Transalp.info by Andreas Albrecht

Tiroler Jöchl Transalp


3. Tag: Schlüsseljoch - Valler Jöchl - Klausen

opener 350 IMG 0023An diesem Morgen sind wir nicht überrascht, wieder einen klaren Himmel vorzufinden. Ein großräumiges stabiles Hoch liegt über den Alpen. Das wird noch viele Tage so bleiben, sagt der Wetterbericht. Wir glauben dem Bericht gern, Regen hatten wir auf unseren Touren in den letzten beiden Jahren genug. Zum Schlüsseljoch führt eine alte Militärpiste, fast durchgängig fahrbar. Nur in der Mitte gibt es einen erodierten Abschnitt, zum Glück muss man fast sagen. Ansonsten würden wohl Quadfahrer auch hier oben die Gegend unsicher machen. Egal, in dieser frühen Morgenstunde haben wir den Weg sowieso für uns allein. In knapp einer Stunde erreichen wir das Schlüsseljoch. Vor uns liegt das Pfitscher Tal. Auf der anderen Seite ist der steile Weg zum Pfunderer Joch zu erkennen. Da soll es in diesem Jahr nicht drüber gehen, mit Ende Juni ist es zu früh, es liegt noch zu viel Schnee auf der Passhöhe. Aber danach gibt es ja noch ein Joch, das Valler Jöchl (in manchen Karten auch Valser Joch genannt). Dieses Jöchl wird bei Transalps eher selten befahren, kommt uns also gerade recht. Doch zunächst wartet die schöne Schotterabfahrt vom Schlüsseljoch nach Fußendraß auf uns. Ein paar grobe Brocken liegen zwar manchmal im Weg herum, was Achim ab und an zum Fluchen bringt. Er ist ein Kölscher Junge und nimmt es meist gelassen: Et kütt wie et kütt. Bei grobschottrigen Abfahrten entwickelt er eine interessante Fahrtechnik: auf dem Oberrohr sitzen und mit beiden Füßen durch den Schotter surfen. Sieht gut aus, drückt nur leider etwas im Schritt, wie er sagt. Im Laufe der Transalp stellt er sich allmählich um und findet eine bequemere Lösung: sitzend im Sattel, schmerztechnisch eine Offenbarung und schneller ist man auch.
Am Grund des Pfitscher Tals findet sich nahtlos ein schöner Schotterweg hinab in Richtung Sterzing. Bei Ried müssen wir kurz auf die Straße. Den Gegenanstieg vermeiden wir elegant auf einem kleinen, einfachen Trail, der schließlich wieder auf die Straße führt. Am Ortseingang von Wiesen beginnt ein schöner Waldpfad, der uns an Sterzing vorbei zum Eisackradweg bringt. Den rollen wir ohne großes Federlesen bis Mauls hinunter. Hier beginnt das Maulser Tal, das uns zum Valler Jöchl bringen wird. Ein leichter, aber einsamer Übergang. Zunächst fahren wir lange auf einer Nebenstraße, die die Gehöfte erschließt. Später wird daraus eine gute Forststraße. Nur die letzten 100 Höhenmeter muss man schieben. Das ist nicht dramatisch und dauert keine halbe Stunde. Am Valler Jöchl halten wir uns rechts und gelangen nach noch einer kurzen Schiebestrecke an der Bergstation des Liftes, der von Vals aus Wanderer nach oben bringt. Das Wegenetz ist hier recht vielfältig. Wir vermeiden Gegenanstiege so weit als möglich und rollen bergab auf einfacher Schotterpiste.
An der Linderalm stehen Liegestühle einladend auf der Wiese. Keine Frage, hier rasten wir. Es ist sowieso Zeit zum Essen. Leckere, gehaltvolle Kost steht auf der Speisekarte: Hüttenmakkaroni, Eier mit Speck, Käsespätzle, Hirschgulasch mit Knödeln. Bald steht eine Auswahl davon auf dem Tisch, wir sind ja nicht zum Abnehmen unterwegs. Zum Abschluss spendiert der Wirt sogar noch einen Kaiserschmarren. Süßes Zeug ist zwar nicht mein Ding, ich koste trotzdem und kann den anderen bestätigen, dass er gut gemacht ist. Wir haben ausreichend Zeit und lassen uns wieder in die Liegestühle fallen. Heute passiert nicht mehr viel. Es geht fast nur noch bergab. Auf jeden Fall bis Brixen und dann schauen wir mal, wie weit wir noch kommen, nur kein Stress. Die Abfahrt weiter auf einem leichten Forstweg bis zum Wetterkreuz. Hier halte ich Ausschau nach den Trailvarianten, die ich bei der Planung laut Karte ausgemacht habe. Ah, da sind sie ja. Aber lieber noch einmal bei den Einheimischen nachgefragt. Ja richtig, dieser Weg schneidet die Straße über Spinges ab und führt direkt nach Schabs. Also los, es wird ein netter kleiner Trail, nicht zu schwierig, wenn auch teilweise steil und schmal. Wer das nicht mag, kann die Trails problemlos auf der Straße umfahren.
Schließlich kommen wir im Pustertal direkt beim Hotel Sonneck heraus. An dieser Stelle hatte ich im Vorfeld schon einmal recherchiert und einen wunderschönen Weg hinunter nach Brixen gefunden. Nur ganz kurz und das zügig bergab muss man ein Stück die recht stark befahrene Straße von Brixen ins Pustertal benutzen. Bald schon zweigt rechts die Alte Pustertaler Straße ab, die als Feld-/Radweg direkt ins Zentrum von Brixen führt. Dabei hat man einen schönen Blick auf die Gärten des Kloster Neustifts und auf den Hausberg von Brixen, die Plose. Wir stehen bald an der Brücke über die Eisack, die direkt in die Fußgängerzone führt. Gerade schickt sich eine lokale Wolke an, einen örtlich begrenzten Regenschauer zu liefern. "No rain!" ist doch die Devise. Wir erreichen knapp aber rechtzeitig die Markise eines Eiscafes auf dem Marktplatz und lassen uns nieder, als der kurze Schauer auch schon niederprasselt. Nichts Ernstes, wir sitzen das vergnügt aus. Die schwüle Hitze weicht angenehm temperierter frischer Luft. Die paar Kilometer bis nach Klausen fährt es sich auf dem Radweg neben der Eisack fast wie von selbst. Klausen selbts ist ein bezauberndes Städtchen, das sich seinen Charme bewahrt hat und nicht ganz so von der Busreise-Mafia heimgesucht wird wie Brixen. Also fällt es uns auch nicht schwer, hier schon Quartier zu machen, als ich im Tourismusbüro erfahre, das das eigentlich anvisierte Tagesziel, der Gasthof Mühlele im Thinnebachtal, heute Ruhetag hat. Im ersten Anlauf finden wir im Hotel Post freie Zimmer. Eine gute Wahl, die Fahrräder stehen sicher im Haus, es gibt einen Garten mit Swimmingpool, was will man mehr.

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Übernachtungstipps:

Parkhotel Post, Tinneplatz 3, 39043 Klausen, Tel. ++39 0472 847514,  www.parkhotel-post.it
Gasthof Walther von der Vogelweide, Oberstadt  66, 39043 Klausen,  Tel. +39 0472 847369      www.vogelweide.it