Transalp.info by Andreas Albrecht

Schweizroute: Bodensee - Gardasee


6. Tag: Die Spur der Steine

opner 350 DSCN5053In Davids dunkler Kemenate muss wohl ein durchreisender Wunderheiler sein Karma hinterlassen haben. Auf jeden Fall nimmt er beim Frühstück wieder feste Nahrung zu sich und das mit Appetit und will und kann weiterfahren. Also los. Heute werden wir wohl wieder keiner Menschenseele im Gebirge begegnen. Der Weg führt uns wie vor zwei Jahren über den Passo Venerocolo, einen wahren Scharfrichter in den Bergamasker Alpen. Die Anfahrt gestalten wir auf Straße in Richtung Aprica so leicht wie möglich, denn wir wissen, heute legen wir nur wenige Kilometer, aber viele Höhenmeter zurück. In gut anderthalb Stunden sind wir am Eingang des Val Belviso mit dem gleichnamigen See. An dessen Ende zweigt das Seitental zum Pass ab. Es wird ein netter Wandertag in grobem Gelände. Wir machen betont langsam, schließlich fehlen David die Kalorienvorräte eines ganzen Tages. Das Finale zum Passo Venerocolo hat das Format von Wagner-Opern: düster und langandauernd, aber voller subtiler Schönheit und schroffer Energie.
Schließlich sind wir beide oben und genießen einen kurzen Moment der Entspannung. Vor zwei Jahren wanderten wir dann über den Passo Gatto zum Passo Vivione. Im Moment wissen wir allerdings noch nicht, dass wir heute im dortigen Rifugio unsere müden Häupter zur Ruhe betten werden. Wir wandern diesmal etwas länger, nämlich die alte Militärpiste hinunter in Richtung Schilpario. Sicher war dieser Weg vor ein paar Jahren noch besser in Schuss, der Zahn der Zeit und die Unbilden des Wetters lassen ihn langsam zerfallen. Freunde ruppiger, technisch anspruchsvoller Singletrails werden hier ihre Freude haben. Einen Singletrail über elfhundert Höhenmeter bergab findet man recht selten. Viele andere, wie auch wir, werden wohl das eine oder andere Stück schieben müssen und vielleicht auch mich verfluchen, der ich diese Route beschreibe. Bei mir selber ist das allerdings selbstgewähltes Elend. Irgendwann hat auch das ein Ende und wir erreichen Schilpario.
Wir fühlen uns wie Gestrandete und überlegen erst einmal, welche Alternativen es für die Weiterfahrt gibt. Wenn wir hier übernachten, wozu es uns gegen siebzehn Uhr schon zu Mute ist, werden wir wohl kaum in zwei Tagen am Gardasee sein. Die Touristinfo hat zum Glück noch auf und wir fragen nach, was es für Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Morgen soll es über den Passo Campelli nach Breno und weiter zum Passo Croce Domini gehen. Also wollen wir irgendwie in diese Richtung fahren. Die einzige Möglichkeit dazu bietet das Rifugio am Passo Vivione an. Auf dem Weg gibt es zwar noch das Rifugio Bagozza, das hat aber laut telefonischer Auskunft schon geschlossen. Nach oben führt ein schmales Asphaltsträßchen mit wenig Verkehr, auf geht's. Gegen 19 Uhr sollten wir spätestens da sein. Die Rechnung geht auf. Die Auffahrt ist relativ easy und Punkt sieben zischen "Birre grande" unsere Kehlen hinunter. Das Rifugio am Passo Vivione ist ein Volltreffer - gemütlich, sauber und es gibt leckeres Essen. Das hätten wir allerdings einfacher haben können.

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6 Tirano Vivione

Variante: von Passo Venerocolo direkt zu Passo Vivione

Die Meinungen zu dem alten Militärtrail hinunter nach Schilpario gehen weit auseinander. Manche sage: komplett unfahrbar - andere wiederum: anspruchsvoller, aber schöner Trail. Bei meiner Transalp Heckmair-Tour a la Albrecht bin ich direkt zum Passo Vivione. Das ist halt direkter. Die Entscheidung muss jeder selbst für sich treffen. Wie auch immer, eine klare Übernachtungsempfehlung ist das Rifugio am Passo Vivione. Das sollte man auf jeden Fall bei dieser Transalp einplanen.

empfohlene Vorzugsvariante: Gran Tour Venerocolo

Von Aprica aus ist ein alter Militärweg wieder hergerichtet worden. Er verläuft nach der Auffahrt mit der Seilbahn Aprica - Magnolta auf dem Sentiero Gran Via delle Orobie zum Passe Venerocolo. Ab Aprica entweder mit der Seilbahn oder aus eigener Kraft hinauf zur Bergstation der Magnolta-Seilbahn. Von dort weiter auf dem alten Militärweg in Richtung Passo del Venerocolo. Der wurde hergerichtet und führt als schöner Höhenweg zum Pass. Gefahren mit Alcide Pancot - danke für den schönen Tag. GPS-Track dazu auf Anfrage.

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