Transalp.info by Andreas Albrecht

Tiroler Jöchl Transalp


1. Tag: Mittenwald - Stubaital - Maria Waldrast

opener 350 DSCN5684Wenn man von Mittenwald aus eine Transalp startet, fahren die allermeisten zunächst durchs Karwendelgebirge. Uns schwebte bei der Grobplanung allerdings eine direktere Route an den Gardasee vor. Die Brennergrenzkammstraße sollte dabei sein, also fahren wir zunächst direkt südlich über Seefeld ins Inntal. Dadurch ist der erste Tourtag so wie ich es mag - ein paar leichte Kilometer zum Einrollen. In Scharnitz zweigt die Route ins Karwendel ab. Wir bleiben auf den einfachen Forstwegen in Richtung Seefeld, passieren Triendlsäge und streifen den besonders bei älteren Semestern beliebten Urlaubsort nur am Rande. Für einen Zwischenstopp ist es noch zu früh. Zügig geht es hinab ins Inntal. Dazu gibt es viele schöne Varianten für Mountainbiker. Wir entscheiden uns für die Abfahrt nach Leiblfing Dort erreichen wir das flache Inntal und wechseln bei Hatting auf den Innradweg, dem wir flussabwärts in Richtung Innsbruck folgen. Es ist sehr warm und wir freuen uns über jeden Dorfbrunnen, an dem wir unsere Wasservorräte auffüllen können. In Zirl befindet sich direkt am Radweg ein M-Preis. Dummerweise legen wir hier keine Essenspause ein, was sich später bei Hermann rächen soll. Zügig rollen wir auf den ebenen Radweg bis nach Völs. Hier beginnt die Passage hoch auf das Axamer Plateau. Als ich vor Jahren diese Teilstrecke schon einmal auf einer Transalp gefahren bin, war mir nichts besseres eingefallen, als die Straße hoch zu fahren. Das muss doch besser gehen, dachte ich mir und fragte im Vorfeld meinen Tiroler Bikefreund Appi (www.appi.at), der in Axams wohnt und es wissen muss. "Klar", sagt er, "und überhaupt kein Problem. Ihr fahrt von Völs durch das Nasse Tal nach Birgitz und dann gibt es oben jede Menge Nebenwege nach Mutters." Gesagt, getan. Die Fahrt durchs Nasse Tal ist eine einfache und entspannte Angelegenheit, wenn man genug Energie in sich verspürt. Bei Hermann sind allerdings die Energiespeicher leer gefahren, er bekommt einen Hungerast. Auch die Essenspause bringt ihn nicht wieder richtig auf die Beine. Er schleppt sich bis Mutters so dahin und kann gar nicht so recht Freude an der abwechslungsreichen Strecke empfinden. Da wäre z.B. der Natterer See, wo man bei Bedarf eine Badepause einlegen könnte. Danach ist uns nicht zumute, wir wollen vorwärts kommen. Am letzten Anstieg von Natters nach Mutters bricht Hermann dann vollends ein. Eine Entscheidung muss getroffen werden. Die ist einfach, problemlos und lautet: gemütlich hinunter nach Innsbruck rollen, mit dem Zug bis zum Brenner, von dort bergab nach Gries zu meinem Freund Thomas ins Gasthaus Rose fahren, gut essen, erholen und am nächsten Morgen in alter Frische wieder zu uns stoßen. Das hat hervorragend funktioniert und Hermann wird die Transalp ohne Probleme zu Ende fahren. Im Moment der Entscheidung hat David, mein erprobter Transalpbegleiter, der die ersten beiden Tage mit uns fährt, einen Platten und bemerkt auch noch, dass seine Bremsbeläge stark abgefahren sind. So beschließt er, Hermann zu begleiten und in Ruhe die notwendigen Reparaturen durchzuführen. Wir trennen uns also und wir restlichen vier fahren über die landschaftlich sehr schöne Strecke über die Telfser Wiesen ins Stubaital.
Im Talgrund passieren wir die Kirchbrücke. Ganz in der Nähe liegt das Gasthaus Kirchbrücke. Auch dort hätte man den Hungerast von Hermann gut bekämpfen können. Es gibt gute Hausmannskost und Forellen - frisch gefangen aus dem eigenen Teich. Auch übernachten kann man hier, zum Beispiel wenn man bei dieser Transalp erst nach dem Mittag in Mittenwald startet.
Nach der Rast beginnt der finale und etwas zähe Schlussanstieg in Richtung Mieders und weiter nach Maria Waldrast. Wer hier keine Lust verspürt oder wem die Kräfte abhanden gekommen sind, kann die bequeme Variante wählen und mit der Serles-Seilbahn ein Großteil der Höhenmeter auf leichte Art und Weise überwinden. Von der Bergstation quert ein Schotterweg hinüber zur Normalauffahrt. Auf der befinden wir uns und kämpfen uns im Schweiße des Angesichts nach oben. Heiß ist es, aber allemal besser als Regen. Auf der Prozessionsstrecke finden sich am Wegesrand neben diversen Marienstatuen genug Quellen, an denen wir uns laben und Wasser über unsere erhitzten Köpfe schütten können. Schließlich erreichen wir das Waldraster Jöchl. Von dort sind es nur ein paar Meter bergab und wir sind in Maria Waldrast. Das Serviten-Kloster hat eine lange und wechselvolle Geschichte hinter sich.


Der Legende nach entdeckten zwei Hirtenknaben zu Ostern 1407 an einem hohlen Lärchenbaum das gewachsene Bild einer Madonna mit Kind. Männer sägten das ca. 1 m hohe Bild aus dem Baumstamm und brachten es nach Matrei. Zu Pfingsten desselben Jahres befahl eine innere Stimme dem armen Holzknecht Christian Lusch zur Waldrast aufzusteigen und auf einem bemoosten Stein zu warten. Dort zeigte ihm die als lichte Gestalt erschienene Mutter Gottes den Platz, auf dem er eine Kapelle erbauen sollte. Mit Unterstützung des Fürstbischofs von Brixen wurde 1421 ein Gotteshaus errichtet und die Marienstatue fand hier ihre Heimstatt. Zwei Mal wurde die Klosterkirche Opfer weltlicher Machthaber und das Gnadenbild verlor seinen angestammten Platz auf dem Hochalter, um auf unfreiwillige Wanderschaft zu gehen. Kaiser Joseph II. ließ 1785 das Kloster aufheben und gab es dem Verfall preis. Erst 1846 wurde es wiederhergestellt und das heilige Bild kehrte in großem Triumph zurück. Seit dieser Zeit ist es - mit einer kurzen Unterbrechung zwischen 1941 bis 45 - wieder ein blühender Wallfahrtsort.


Wir haben uns spontan entschlossen, hier zu übernachten. Die von den Mönchen betriebene Herberge bietet normalen Komfort. Die Aussicht auf der Terrasse ist vom Feinsten, warum sich noch bis nach Gries quälen. Eine Mörderetappe am ersten Tag muss nicht sein. Wir telefonieren mit David und Hermann. Alles ist in Ordnung. Wir werden die beiden morgen früh aufsammeln.

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TAG1 TIROLJOC

Übernachtungstipps:

Klostergasthof  Maria Waldrast,  Mützens 27, 6143 Matrei am Brenner, Österreich,  Telefon:+43 5273 6219 www.mariawaldrast.at