Transalp.info by Andreas Albrecht

Trail Transalp Tirol


4. Tag: Ridnauer Höhenweg

 Unser Tagesziel ist heute das Ridnauntal. Die Anstiege fallen moderater aus. Zunächst rollen wir ein paar hundert Meter talauswärts, passieren Innerpflersch und biegen dann auf den Fahrweg in Richtung Ladurns ab. Dieser gewinnt mäßig steil langsam an Höhe und wird bald ein geschotterter Forstweg. Schließlich erreichen wir die freien Flächen des kleinen Skigebiets Ladurns und überqueren den Abfahrtshang in Richtung Ladurner Hütte. Im Wald beginnt dann ein schöner Trail, der Dolomieu-Weg. Dieser Wanderweg ist neu angelegt worden und verbindet das Pflerschtal mit dem Ridnauntal. Unterwegs passieren wir die Vallmingalm. Mit Gegenverkehr von Wanderern ist insbesondere am Wochenende zu rechnen. Auf dem Plateau oberhalb von Sterzing ist die Bergstation der Kabinenbahn. Außerdem gibt es verschiedene Rastmöglichkeiten. Wir fahren weiter in Richtung Freundalm, passieren diese und landen an einem Wegekreuz. Ein breiter Forstweg scheint uns auf den richtigen Weg in Richtung Ridnaun zu führen. Pustekuchen - der endet unvermittelt im Wald. Nicht mal als Pfad geht er weiter. Also zurück. Ein verstecktes Schildchen bringt uns auf die richtige Spur. Verwittert weist der Wegweiser nach Ridnaun. Aber noch sind wir unsicher, denn der Pfad verläuft kaum sichtbar und sehr steil eine Wiese hinunter. Bei Regen wäre das eine schöne Rutschpartie. Außerdem wollen wir ja nicht soviel an Höhe verlieren. Wir fahren also langsam hinab, nur keinen Abzweig verpassen. Der kommt auch bald und ist wirklich kaum zu erkennen. Der Trail geht direkt ins Gebüsch und überquert einen Bach, der in einer Rinne zu Tal fließt. Danach müssen wir noch drei Mal ähnliche Wasserrinnen überqueren. Das sind jedes Mal kurze Schiebepassagen. Der Weg ist aber schön abwechslungsreich, mal trailig, mal als Forstweg. Auf jeden Fall erreichen wir ohne großes Auf und Ab schließlich den Talgrund, überqueren den Fernerbach und sind auch schon an unserem Tagesziel, dem "Gassenhof". Das ist, wie unsere Unterkunft gestern auch, ein feines Wellness-Hotel. Appi kennt den Wirt gut. Wir genießen das gepflegte Ambiente, entspannen uns in der Sauna und sammeln Kräfte für die Trails in großer Höhe, die in den folgenden Tagen noch auf uns warten. 

Unsere Empfehlung bei gutem Wetter ist jedoch, die im folgenden beschriebene Route über die Maurerscharte zu versuchen. Die entspricht stärker dem Charakter einer Trail Transalp.

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Alternative: Maurerscharte

Text: Carsten Schymik - www.schymik.de

04 DSC 1885 350pxMittwoch morgen kommt eine SMS von meinem Bruder Roland. Appi hat die Maurerscharte gemacht, wir filmen am Samstag  und fahren noch mal drüber…
Doch erst einmal von Anfang an: Wer sich die Trail Transalp Tirol von Appi genauer ansieht stößt spätestens bei der Etappe am Ridnauner Höhenweg auf die Maurerscharte … und verwirft diese Idee beim genaueren Betrachten der Karte sogleich wieder. 1000 Meter hoch tragen, und dann? Dies wäre wohl noch eine Weile so geblieben, wenn es da nicht Leute vom Schlage eines Apperle Markus aus Axams gäbe, die einfach nichts unversucht lassen. Da mein Bruder Roland kurz zuvor die Transtirol verfilmt hat, war es natürlich eine Selbstverständlichkeit, dass dieser "Missing Link" noch mit auf die DVD und in das Buch musste. Geschickt auch, dass ich gerade samt Familie den Urlaub im Stubaital verbringe. Somit bin ich schon fast vor Ort. Wir treffen uns also morgens früh am Gasthof Feuerstein. Dabei sind Markus Apperle, Martin und Roland. Noch scheint die Sonne, aber oben an den Gipfeln braut sich etwas zusammen. Wir sind dennoch guter Dinge und wollen die Tour in Angriff nehmen. Die ersten Höhenmeter absolvieren wir auf einer kleiner Teerstraße, die sich in einigen Serpentinen den Berg hinauf windet. Aber bereits nach knapp 300 Höhenmetern ist an der Alrißalm Schluss mit Fahren. Wir übersteigen das Viehgatter und schieben die Bikes fortan bergauf. Der Weg ist wesentlich besser als die Karte vermuten lässt und entpuppt sich schließlich, wie vorhergesagt, als alter Militärweg, wie man diesen unter anderem auch am bekannten Eisjöchl vorfindet. Größtenteils ist der Untergrund mit Steinen befestigt, die Steigung ist moderat. Leider ist gerade im unteren Bereich die Vegetation derzeit etwas üppig, so dass wir heute nach einer feuchten Nacht schnell nasse Schuhe bekommen. Gutes Schuhwerk, respektive Wanderschuhe vorausgesetzt, bleiben hier aber die Füße trocken. An einigen Stellen kann man den Aufstieg sogar fahrend auf dem Bike absolvieren. Die Wolken um uns herum werden immer dichter, die gesamte Szenerie ist gespenstisch. 400 Höhenmeter vor dem Pass, also auf 2100 Metern beginnt es zu regnen. Zum Glück ist die ganze Angelegenheit halbwegs stabil, die Temperaturen sind erträglich milde und das wichtigste Kriterium für eine sichere Fortführung der Tour ist gegeben: weder Blitz noch Donner drohen.

Nach dem Anlegen der Regenjacken und Schutzhüllen für die Rucksäcke geht es nun im verschärftem Tempo weiter nach oben. An der Scharte über uns sieht es wesentlich heller aus als auf dem bereits absolvierten Abschnitt. Daher haben wir immer noch etwas Hoffnung auf eine halbwegs trockene Abfahrt. Bereits nach wenigen Minuten ist der Regenschauer vorbei und wir verlassen den von Vegetation bewachsenen Bereich des Weges. Ab jetzt dominieren Fels und Geröll das Landschaftsbild. Erstaunlicherweise ist der Weg hier oben wesentlich besser in Schuss und die begrenzenden Mauern rechts und links sind fast völlig intakt. Schnell ist die Passhöhe erreicht. Roland dreht noch ein paar Szenen während wir uns für die Abfahrt bereit machen. Auf der Südseite des Passes ist der Weg nahezu trocken und von Regen ist gar nicht mehr die Rede. Wenige Meter nach der Passhöhe hat ein Schaf gerade ein Lamm zur Welt gebracht. Es trinkt gerade seinen ersten Schluck kraftspendende Milch. Als wir die zwei passieren, rutscht gerade das Geschwisterlein aus dem Bauch des Schafes. Willkommen auf der Welt!

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Wir stürzen uns in den Trail. Ein wahrhaftes Vergnügen! Stellenweise ausgesetzt und technisch fordernd, aber niemals wirklich halsbrecherisch und gefährlich. In endlosen Spitzkehren windet sich der Trail hinab ins Tal zur Prischer Alm. Ab hier gibt es einen neu gebauten Schotterweg, der hinab ins Tal führt. Wir lassen ihn ins Tal führen und fahren lieber weiter auf dem Trail. Nur Markus muss abzweigen, denn er hat sich weiter oben bei einem Sturz etwas verletzt und nimmt heute diese einfachere Alternative. Gleich nach der Alm geht es heftigst zur Sache. Hier erwartet uns das schwerste und technisch anspruchsvollste Teilstück der Abfahrt. In einer engen Rinne geht es zwischen Steinblöcken und Felsstufen abwärts.
Nie hat man ausreichend Platz für Pedale oder Hinterbau, die Suche nach der Ideallinie gestaltet sich als schwer. Aber an der nächsten Querung des Schotterweges wird der Trail wesentlich einfacher und läuft fortan auf alten Pflastersteinen und Platten über stellenweise sumpfige Almwiesen. Der Fels ist nass und rutschig. Da passiert es. Völlig unerwartet rutscht mir ein Reifen weg und ich schlage in den Boden ein, wie eine Kugel beim Kugelstoßen. Nichts passiert, aber ich kann ganz und gar nicht nachvollziehen, wie das geschehen ist. Kurz nach diesem Einschlag erreichen wir den Wald. Der Charakter des Trails ändert sich. Er wird trockener, dafür wurzeliger und kurvenreich. Schöne Spitzkehren, allesamt gut fahrbar. Dann noch ein paar Felspassagen und schon spuckt uns der Trail nach 1200 Metern Abfahrt direkt vor dem Schaubergwerk unterhalb der Schneebergscharte aus. Wow. Wir sind glücklich. Der Trail ist echt der Hammer!
Fazit:
Ein wunderschöner Pass mit zwar langem Schiebestück im Aufstieg, dafür aber mit einer der Abfahrten, die in der Liste der schönsten Singeltrails ganz oben steht! Zudem landschaftlich absolut beeindruckend und einzigartig. Die perfekte Ergänzung zur Trail Transalp Tirol.

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Übernachtungstipps:

Gassenhof: Untere Gasse Nr. 13, I-39040 Ridnaun, Tel. 0039-0472-656209 oder 656128   www.gassenhof.com
weitere Unterkünfte und Infos: www.ridnauntal.eu