausgaben. Der Wald bietet bis zur Baumgrenze ein bisschen Schatten vor der nun drückenderen Sonne. Auf ca. 1250 m endet der Asphalt. Fahren können wir noch bis zu einer kleinen Alm, an der wir noch mal Wasser fassen. Dann schieben wir die Schotterrampe zur Distleren Alp (1526 m) hinauf.
An der Alm machen wir Mittagspause, plündern den Inhalt des Rucksacks und unterhalten uns ein wenig mit den recht jungen Hüttenbewohnern. Von meinem Plan, den direkten Aufstieg zum Grat zu meiden und den langen Weg außen herum zu gehen, raten sie ab: „Da kann man nicht fahren.“ Ich denke, dieser Rat war sinnvoll, denn das wäre auch sehr weit gewesen. Also doch der direkte Aufstieg. Für knapp 300 hm wird das Rad zum zusätzlichen Gepäckstück, denn der Pfad ist sehr schmal und das Gestrüpp steht zu dicht, als dass man gescheit schieben könnte. Normale Alpencross-Übergänge sind spätestens nach diesem Tragestück geschafft. Nicht so der Surenenpass, hier geht es nun richtig los. Nach ein paar Kurven, die man sogar teilweise fahren kann, können wir einen ersten Blick auf den Pass werfen. Noch ganz schön weit. Zahlreiche Schneefelder sind auf dem weiteren Weg sichtbar. Ab dem Angistock (2070 m) befinden wir uns nur noch neben dem Rad, oder auch darunter. Schiebestücke wechseln sich ab mit steilen Tragepassagen durchs Geröll. Besonders die Altschneefelder kosten sehr viel Kraft. Es hätte auch einen Pfad weiter rechts am Hang gegeben mit weniger Schnee. Diesen sehen wir aber erst von oben. Jeder kämpft sich einzeln vorwärts, so gut es eben geht. Das letzte Stück ist, wie so häufig, das steilste. Aber jeder Pass ist einmal zu Ende, so auch dieser. Die Kräfte sind zwar aufgebraucht, dennoch erfüllt es mit einigem Stolz, den Surenenpass bezwungen zu haben. Und das Panorama in Richtung Engelberg ist traumhaft.

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Stahlblauer Himmel senkt sich über die schneebedeckten Gipfel. Bis auf einen weiteren einsamen Biker sind wir für uns alleine. Eigentlich viel zu Schade, um weiter zu fahren. Aber es ist schon wieder später Nachmittag. Nach der gestrigen langen Etappe abermals ein sehr anstrengender Tag. Ich wusste vorher zwar nicht, wie die Abfahrt werden würde, ob wir überhaupt werden fahren können, aber es ist alles bestens. Ein traumhafter Trail führt vom Pass hinab und entschädigt für viele Mühen. Er wird allerdings bald zur kleinen Piste. Diese muss man bei Stalden (1630 m) verlassen, dort führt ein kurzes Schiebestück in den Talgrund zur Stäfeli-Seilbahn. Gemütlich Rollen wir von dort die letzten Kilometer in der Abendsonne in Richtung Engelberg (1004 m).
Ziel für heute ist das Hotel Bellevue-Terminus gegenüber des Bahnhofs. Beim ersten Anblick des alten Grand Hotels staunt man etwas. Es hat die besten Zeiten hinter sich und ist wegen des verblichenen Charmes keineswegs teuer. Es wirkt zwar abgewohnt, strahlt aber immer noch etwas vom Glanz der alten Zeiten aus. Die Waschmaschine sorgt für frischen Duft in den Bikeklamotten. Eine empfehlenswerte Adresse. Im angeschlossenen Restaurant, das mit seinem modernen Interieur im krassen Gegensatz zum Hotel steht, kann man lecker mexikanisch Essen. Ein absolutes Novum für mich während einer Radltour.

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Hinweise zur Route:

Den Aufstieg zum Surenenpass kann man sich etwas erleichtern, indem man von Seedorf aus noch ca. 3 km nach Attinghausen fährt. Dort gibt es eine Seilbahn hinauf nach Brüsti. Die erspart einem ein paar Höhenmeter. Leicht wird es trotzdem nicht.

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3. Tag: Rosenlaui - Große Scheidegg

opner 350 IMG 3949Text: Daniel Bolender

Der morgendliche Blick aus dem Fenster ist ernüchternd. Es regnet. Also ganz langsam. Nach Frühstück, Telefonieren und Einkaufen sieht die Lage schon etwas besser aus, wir können ohne Regenklamotten den Tag starten. Ein massiver Bergriegel erhebt sich südlich von Engelberg (1004 m). Aber irgendwo muss es ja drüber gehen. Wir starten die Auffahrt an der Seilbahn zur Gerschnialp. Dabei scheint schon wieder die Sonne durch die ersten Wolkenlöcher. In einem Bogen führt die Straße nach Unter-Trübsee (1301 m) und weiter auf steilstem Schotter nach Ober-Trübsee. Die ersten Schiebestücke sind zu bewältigen. Wir sind dabei den Wolken nahe gekommen und umgeben von gespenstigen Nebelschwaden. Teilweise sieht man keine 50 m weit.
Als wir am Trübsee (1764 m) alle wieder zusammen sind, checken wir erst mal die Lage. Bis zum Jochpass (2207 m) wollen wir nämlich die Seilbahn nehmen. Auf den 400 hm wäre kein Meter zu fahren. Wir halten uns auch nicht lange auf, denn der Trübsee ist wahrlich kein Fleckchen zum Träumen. Entspannt gondeln wir nach oben, denn zu dieser frühen Stunde ist kaum Betrieb.
An der Bergstation stecken wir wieder ziemlich in den Wolken. Es ist kühl. In unserer Richtung sieht es aber ganz gut aus. Vor der Abfahrt haben die Schweizer für uns eine kleine Überraschung parat. Der knifflige Wanderpfad in Richtung Engstlenalp ist für Biker gesperrt, direkt daneben wurde stattdessen ein neuer Weg für Biker angelegt. Dieser hat zwar S0-Charakter und könnte fast ebenso gut mit einem Kinderwagen befahren werden (gute Bremsen vorausgesetzt), aber uns beeindruckt diese Art der Konfliktvermeidung mit Wanderern. So ist es gar keine Frage, dass wir den neuen Weg nehmen, obwohl wir hier praktisch alleine sind.
Der Weg ist trotz oder wegen seiner Einfachheit ganz spaßig. Fast wie eine Murmelbahn, nur bremsen darf man nicht vergessen. Am schönen Engstlensee treffen wir wieder auf den Wanderweg und erreichen kurz darauf die Engstlenalp (1834 m). Dort reißen endlich wieder die Wolken auf und geben den Blick frei auf die umliegenden Berge. Die naturbelassene Gegend ohne Liftanlagen lädt ein zu einer ausgedehnten Pause. In der Ferne kann man zwischen den quellenden Wolken bereits die Eisriesen im Herz der Berner Alpen erahnen. Die Engstlenalp wäre sicher auch ein toller Ort zum Übernachten.
Der weitere Weg soll uns über Trails zur Baumgartenalm und weiter hoch über dem Gental über schmale Pfade bis nach Meiringen führen. Bis zur Baumgartenalm (1702 m) ist das allerdings ein solches Gestochere, dass wir darin keinen weiteren Sinn sehen und ab der Alm auf die Straße im Talgrund ausweichen. Diese Entscheidung bereuen wir trotz der nun beengten Aussicht nicht. Nach einer tollen Abfahrt durch das einsame Tal verlassen wir die Straße noch einmal, und über Forst- und Wiesenwege geht es nach Innertkirchen (625 m). Nach dem obligatorischen Supermarkt-Besuch und einem kurzem Stopp an der touristischen Aareschlucht beginnt der nächste Aufstieg durch das Reichenbachtal zum geplanten Tagesziel Rosenlaui (1328 m). Auf einer kleinen Straße geht es aufwärts durch den Wald. Ich lasse schnell zu den anderen beiden abreißen. Das erste Zusammentreffen erfolgt beim Gasthaus Zwirgi (971 m), das ebenfalls einen sehr guten Eindruck für eine Übernachtung macht. Doch es ist noch ein bisschen früh. So schauen wir uns kurz die Reichenbachfälle (hier ließ Arthur Conan Doyle seinen Sherlock Holmes bei einem Kampf mit seinem Feind Professor Moriarty verschwinden) an, die sich tief in den Fels gefressen haben, und treten weiter die Straße hinauf. Immer wenn ein Tuten ertönt, heißt es schnell einen sicheren Platz zu suchen. Dann kommt nämlich der nächste Postbus und diesem möchte man nur ungern im Weg stehen.

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Meine Kräfte haben ziemlich nachgelassen. Der Rosenlaui-Gletscher zur Linken lässt das Ziel zum Glück schon erahnen. Am gleichnamigen Hotel treffe ich wieder auf Andreas und Thomas, die auf mich gewartet haben, aber bereits abwinken. Es rächt sich das erste mal seit unserem Start, dass ich nicht im Laufe des Tages eine Reservierung vorgenommen habe. Kaum zu glauben, wenn man sich das riesige Rosenlaui so ansieht. Also was tun? Zurück zum Zwirgi und morgen mit dem Bus die Strecke wieder rauf fahren? Wenig motivierend. Nur wenig weiter soll die Schwarzwaldalp (1456 m) sein, wo wir auch übernachten könnten. Also erster Gang rein und weiter.
Die Schwarzaldalp sieht nett aus. Nichts ahnend, was noch kommen wird, bin ich zunächst erleichtert, dass wir weiterfahren mussten. Denn Übernachtungen gäbe es tatsächlich ... normalerweise. Aber nicht zur Zeit, denn der gesamte Schlafbereich wird gerade renoviert. Wir können die Wirtsleute auch nicht davon überzeugen, dass wir uns in die Gaststube legen oder auf eine Matratze am Boden. Also was bleibt? Das Berghotel Große Scheidegg (1962 m) ist die nächste Unterkunft an der Strecke. Allerdings satte 500 hm weiter oben. Mir ist nun irgendwie alles egal. Die Zeit ist noch gut, nur meine Kräfte sind bedenklich, aber Alternativen gibt es keine. Um kein weiteres Risiko einzugehen, lassen wir uns die Telefonnummer geben und Andreas reserviert uns endlich erfolgreich eine Übernachtung, das motiviert! Und ich kann vorwegnehmen: das Schicksal wollte, das der Tag so gelaufen ist, das Berghotel Große Scheidegg ist einfach klasse! Doch zunächst steht noch der persönliche Schweinehund im Weg. Mit Wille geht zwar alles, aber so langsam, dass man das Ziel nie zu erreichen scheint. Mein zwischenzeitliches Hoffen auf einen weiteren Postbus wird enttäuscht. Es ist vermutlich zu spät.

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350 P1030072Als ich endlich das Berghotel vor mir habe, bin ich aber direkt begeistert. Zum einen empfängt mich Andreas auf der Terrasse mit einem frischen Weizen, zum anderen ist die Aussicht einfach unvergleichlich. Seit sechs Jahren plane ich diesen Trip, drei Jahre lang musste er immer wieder verschoben werden, und nun bin ich endlich hier. Direkt vor mir liegt der Berg der Berge, der Eiger. Ich bin zwar kein Bergsteiger, aber dieser Haufen Fels strahlt sicher auf jeden eine besondere Faszination aus. Und von der Scheidegg hat man den totalen Panoramablick, bis hinüber zur Kleinen Scheidegg, dem Ziel für morgen. Nur Grindelwald kann man nicht sehen, es liegt im Loch dazwischen. Ich bin sehr froh, dass die anderen Übernachtungen gescheitert sind. Das hebt die Laune beachtlich. Es sind nur wenige Gäste im Haus und wir verbringen einen äußerst geselligen Abend. Diese Unterkunft muss man einfach mitnehmen.

 

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4. Tag: Im Banne des Eiger

opner 350 IMG 3963 Text: Daniel Bolender

Bereits beim Frühstück fällt der Blick wieder nach draußen. Keine Wolke, nur blau und darunter die weißen Bergriesen der Bilderbuchschweiz. Dies wird ein Genusstag, zumal wir dank gestern 600 hm weniger vor uns haben. Passend dazu beginnt die Etappe mit einem tollen Panoramaweg zur Alp Grindel. So früh morgens sind zum Glück nur wenig Wanderer unterwegs. Wir kommen vor lauter Fotopausen aber auch so kaum vorwärts. Wir fahren nicht bis zum Restaurant First, da es dafür wieder ein Stück aufwärts gehen würde, sondern rollen ab der Seilbahnstation Schreckfeld zunächst auf einem Sträßchen zu Tal. Gut möglich, dass wir so ein paar nette Trails versäumt haben.
Das Rollen geht sehr bald in einen Sturzflug über und ich habe große Mühe, mein Rad mit überhitzten Bremsen überhaupt noch mal zum Stehen zu bekommen. Doch dann hat das Elend ein Ende und über eine kleine Brücke geht es nach rechts in den Wald. Immer wieder geben kleine Lichtungen den Blick frei zu den Bergen. Tolle Bilder, die die Natur so liefert. Unsere Stimmung ist sehr entspannt heute. Nach einem kurzen Zwischenanstieg auf einem Forstweg (warum haben wir First eigentlich ausgelassen?), führt links ein interessanter Pfad in den Wald hinunter, beschrieben mit Ällfluh. Da der Überblick bei dem dichten Wegnetz etwas fehlt, nehmen wir den einfach. Es ist ein abwechslungsreicher Wald-Trail, der ebenfalls häufig den direkten Weg die Höhenlinien hinunter nimmt. Trotzdem lässt sich das Ding gut fahren und macht Laune.
Vorbei an der Jausenstation Ällfluh erreichen wir schließlich Grindelwald (1034 m), wo wir uns durch den Touristentrubel wühlen und wie üblich an einem Supermarkt stoppen: Mittagspause. Die heutige Etappe bietet zwar keine einsamen hochalpinen Erlebnisse, aber das Panorama, das hier im Herzen der Schweiz geboten wird, sucht wahrlich seinesgleichen. Immerhin hat man auf dem Rad noch das wohltuende Gefühl, die Höhenmeter wenigstens selbst erkämpft zu haben. Das wird wieder sehr deutlich, als wir uns nach der Pause am Aufstieg zur Kleinen Scheidegg befinden. Direkt neben der Piste verläuft die Zahnradbahn, die die Touristen aus Grindelwald zur Kleinen Scheidegg karrt. Wenn man die Steigung sieht, die sich das Bähnchen hinaufquälen muss, bekommt man schon einigen Respekt vor der Leistung, die man als Radlfahrer vollbringt.

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Zunächst geht es ein lichtes Sträßchen hoch, dann folgt Forstpiste im Wald. Von Thomas und Andreas sehe ich während der Auffahrt nichts mehr, nur eine ganze Menge Wanderer. Aber es treibt auch keine Eile. Berge und Wetter genießen, nur treten muss man noch. Total lästig ist leider ein verdammter Hubschrauber, der unablässig seine Runden dreht. Oberhalb der Baumgrenze kann man sehen, dass dieser immer wieder frischen Beton von einem Lastwagen abholt und hoch oben in der Nähe der Bahnstation Eigergletscher ablädt. Ich kann aber nicht erkennen, wofür. Die gesamte Strecke lässt sich bis auf zwei kleine Rampen sehr gut fahren und gegen 15:30 komme ich eine geschätzte Stunde nach den beiden anderen an der Kleinen Scheidegg (2061 m) an.
Meine Güte ist hier ein Trubel. So habe ich mir das nicht vorgestellt. Aus zwei Tälern treffen hier die Bergbahnen zusammen. Eine Strecke führt weiter hinauf durch den Eiger bis zum Jungfraujoch auf 3500 m. Zudem dient der kleine Bahnhof als zentrale Versorgungsstation des Jungfraujochs. Kurz, es ist die Hölle los. Ich weiß auch erst gar nicht, wo ich eigentlich hin muss. Nachdem ich zunächst fälschlicherweise in einem der Hotels gelandet bin, erwischt mich Andreas und weist mich ein. Die Übernachtungslager sind tatsächlich direkt im Bahnhofsgebäude.
Von der Uhrzeit könnten wir problemlos noch ein ganzes Stück weiter fahren. Aber eine Übernachtung hier gehört mit zu der Planung dieser Tour, da ich mir bei schönem Wetter ebenfalls das Jungfraujoch und den Aletschgletscher ansehen will. Dies ist natürlich erst für morgen geplant, da ich nicht mit der frühen Ankunft gerechnet habe. Gutes Wetter ist heute zwar und Zeit wäre ebenfalls noch, doch es gibt mehrere Gründe trotzdem bis morgen zu warten. 1. Frühbucherticket. Die Fahrt aufs Joch ist schweineteuer. Früh morgens gibt es einen verlockenden Rabatt. 2. Klares Morgenlicht. 3. Weniger Trubel. Also bleiben wir hier und warten bis morgen. Ich mache mich mit Thomas immerhin mal zu Fuß auf den Weg entlang der ansteigenden Bahntrasse in Richtung Eigergletscher.
Am Abend haben wir den Bahnhof endlich für uns alleine und die Scheidegg wird zu einem ganz gemütlichen Plätzchen. So freue ich mich auf morgen und schlafe langsam ein, mit Blick vom Bett auf Jungfraujoch, Mönch und Jungfrau.

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5. Tag: Der Tag, an dem der Regen kam

opner 350 IMG 3990Text: Daniel Bolender

Bereits in der Nacht schwant mir Übles, als ich die Berge durchs Fenster nicht mehr sehen kann, und es liegt nicht an der Dunkelheit. Am Morgen zeigt sich dann das ganze Ausmaß: blauer Himmel war gestern. Man sollte die Gelegenheit doch beim Schopfe packen, wir haben es jedenfalls verpennt. Statt gestern die Zeit totzuschlagen wäre eine Fahrt zum Jungfraujoch locker drin gewesen. Dann fällt diese nun aus, na immerhin viel Geld gespart. Wir suchen das Weite, denn noch regnet es nicht, und verlassen ungeachtet der Tourimassen, die trotz des sinnfreien Jungfrau-Wetters aus dem Tal mit dem Zug herauf kommen, diesen heute wahrhaft trostlosen Ort stilgerecht über einen schönen Trail.
Der Trail führt uns zur Bahnstation Wengernalp (1847 m), ab der wir entlang der Bahnlinie dem Wanderweg bis Wengen (1275 m) folgen. In Anbetracht des feuchten Untergrunds ist dieser Weg im Moment genau das Richtige. Das Interessanteste an Wengen ist vermutlich, dass es so gut wie keinen Autoverkehr gibt, das war es dann auch schon. Wir rollen einfach durch den Ort durch. Vom tiefen Einschnitt des nahen Lauterbrunnentals mit seinen oft senkrechten Felswänden kann man wegen der dichten Wolken nicht mal etwas ahnen.
Überhaupt wird es zunehmend dunkler und ohne Uhr könnte man vermuten, dass gerade die Dämmerung hereinbricht. Der Himmel ist wirklich stockduster. Entkommen kann man dieser heranziehenden Hölle nicht wirklich, und so haben wir den Ort noch nicht richtig verlassen, als sich alle Schleusen öffnen. Wir retten uns bereits angenässt für eine halbe Stunde in den Eingang eines kleinen Hotels. Da es aber nicht nach einer baldigen Besserung aussieht, wagen wir uns, nachdem der größte Schutt vorbei ist, in den Regen.
Knapp hinter dem Ort weißt ein Wegweiser auf einen Pfad in Richtung Lauterbrunnental. Das wird es wohl sein. Der Weg ist bei den aktuellen Wasserständen nicht trivial. Mal steil, mal sehr steil geht es teilweise in kleinen Serpentinen einen Wanderweg hinunter. Gelegentliches Schieben tut Not. Dennoch kann ich es mir nicht verkneifen, dass mir das Rad auf einem Holzstück zur Seite wegschmiert und ich eine Bodenprobe nehme. Gesehen hat niemand was, passiert ist zum Glück auch nichts (im Gegensatz zu einem ganz ähnlichen Sturz drei Monate später, der mich mein Schlüsselbein gekostet hat).
Am Talboden angekommen, klemmen wir uns auf den Radweg an der Lütschine (917 m) und heizen dem Wetter zum Trotz in Richtung Interlaken. Der Regen wird langsam weniger und in Wilderswil (584 m) können wir endlich eine Pause einlegen. Ein Supermarkt kommt uns da gerade recht. Die nahe Telefonzelle wird ebenso zur fälligen Korrespondenz genutzt. Wir nutzen die trockene, ja fast schon wieder sonnige Wetterphase und machen einen ausgedehnten Brunch. So können die Klamotten etwas trocknen. Der heutige Tag ist, bis auf die entfallene Jungfraujochbesichtigung, kein großes Highlight, sondern kann als Zubringer in Richtung Adelboden gesehen werden. Leider gibt es keinen alpineren Weg dorthin, als die Passage am Thuner See entlang, der die Nordgrenze der Schweizer Alpen bildet. Wer wirklich was auf sich hält, der nimmt für diese Verbindung die Serfinenfurgge, abschreckende Informationen dazu finden sich im IBC-Forum.
Interlaken streifen wir nur ganz am Rande auf dem Weg zum Thuner See. Blaue Löcher in der Wolkendecke motivieren nun für den Nachmittag. Die Uferstraße am See ist zwar nicht so dolle, in Därlingen und Leissingen (570 m) kann man aber gut ausweichen und das war es denn auch schon. Wir fahren nicht am See entlang bis Spiez, sondern kürzen ab über die Höhe von Äschi (862 m) um ins Tal nach Adelboden zu gelangen. Dies kann man nur empfehlen, da auf der kleinen Straße kaum etwas los ist und die Blicke zum Thuner See von oben viel reizvoller sind. Hinter Äschi geht es wieder kurz hinunter, bis man in Mülenen (692 m) auf die Kander trifft. Dieser kann man östlich durch die Orte Reichenbach und Kien bis Frutigen (762 m) auf kleinen Nebenstraßen flussaufwärts folgen.
In Frutigen gabelt sich das Tal. Der Hauptverkehr biegt ab ins Kandertal und zum bekannten Lötschbergtunnel. Wir müssen nach Adelboden nun durch das Entschligetal. Um weiterhin die Hauptstraße meiden zu können, habe ich bei der Tourrecherche eine Straße am östlichen Talhang ausgemacht.

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Diese führt durch Elsigbach an einer potentiellen Übernachtung mit dem selben Namen immer in der Höhe bis nach Adelboden.
Andreas ist zwar skeptisch, aber die Truppe fügt sich ohne Gegenwehr. Seine Skepsis war durchaus angebracht. Die Straße führt uns zwar in die richtige Richtung, hat sich dabei aber einen Namen redlich verdient. Ich nenne sie nun "die Rampe". Nahezu 400 Höhenmeter müssen auf kürzester Distanz durch die Bikerbeine gepumpt werden, Ruhezonen gibt es nicht. Glückliche Fügung, dass ich bei dieser Steigung das Schlusslicht bilde und keine Diskussionen aufkommen können. Keine Frage, sinnvoll ist diese Variante schon, denn hoch müssen wir ohnehin, aber dass die Höhenmeter so intensiv hereinbrechen würden, kommt doch überraschend.
350 Swiss Cross 2009 freemn 097Als ich Elsigbach (1319 m) erreiche, ist es wieder bedrohlich dunkel geworden. Thomas und Andreas haben sich die Wartezeit im Gasthaus versüßt, ich geselle mich dazu. Als Übernachtung wäre das tatsächlich nicht schlecht, dennoch sieht die Planung noch ein paar weitere Kilometer vor. Viel geleistet haben wir heute auch nicht, sieht man mal von dem letzten Aufstieg ab.
Es ist zwar frisch geworden draußen, aber immer noch trocken. Dies bleibt aber nicht so. Kurz nach der Weiterfahrt bricht ähnlich wie schon am Vormittag eine Wasserschlacht über uns herein, vor der wir unter ein Garagendach flüchten müssen. Blitze zucken in unmittelbarer Nähe und lassen die Szene gespenstig erscheinen.
Ein Übernachtung in Elsigbach wäre vielleicht doch geschickt gewesen, aber zu spät, erneut müssen wir in den Regen. Eine kleine Abfahrt lässt es zudem unangenehm kalt werden. Aber es ist nicht mehr weit. Wir überqueren die Entschlige (1201 m) und befinden uns praktisch direkt am Ortseingang von Adelboden. Allerdings zieht sich der Ort über ca. 200 m den Berg hinauf und bis zur Ortsmitte sind es noch ein paar Meter. Ich folge der Beschilderung und fahre abseits der Straße abermals eine wärmende Rampe, bei der ich gegenüber den anderen, die der Straße folgen, sogar ordentlich Zeit gut machen kann. In einer Telefonzelle wird nun die Übernachtung in Gilbach (1431 m) klar gemacht, denn auf Überraschungen hat bei dem Wetter keiner mehr Lust. Nach 10 Minuten stehen wir in der warmen Stube vom Des Alpes, ein Adresse, die ich ohne Info einfach aus dem Internet gepickt habe. Aber es hat sich gelohnt, gemütlich, bezahlbar und vor allem trocken. Beim leckeren Abendessen geht ein ziemlich staubfreier Tag zu Ende. Draußen regnet es derweil ohne Unterlass weiter, während die Temperatur immer weiter sinkt.

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6. Tag: Im Schneetreiben über den Hahnenmoospass

opner 350 IMG 3998Text: Daniel Bolender

Der Regen hat über Nacht nicht aufgehört und es ist bitter kalt. In den Wetternachrichten ist von einem Temperatursturz die Rede. Wir warten zumindest mal auf etwas Trockenheit, im Regen los zu fahren ist mehr als trostlos. Aber es hört nicht auf. Stundenlang rumsitzen bringt es auch nicht, also auf. Die Etappe sollte uns über den Hahnenmoospass (1956 m) nach Lenk und weiter bis nach Gstaad bringen. Besonders hoch und schwierig sind die Pässe alle nicht, von der Schneefallgrenze her müsste es also gehen. In Regenklamotten eingehüllt (was bin ich froh, dass ich auch noch meine Windjacke dabei habe), fahren wir auf Asphalt zur Seilbahn Bergläger und weiter am Gilbach entlang bis auf eine Höhe von 1818 m. Der Regen ist bereits hier in Pappschnee übergegangen, aber der Boden noch frei. Ein kurzer Trail und wir befinden uns auf der Straße zum Pass. Diesen kann man weiter oben schon sehen, mitten in einer schönen Winterlandschaft. Alpentouren fährt man ja zum Spaß, aber ich gebe offen zu, 2° Grad bei pappigem Schneefall sind einfach nur eklig und vor allem kalt. Aus mir saugt das alle Kräfte raus und ich lasse Andreas und Thomas ziehen.
Im Bergrestaurant ist erst mal Aufwärmen angesagt. Nach und nach nehmen wir dann auch unser Mittagessen ein. Worauf warten? Auf besseres Wetter? ... Ich sollte erwähnen, dass auch der Hahnenmoospass nach einer empfehlenswerten Übernachtung aussieht. Landschaftlich weniger interessant, einfach eine Graskuppe, aber auch die kann bleibende Erinnerungen erzeugen, wenn sie mit Schnee überzogen ist. Wir müssen aber doch irgendwie weiter. Die letzten Tage hatten schon zu viele Kurzprogramme. Die immer noch nassen Regenklamotten machen nun richtig Laune, und in meinen neuen Sommerschühchen steht das Wasser.
Vom Pass führt eine vom Regen stark ausgewaschene Piste bis nach Büelberg (1658 m). Die Straße weiter nach Lenk (1064 m) könnte man vermutlich ab und zu abkürzen, wir sparen uns jegliche Trailexperimente. Unten angekommen tut Aufwärmung Not, eine Touriinfo kommt da sehr gelegen. So können wir auch in Ruhe darüber nachdenken, was nun zu tun ist. Einen weiteren Pass im Dauerregen, noch dazu mit leicht unsicherer Wegführung, das macht den Tag nicht besser. Es gibt zwar eine Seilbahn nach oben, aber die steht bisher nicht auf unserem Plan. Ein Übernachtung im Leiterli oben am Betelberg scheidet ebenfalls aus, denn die gesamte Hütte ist für eine Hochzeit reserviert (na, viel Spaß bei dem Wetter). So reift langsam die Überzeugung, dass wir wohl in Lenk bleiben werden. Das bedeutet aber möglicherweise eine Verlängerung der Tour um einen Tag und abermals einen sehr frühen Feierabend.
Die Quartiersuche gestaltet sich trotz Touriinfo etwas holperig. Lenk zählt nicht zu den preiswerten Orten und der erste Anlauf im KUSPO (Kurs- und Sportzentrum) verschreckt vor allem mich ganz fürchterlich. Günstig wäre es, aber die Mischung aus Seniorenheim und Speisesaal im Stil einer Mensa ist nicht das, was ich mir für einen frühen Feierabend vorstelle.
Zwei Hotels haben wir aber auch noch auf der Liste und so ist es dann das Hotel Waldrand, das für den Rest des Tages unser Heim sein wird. Und kaum haben wir das Quartier bezogen, hört der Regen endlich auf. Die Wolken in der Höhe lassen den Entschluss trotzdem sinnvoll erscheinen. Insgeheim hoffe ich trotzdem noch darauf, das wir morgen, wie ursprünglich geplant, am Genfer See ankommen werden. Ich spreche es aber nicht offen aus, denn zu viele Unsicherheiten lauern auf der Strecke. Und die Seilbahn, die muss dann natürlich auch sein.

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Hinweise zur Route:

Das war aufgrund der Wetterbedingungen notgedrungen eine sehr kurze Etappe von Adelboden/Gilbach bis Lenk (nur 15 km und ca. 600 Höhenmeter). Im Roadbook des 6. Tages ist zusätzlich noch die Auffahrt per Bike zum Berghotel Leiterli beschrieben.
Es empfiehlt sich auf jeden Fall die Etappe bis Gstaad zu verlängern, auch wenn das übernachtungstechnisch ein selbst für Schweizer Verhältnisse sehr teurer Ort ist. Plant man die Etappen ganz anders, ist es auch eine gute Idee, die letzte Etappe vor dem Erreichen des Genfer Sees schon in der französischsprachigen Schweiz zu beginnen. Übernachtungen wären nach dem Passübergang am Col de Jable zum Beispiel möglich in den Ortschaften L'Evitaz oder La Lécherette.

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7. Tag: Versöhnliches, wenn auch verschlammtes Finale

opner 350 IMG 4005Text: Daniel Bolender

Der Morgen lässt uns durchatmen. Kein Regen, und zwischen den Wolken sind erste Lücken sichtbar. Also werden wir es versuchen, heute doch wie geplant Montreux zu erreichen. Dies hätte einen besonderen Charme, denn wir haben herausgefunden, dass unsere Route dabei die heutige Etappe der Tour de France kreuzt, die bei einem Abstecher in der Schweiz den Col de Mosses befährt. Da ich seit Jahren parallel zur Tour de France auf Alpentour bin, wäre ein direktes "Kräftemessen" sicher spannend.
Im Hotel ist mir leider meine Karte abhanden gekommen, deshalb lasse ich mir noch schnell Fotokopien von der hoteleigenen Karte machen. So ausgerüstet kreuzen wir hinüber zur Seilbahn. Wenn wir eine Chance haben wollen, heute den Genfer See zu erreichen, dann benötigen wir auf jeden Fall maschinelle Hilfe für die ersten knapp 1000 hm bis zum Betelberg (1943 m). Die Fahrt ist sehr interessant. Immer wieder queren wir Nebelbänke. Aber je höher wir kommen, umso mehr sind wir nun umgeben von Sonne und blauem Himmel. Der frische Schnee von gestern lässt die Bergspitzen in grellem Weiß erstrahlen. Wie im Bilderbuch! Der Boden ist allerdings extrem feucht, da freuen sich meine Schuhe.
Die nun folgende Passage lässt sich durch das Kartenstudium nur sehr schwer vorherahnen. Ich bin also sehr gespannt. Es steht eine längere Bergquerung an, wie viel davon fahrbar ist, keine Ahnung. Das erste Stück lässt aber bereits träumen. Ein fast ebenerdiger Höhenweg führt von der Seilbahnstation um die Anhöhe des Leiterli herum. Das Panorama des Hauptkamms ist immer im Blick. Traumhaft! Weiter in Richtung Stübleni lässt der Weg zeitweise das Träumen wieder vergessen. Immer noch flach, wird er nun zum schmalen Pfad, der offensichtlich vor allem von Kühen frequentiert wird. In Verbindung mit dem Regen der letzten beiden Tage gleicht das Fortkommen einer Wattwanderung. Spaziergänger sind ab hier wohl nur noch selten unterwegs. Wir sehen heute gar niemanden. Immer mehr Schneereste säumen zudem die Strecke. Dennoch ist die Passage bisher in Ordnung und bei trockenem Wetter eher entspannend.
Am Stübleni heißt es dann auf jeden Fall runter vom Rad. Wir haben den nördlichen und kürzeren der beiden möglichen Wege genommen. Ca. 100 hm muss das Rad nun nach oben gestoßen werden. Im Schneematsch vor allem ein Spaß für die Füße. Oben angekommen erwartet uns ein äußerst bizarres Gelände, wie ich es vorher noch nirgendwo gesehen habe. In der Karte nennt es sich Steinmader. Der ganze Bergrücken, über den nun auch der Weg weiter verläuft, sieht aus, als wäre er in einen Bombenhagel geraten. Lauter kleine Krater, um die sich der Weg kunstvoll herumschlängelt. Ich fühle mich wie im Kugellabyrinth, wo eine Kugel geschickt um viele Löcher herum ins Ziel gesteuert werden muss. Einige der Löcher sind respektabel tief, so dass fahren zwar möglich ist, aber nicht überall sinnvoll erscheint.
Nach dem lustigen Löcherfeld rollen wir einen matschigen Trail bis zum Trütlisbergpass. Warum sich dieser Punkt Pass nennt, ist nicht ganz klar. Es kreuzen sich einfach nur ein Paar kleine Wanderpfade auf einer Wiesenkuppe. Für uns hat er ohnehin keine Bedeutung, da wir noch ein Stückchen im Sumpf weiter trailen dürfen/müssen, bis am Türli (1986 m) das unbekannte Turbachtal beginnt. Der intuitivste Weg nach Gstaad ginge zwar im Westen hinunter nach Lauenen (wir können in der Richtung sogar schon den nächsten Pass Col de Jable sehen). Beim Studium der Karte fällt der Blick aber irgendwann auf das nach Norden abzweigende Turbachtal, das ebenfalls nach Gstaad führt. Dieses erscheint wesentlich ursprünglicher und einsamer. Wir werden auch nicht enttäuscht. Trotz der nicht gerade alpinen Höhe erscheint das Tal urig und wild. Noch dazu ist alles komplett fahrbar. Dort wo wir wegen des sumpfigen Bodens nicht hätten fahren können, hat ein netter Mensch Metallroste auf den Trail gelegt. Etwas Fahrtechnik ist zwar von Nöten, aber das erscheint vermutlich nur so, weil wir in den letzten Tagen eigentlich nie richtig gefordert wurden.

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Nach dem Wechsel auf die andere Seite des Turbaches führt ein Fahrweg weiter hinunter. Das Tal wird langsam belebter. Als eine Asphaltstraße beginnt, entdecken wir einen Pfad zwischen den Bäumen direkt am Bach. Wir folgen dem Kinderwagentauglichen Trail ein paar Kilometer und rollen zum Schluss auf Straße in das mondäne Gstaad (1050 m) ein, das ursprüngliche Etappenziel für gestern. Zum Glück ist uns hier die Übernachtungssuche erspart geblieben. Es ist Sonntag und der Ort wirkt seltsam ausgestorben. Zu einer Pause lädt er jedenfalls nicht ein. Diese machen wir ein Stück hinter dem Ort, kurz bevor es durch den Meielsgrund wieder hinauf geht zum Col de Jable (1884 m). Dies ist bereits der zweite Pass und es ist gerade erst Mittag, wir liegen gut in der Zeit. Bisher läuft die Etappe besser als erwartet. Da die (deutschsprachigen) Schweizer fast alle Almwege bis zur letzten Hütte asphaltiert haben, ist auch diese Auffahrt kein großes Problem. Ich muss zwar wieder etwas abreißen lassen, bin aber nicht zu weit zurück. Die letzten 100 hm sind dann ein sumpfiger Kuhweg.
Am Col de Jable kann man beim Blick in den Westen den Genfer See bereits erahnen. Der Pass ist auch der Übergang von der deutschsprachigen in die französische Schweiz. Ich habe über ihn im Vorfeld so gut wie nichts gefunden und bin gespannt, wie es nun weiter geht. Bis zur Alm Gros Jable ist es nur ein kurzes Stück auf verblocktem Pfad, natürlich wieder ziemlich nass. Dort sollte ein Pfad an der Versorgungsseilbahn hinunter führen. Leider ist dieser nicht offensichtlich und wir fahren fälschlicherweise in der Höhe weiter auf einem Wiesenweg bis zur nächsten Alm. Da es (noch) ganz gut rollt, folgen wir dem Weg weiter. Ein schöner Trail führt nun weiter bis zur Baumgrenze. Dort wird es dann knackig. Aus dem schönen Trail wird ein wurzeliger steiler Wanderpfad, der sich bald gabelt. Wir versuchen zunächst die rechte Variante, bei der an Fahren aber nicht mehr zu denken ist. Deshalb drehen wir um und nehmen die linke Variante. Dort wird gerade eine Kuhherde durch die Bäume getrieben, was uns (noch) nicht besonders interessiert, denn der Weg wiegt uns in trügerischer Sicherheit. Kaum sind die ersten Höhenmeter vertilgt, führt er aber über die zuvor noch von den Kühen bewohnte Weide. Diese haben praktisch alles dem Erdboden gleich gemacht. Außer tausender Hufabdrücke, gefüllt mit Wasser oder irgendwelchen Kuhexkrementen, ist nichts mehr zu erkennen. Es geht immer noch steil hinunter, aber fahren ist praktisch unmöglich. Mit viel Gefluche und schönen Grüßen an die Kühe erreichen wir total versifft das untere Ende der Weide. Die letzten Meter bis zum Talgrund (1251 m) führen praktisch weglos über eine Wiese, ein Zeichen, dass wir hier eigentlich nix zu suchen haben. Fazit: dieser Weg ist definitiv der falsche.


Hinweise zur Route:

Die bessere Alternative ist wohl, wenn man kurz nach del Col de Jable an der Alm Gros Jable den kaum erkennbaren Trail über die Wiese bergab nimmt (siehe auch Google Map zu Beginn).


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Der Abstieg hat uns viel Zeit gekostet. Als wir in L'Evitaz (1140 m) den Kurs der Tour de France erreichen, wissen wir nicht, wie weit das Feld bereits ist. Ein Absperrband hält uns noch von der Straße fern. Wir schlängeln uns vorbei und Schieben ein Stück die Straße hinauf. Es säumen noch zahlreiche Zuschauer den Straßenrand. Anfeuerungsrufe deuten auf die nächsten Fahrer hin, es sind aber nur zwei. Als sie vorbei sind, schwingen wir uns auf unsere versauten Räder und fahren unter teils kritischer Begutachtung, teils begeisterter Anfeuerung durch die Zuschauer ebenfalls in Richtung Col de Mosses die Straße hinauf. Es geht schön beständig bergan. Wir sind aber nicht die einzigen Radler. Viele Hobbyrennfahrer sind ebenfalls unterwegs. Thomas und Andreas scheint das ein enormer Ansporn zu sein, ich kann sie jedenfalls schon nach kurzer Zeit nicht mehr sehen. Dann kommt noch mal ein TdF-Fahrer, es ist offensichtlich der Letzte und er macht keinen guten Eindruck. Sein Tempo ist aber immer noch beachtlich, im Vergleich zu mir.
Die anderen haben derweil auf mich gewartet. Im Trubel der per Rennrad oder Auto abreisenden Zuschauer schlängeln wir uns gemeinsam bis nach La Lécherette (1379 m). Dort können wir das Chaos endlich hinter uns lassen und nach einer kurzen Pause dem Lac de l'Hongrin entgegen radeln. In leichtem Auf und Ab folgen wir einer alten Straße am Ufer dieses Stausees. Die Staumauer besteht aus zwei Bögen, die sich in der Mitte interessant an einem Felsen abstützen. Landschaftlich hat der See aber keine besonderen Reize und die Berge in der Umgebung sind bereits deutlich kleiner. Unterhalb der Mauer geht es weiter auf dem Sträßchen abwärts durch ein waldiges enges Tal. Wir sind für uns alleine und im gedämpften nachmittäglichen Sonnenlicht wirkt die verlassene Straße etwas unheimlich. Kein einziges Auto ist zu sehen und wir wissen auch bald warum. Ein Murenabgang hat die Strecke unpassierbar gemacht. Wie einige andere Radler, die dort gestrandet sind, versuchen wir eine Stelle ausfindig zu machen, wo man ohne viele Umstände den Bach queren kann, der nun inmitten von viel Geröll dort fließt, wo mal die Straße war. Nachdem das mit etwas feuchten Füßen gemeistert ist, kann endlich der 500 hm lange Zielanstieg zum Col de Jaman (1512 m) beginnen.
Doch zunächst noch einen Powerbar, denn der lange Tag zeigt Spuren. Wir hatten auch keinen Supermarkt zu Mittag. Die Auffahrt wird hart werden, aber das bevorstehende Ziel motiviert. Wasser ist ebenfalls ziemlich knapp, aber an einer kleinen Alm steht brav ein Brunnen. Auf einem unscheinbaren Sträßchen fahren wir schließlich bergan bis zu einem kleinen Bahnhof, der zu der Strecke Montbovon - Montreux gehört. Die Gegend erscheint etwas gottverlassen und ich hätte in dieser Höhe wahrlich keine Zugstrecke erwartet. Kurz hinter dem Bahnhof verschwinden die Gleise in einem Tunnel und wir bzw. ich hoppele auf immer schlechterem Untergrund der nächsten Alm entgegen. Die Piste hat zwar keine große Steigung aber sie ist in so schlechtem Zustand, dass die meiste Kraft im Untergrund landet. Man merkt, dass wir uns in der französischen Schweiz befinden. Es wirkt alles nicht mehr so aufgeräumt und die Almwege sind nicht mehr durchasphaltiert.
Knapp oberhalb der Baumgrenze erreiche ich bei bereits tiefstehender Sonne den Col und sammele Thomas und Andreas wieder ein, oder sie mich. Von nun an geht es nur noch bergab. Vor uns liegt majestätisch der Genfer See. Nicht schlecht als Ziel einer Alpentour. Bis Montreux (375 m) liegt noch eine lange Abfahrt vor uns, dafür kommt nun nur noch die Straße in Frage. Diese rollt sich ausgezeichnet, das Gefälle ist nur mäßig und die Bremse kann eine zeitlang im Rucksack bleiben :) Wir fahren ewig bergab, Verkehr ist fast keiner. Erst weiter unten wird es steiler und belebter. Wir passieren das Bergdorf Caux und kreuzen wieder eine kleine Bahnstrecke. Anscheinend haben die Schweizer in dieser Ecke jeden Hügel per Bahn erschlossen.
350 Swiss Cross 2009 freemn 122 350 img 4029Nach zahlreichen Kehren und viel Highspeed erreichen wir das Zentrum von Montreux und stecken mitten im Autoverkehr. Erst mal zum See! Die Uferpromenade ist sehr belebt, und wir rollen noch eine Weile durch die Menge, bevor wir endlich die Ankunft in Ruhe genießen können. Es hat also geklappt, trotz der Wetterquerelen der letzten beiden Tage doch noch in der geplanten Zeit das Ziel zu erreichen. Da ist auch der Einsatz der Seilbahn verschmerzbar.
Etwas schwierig gestaltet sich die Hotelsuche. Ich habe zwar ein paar Adressen aufgeschrieben, aber die entsprechenden Straßen und Hausnummern ausfindig zu machen, ist mühselig. Das erste Hotel sieht unmöglich aus, das nächste hat keinen Platz für uns. Also wieder zurück, schließlich ist es schon spät. Die Rezeption besteht nur aus einem Telefon, die Kontaktaufnahme funktioniert aber, also alles bestens. Und direkt hinter dem Hotel ist der Bahnhof, sehr praktisch. Das Hotel ist zwar wenig heimelig, aber es ist günstig. Für eine Nacht eigentlich genau richtig.
Den Abend verbringen wir in einer Touripizzeria an der Uferpromenade, perfekt für ein stilvolles Abschlussessen. Es wird nicht allzu spät, nach dem langen Tag verständlich. So geht eine tolle Tour bei guter Stimmung zu Ende. Es war alles dabei, gemütliches Einrollen, hochalpiner Surenenpass, traumhafte Landschaft in der Jungfrauregion, Sonne, Regen und sogar Schnee. Pannen sind keine aufgetreten, nicht mal einen Platten hatten wir.
Da wir aus unserem Zimmer auf den Bahnsteig sehen können, ist die Rückfahrt zum Auto am nächsten Tag sehr unkompliziert. Die Abfahrzeiten hatte ich schon vorher recherchiert, wir müssen nur noch die Tickets und etwas Verpflegung einkaufen. Dann verabschieden wir uns auch schon von Montreux (ohne ein einziges Bad im Genfer See genommen zu haben). Zugfahren in der Schweiz ist zwar nicht preiswert, aber extrem stressfrei. Umsteigen, Anschlusszüge, Bikes transportieren, alles klappt perfekt. Die Ankunft am Auto bringt ein weiteres Highlight mit sich: das von mir vermisste Mobiltelefon (siehe Tag 2) liegt unschuldig im Fach an der Fahrertür. Also Ende gut, alles gut. Nur schade, dass es vorbei ist. Am frühen Abend bin ich wieder zu Hause und verabschiede auch Andreas, der noch ein paar weitere Kilometer Heimfahrt vor sich hat. Tolle Tour!

 


Die Karte deckt aus Gründen der Übersichtlichkeit den Bereich zwischen Gstaad und Montreux ab, so wie es der ursprünglich geplanten letzten Etappe entsprochen hätte. Der erste Teil der Route bis Gstaad befindet sich Übersichtskarte des 6. Tages. 

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Fazit

350 P1030124Für mich war es nach langen Jahren eigener Tourplanungen wieder einmal eine Transalp, bei der ich mich ganz auf die Planungen eines anderen verlassen habe. Das war einerseits sehr angenehm, zumal ich mich 100%-ig darauf verlassen konnte, dass Daniel seine Sache sehr gut macht. Andererseits hat es mich an der einen oder anderen Stelle schon gejuckt, vielleicht noch eine andere Variante auszuprobieren. Aber wie sagt ein alter Spruch: Viele Wege führen nach Rom. Diese Transalp würde ich wieder genauso fahren. Nur am Surenenpass würde ich die Seilbahnvariante nach Brüsti ausprobieren. Diesen Pass kann ich als meinen bisher schwersten Übergang einstufen (trotz Trail Transalp Tirol).

6-Tage-Variante
Leicht lässt sich diese Transalp auch an 6 Tagen bewältigen. Wegen des schlechten Wetters hatten wir zwei sehr kurze Etappen. Die Strecke Kleine Scheidegg - Adelboden - Lenk kann zum Beispiel gut an einem Tag bewerkstelligt werden. Wenn keine Besichtigung des Jungfraujochs geplant ist, kann bereits die Etappe zur Kleinen Scheidegg verlängert werden bis in die Gegend des Thuner Sees.

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