Transalp.info by Andreas Albrecht

Trail Transalp Tirol


2. Tag: Seejöchl - Pinnisjoch

Der Morgen ist klar, die Luft rein. Eine seidige Atmosphäre liegt über den Alpen. Wir sind mitten drin in den Alpen. Bis zur Adolf-Pichler-Hütte gibt es noch einen Forstweg, der wird zum Schluss aber so steil, dass wir nur mit Mühe das Plateau erreichen, auf dem die Hütte steht. Kurz die Beine ausschütteln, bei Bedarf Wasser nachtanken und weiter geht's. Ein wenig können wir noch auf dem Wanderweg fahren. Er verläuft zum Teil direkt auf der Kante einer kleinen Erhebung und ist nicht nur dadurch sehr eindrucksvoll zu fahren. Schließlich führt der Weg ganz dicht an die steilen Felsformationen der Ochsenwände heran. Bald ist Schluss mit Fahren, der Wandersteig verläuft durch eine Schutthalde, die sich durch die fortlaufende Erosion gebildet hat. Es läuft sich durchaus angenehm, da man das Mountainbike zu weiten Teilen bequem neben sich führen kann. Wir sind mit Fotopausen kaum anderthalb Stunden seit der Pichlerhütte unterwegs, als wir das Seejöchl erreichen. Wow - das Panorama der Stubaier Alpen verschlägt einem die Sprache. Die Mühen des Aufstiegs sind für Appi und mich vergessen, das Wort Strapazen wollen wir erst gar nicht in den Mund nehmen. Wer allerdings auf dieser Passhöhe zwischen dem Gamskogel und der Schlicker Seespitze merkt, dass ihm alle Körner abhanden gekommen sind, der hat nun Gelegenheit darüber nachzudenken, ob er diese Transalp durchsteht. Auf dem folgenden schönen Trail zur Starkenburger Hütte kann man relativ gefahrlos darüber sinnieren, denn es folgt heute noch ein etwas heftigerer Aufstieg zum Pinnisjoch. Soweit sind wir aber noch nicht. Die Rast an der Starkenburger Hütte haben wir uns redlich verdient. Bei schönem Wetter sind hier viele Wanderer unterwegs, die aus dem Stubaital meist bequem mit der Kreuzjochbahn nach oben fahren und dann herüber laufen. Warum auch nicht!
Der Wirt der Starkenburger Hütte ist ein Sportfreund von Appi. Er freut sich natürlich über die Unmengen von Wanderern, die an schönen Tagen wie heute die Panoramaterrasse belagern. Wir suchen uns ein stilles Eckchen im Haus. Sonne haben wir genug genossen und nach Trubel steht uns nicht der Sinn. Wir checken noch einmal die Karte. Hinunter nach Neustift im Stubaital gibt es zwei Varianten. Die erste: einfach und bequem auf dem Forstweg. Die zweite: der Wanderweg 115 - sieht nach Trail aus. Keine Frage, bei diesen guten äußeren Bedingungen probieren wir den aus. Gleich an der Hütte geht es auf einem schmalen Pfad los. Kurzes Eingewöhnen, dann ein paar Dutzend Meter auf dem Almweg und wieder Abtauchen auf den Weg 115. Wir begegnen nur sehr sporadisch ein paar Wanderern. Unsere Fahrweise ist auf dem uns noch unbekannten Weg sowieso defensiv, so dass wir keine Konflikte heraufbeschwören. Gut eintausend Höhenmeter geht es bergab, alles auf einem schmalen Trail, der ein paar verblockte Stellen aufweist und einen ab und zu zum Absteigen zwingt, wenn man einen Weidezaun überwinden muss. Im Großen und Ganzen aber recht flüssig fahrbar.

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Wem es zu viel wird, hat bei der Querung der Forststraße die Möglichkeit, jetzt einfach und entspannt abzufahren. Auch bei schlechtem Wetter und nassem Untergrund ist das eine gute Alternative. Wir wollen es heute natürlich wissen und bleiben auf dem Trail, bis er uns oberhalb von Neustift wieder ausspuckt. Appi hat durch sein Fully mit 160 mm Federweg etwas mehr Komfort, aber auch mit meinen 140 mm bin ich gut zurechtgekommen. Wichtig ist, dass der Sattel ordentlich abgesenkt werden kann - in Cross-Country-Sitzhaltung wird man auf diesem Trail keine große Freude haben. Im quirligen Zentrum von Neustift schütteln wir uns erst einmal die Arme und Beine aus. Die hatten ordentlich zu tun. Eine Pause tut gut. Wir machen einen Abstecher zum örtlichen M-Preis und rasten auf der Terrasse des Cafes. Dabei beratschlagen wir, wie es weitergehen soll. Unser Tagesziel ist die Innsbrucker Hütte, die direkt am Pinnisjoch liegt. Dorthin gelangt man über das gleichnamige Tal. Durch den Elferlift haben wir die Chance, uns ein paar Höhenmeter entspannt nach oben fahren zu lassen. Von der Bergstation des Lifts führt dann ein Forstweg und später schöner Trail zur Pinnisalm. Die Alternative wäre, alles zu fahren, doch der Einstieg ins Pinnistal ist sehr steil. Da am Ende auch noch eine Schiebepassage über 600 Höhenmeter wartet, ist man gut beraten, die Liftunterstützung zu nehmen, zumal der Trail zur Pinnisalm auch etwas Feines ist. Man muss je nach Wetter, Jahres- und Tageszeit zwar mit einigen Wanderern rechnen, aber mit der entsprechenden Rücksichtnahme ist das kein Problem.  Die Schiebepassage zum Pinnisjoch beginnt an der Karalm. Nach ca. 300 Höhenmetern erreicht man ein Plateau, von dem aus man deutlich das Joch erkennen kann.

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Ebenso deutlich sieht man auch, das zwei Wege hinauf führen. Einer geht das Joch direkt an - quasi in der Falllinie. Der andere macht einen Bogen nach rechts und schlängelt sich an der Bergflanke nach oben, scheinbar etwas weniger steil. Ich entscheide mich für den rechten Abzweig, Appi für die Direttissima. Welche Variante nun die bessere ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich laufe lieber ein paar Meter länger, Appi geht die Berge lieber direkt an. Am Pinnisjoch kommen wir gleichzeitig an. Heute weht hier ein sehr starker Föhnwind. Wir suchen uns eine etwas geschützte Stelle und genießen die Aussicht zum Habicht, dem am nächsten gelegenen markanten Gipfel. Unter uns liegt das Gschnitztal. Auf der anderen Talseite ragt das wuchtige Felsmassiv der Tribulaune empor. Dort wartet morgen die gröbste Schiebepassage auf diesem Alpencross auf uns. Die Innsbrucker Hütte liegt kaum einen Steinwurf vom Pinnisjoch entfernt. Sie wird durch eine Materialseilbahn aus dem Gschnitztal versorgt. Wir sind heute die einzigen Mountainbiker hier. Aus den Blicken anderer Gäste entnehmen wir, dass die hier wohl selten vorkommen. Da sind die Murmeltiere häufiger anzutreffen, zumindest an dieser Stelle. Es ist ein regelrechtes Pfeifkonzert im Gange, wahrscheinlich sind wichtige Absprachen im Gange. Wir beziehen zunächst unsere Zimmer in der Hütte und verbringen dann den Rest des Nachmittags auf der Aussichtsterrasse. Dort gibt es ein windgeschütztes Plätzchen, an dem wir ausharren, bis uns die sinkenden Temperaturen ins Haus treiben. Der gemütliche Ofen wärmt unsere Körper und bringt uns zum wohligen Grübeln. Wir sind gespannt, ob der Trail am nächsten Tag die Mühen des Aufstiegs aufwiegt.

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Variante A: leichte Abfahrt ins Stubaital , ohne Elfer- Lift ins Pinistal

Starkenburger Hütte - Versorgungsstraße - Neustift  im Stubaital - Pinnistal - Pinnisalm

Übernachtungstipps:

Innsbrucker Hütte - offen ab ab Mitte Juni: Telefon Hütte: 0043-5276-295, im Tal (Hotel Stubaierhof): 0043-5226-2450    www.innsbrucker-huette.at