Transalp.info by Andreas Albrecht

Trail Transalp Tirol


5. Tag: Schneebergscharte

Mit der Schneebergscharte habe ich noch eine Rechnung offen. Eine meiner ersten Transalps führte mich im Jahre 1996 schon einmal dorthin. Die Überquerung endete damals beinahe im Fiasko, da mein damaliger Begleiter seine Kräfte offensichtlich unterschätzt hatte und ca. 200 Höhenmeter unterhalb der Passhöhe schlappmachte. Mir blieb seinerzeit nichts anderes übrig, als nacheinander beide Bikes hochzuschleppen, was mich schließlich auch an die Grenze meiner Leistungsfähigkeit brachte. Erst gegen 17 Uhr waren wir oben. Zum Glück war das Wetter gut und wir konnten noch sicher ins Tal abfahren. Das war mir zumindest eine große Lehre. Ich lernte dadurch recht genau abzuschätzen und vor allem darauf zu achten, was in der verbleibenden Zeit des Tages noch realistisch geht und was nicht. Heute sieht das natürlich ganz anders aus. Auch wenn die Jahre nicht spurlos an mir vorübergegangen sind, haben mein Geist und mein Körper weitaus mehr Erfahrungen in sich, wie sie mit den Belastungen umgehen müssen. Vom "Gassenhof" aus fahren wir nach dem reichhaltigen Frühstück ein kleines Stück auf dem Weg von gestern zurück, wechseln dann kurz auf die Straße und biegen dann bald links ab auf den alten Erzweg. Nahezu höhengleich verläuft der als ideale Einrollstrecke bis zum Talschluss am Schaubergwerk in Maiern. Hier sieht man die alten Anlagen zur Erzgewinnung am Schneeberg, die für die Nachwelt erhalten werden sollen. Erst im Jahre 1967 wurde hier nach über 800 Jahren der Bergbau beendet. Zur Blütezeit im Mittelalter arbeiteten mehr als 1000 Knappen am und im Berg unter unvorstellbar schweren Bedingungen. Vor allem der Abbau von Silber brachte damals der Region ziemlichen Wohlstand. Die Wege, auf denen wir am heutigen Tage fahren werden, verdanken also ihre Entstehung der intensiven wirtschaftlichen Nutzung und sind nicht, wie so oft in Tirol, militärischen Hirngespinsten entsprungen.Der Weg 28 beginnt in Maiern als Fahrstraße mit einem Steilstück. Bald wird daraus ein guter Forstweg, der sich gemächlich im Lazzacher Tal bis zur Poschalm hinzieht. Hier lädt die Moarerberghütte zur Rast ein. Ich habe mit Spiegeleiern und Speck schon an der Pflerscher Scharte gute Erfahrungen gemacht und genehmige mir eine ordentliche Portion. Es sind noch einige andere Mountainbiker zu sehen, aber als Appi und ich schließlich aufbrechen, sind wir die einzigen, die sich auf den Weg zur Schneebergscharte machen. Knapp 600 Höhenmeter liegen vor uns, fast alles zu schieben, selten zu tragen. Ich erinnere mich noch gut an die Plateaus, die den Aufstieg recht gut gliedern. Wir verschnaufen dort jedes Mal kurz. Am Kaindl-Stollen beginnt dann das letzte Steilstück. In einigen Serpentinen geht es nach oben. Wir kommen gut voran und sind zeitiger oben als gedacht. Ich kann endlich meine schlechten Erinnerungen aus dem Jahr 1996 mit den guten von dieser Bezwingung der Schneebergscharte überschreiben.

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Unterschätzen sollte man diesen Passübergang allerdings nicht. Die Scharte liegt gut 2700 m hoch, nach schneereichen Wintern liegt hier unter Umständen noch bis weit in den Juli hinein Schnee. Schneefelder zu überqueren ist bei steilem Geländes sehr gefährlich. Die Serpentinen des Weges nützen einem dann gar nichts, wenn sie bedeckt sind. Das will also gut überlegt sein. Wir finden am heutigen Septembertag nicht eine Krume Schnee auf dem Weg und stürzen uns nach gebührender Würdigung des Panoramas am Pass voll Freude in den Trail. Er ist praktisch von ganz oben fahrbar und führt durch die Schutthalden, die der Bergbau hinterlassen hat, zum Schneeberghaus. Das Haus war früher das Verwaltungsgebäude in der Knappensiedlung St. Martin und wird heute als Schutzhütte und Teil des Erlebnisbergwerkes genutzt. Wir legen eine kleine Rast ein. Die Terrasse liegt angenehm in der Sonne. Wir schauen nochmals in die Landkarte. Im wesentlichen wollen wir dem Weg 31 folgen. Doch gleich nach dem Schneeberghaus schauen wir uns den alternativen Trail an, der neben der alten Schrägförderanlage verläuft, die gerade restauriert wird. Wir sehen uns an, klar, den probieren wir aus. Unter uns sind die Reste des Seemoos-Sees zu sehen. Enge, spitzwinklige Kehren und Absätze garantieren nur demjenigen Fahrspaß, der damit umzugehen weiß. Für mich sind einige der Absätze eine Nummer zu groß. Ich steige lieber ab, Appi ist heute besser drauf und fährt fast komplett bis unten durch. Am Gebäude fahren wir links vorbei und dann halten wir uns rechts, bis wir auf den Weg 31 stoßen. Auf diesem bleiben wir fast bis zur Timmelsjochstraße. Nur die letzten paar Dutzend Meter ersparen wir uns und nehmen die breite Forststraße.

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An der Hauptstraße des Passeiertals angekommen, rollen wir aus Mangel an geeigneten Alternativen erst einmal bergab. Die auf der Karte verlockend aussehende Fortführung des Wegs 31 auf die andere Talseite erweist sich als Sackgasse. Wir befragen eine einheimische Bäuerin. Die gibt uns den Rat, es gar nicht erst zu versuchen, der Nachbar dulde auf keinen Fall das Passieren seines Grundstücks. Wir finden das nicht weiter tragisch, denn für heute haben wir genug Trail gehabt und außerdem wartet noch der Anstieg nach Pfelders auf uns, wo wir uns eine Unterkunft suchen wollen. Sämtliche Höhenmeter wollen wir natürlich nicht auf der Straße vernichten. Nach ca. 2,5 Kilometer bergab zweigt nach rechts ein Sträßchen ab, gleichzeitig versehen mit einem Wegweiser nach Moos in Passeier. Der Weg 26 führt dann als Schotterweg an der Passer entlang. Wir haben eine schöne Alternative zur Straße gefunden. Geschwind sind wir in Moos. Bis nach Pfelders liegen noch gut 600 Höhenmeter Auffahrt vor uns. Das wird auf der kaum befahrenen Nebenstrecke ca. anderthalb Stunden dauern. Wir stärken uns mit Specksemmeln, füllen unsere Trinkflaschen auf und los geht es. Kurz nach der Brücke zweigt rechts die Nebenstrecke ab, die in ihrem Verlauf die meist einzeln liegenden Gehöfte verbindet. Sie hat ein paar steile Abschnitte, die uns schön ins Schwitzen bringen. Schließlich erreichen wir beim Hütterwirt die Hauptstraße und radeln den Rest der Strecke entspannt bis Pfelders. Der Ort hat sich als autofreies Dorf ausgerufen. Die PKW müssen am Ortsanfang stehen bleiben bzw. sich eine Einfahrtsgenehmigung von den jeweiligen Herbergen geben lassen. Uns schert das nicht, wir fahren hinein und fragen bei der ersten gemütlich aussehenden Unterkunft nach einem Schlafplatz für die Nacht. Wir werden sofort fündig, verdrücken noch eine Riesenportion Südtiroler Schlutzkrapfen und ab geht es in die Falle.

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Übernachtungstipps Pfelders:

viele Übernachtungsmöglichkeiten
z.B. Nebenhaus /Häusler Hof der Residence Edelweiß, Pfelders 10, I-39013 Moos in Passeier, Tel.: 0039-0473-646713   www.edelweiss-pfelders.it
oder über  www.pfelders.info