Transalp.info by Andreas Albrecht

Trail Transalp Tirol


7. Tag: Alternativer Abschluss: Goldseetrail

Hier noch einmal der ausdrückliche Hinweis: Momentan ist dieser Weg offiziell für Mountainbiker nur zu bestimmten Zeiten geöffnet. Bitte die aktuelle Situation beachten.
Wir starten um 8 Uhr mit einem von Siegis Bikeshuttles. Spätestens um 9 Uhr wollen wir am Stilfser Joch sein und in den Goldseetrail einsteigen. Warum so früh? Der Grund ist ein einfacher. Der Goldseetrail ist ein phantastischer Singletrail, der in seiner ganzen Länge von der Drei-Sprachen-Spitze bis hinunter nach Glurns ca. 30 km lang ist. Man sollte ihn befahren, bevor die Wanderer auftauchen, die von Trafoi aus mit der Seilbahn zur Furkelhütte hinauffahren. Nach Siegis Erfahrung geht das so ab 10.30 Uhr los. Dann sollte man durch sein, sonst sind Konflikte auf dem schmalen Trail vorprogrammiert. Das heißt, man muss spätestens um 9 Uhr am Stilfser Joch starten. Das klappt auf die Minute genau. Siegi lässt am steilen Weg hinauf zur Drei-Sprachen-Spitze schon mal sein Können aufblitzen. Er gehört zu den ersten Mountainbikern in Südtirol, die die Sache professionell angingen und ist einer der ersten lizenzierten Mountainbikeguides, der die anspruchsvolle Südtiroler Ausbildung erfolgreich absolviert hat. Viel tut Siegi für die Akzeptanz des Mountainbiketourismus im Vinschgau. Im Trail zeigt Siegi sich als wahre "Bergziege". Scheinbar mühelos fährt er sowohl bergauf als auch bergab Trails, die für Normalsterbliche unvorstellbar scheinen. Ich habe also etwas Mühe an ihm dranzubleiben. Ich kaschiere meinen Bedarf an kurzen Stopps mit der Begründung, Fotos machen zu wollen. Das ist auch nicht ganz unbegründet, denn ein spektakulärer Aussichtspunkt jagt den anderen. Der Goldseetrail verläuft über mehr als 20 km oberhalb der Baumgrenze und ständig hat man den höchsten Berg Südtirols im Blickfeld, den Ortler mit 3902 m Seehöhe. Da fällt es schwer, einfach durchzufahren, zumal man sich beim Fahren schon konzentrieren muss. Es gibt zwar nur wenige wirklich ausgesetzte Stellen, aber einfach so rollen geht auch nicht. Der Trail ist schmal und verläuft zu weiten Teilen durch die Geröllfelder, die sich durch die Erosion der Gesteinsmassen gebildet haben. Der natürliche Neigungswinkel der entstandenen Geröllhalden ist halt so, wie es die Natur vorgibt - zwischen 30 und 50% Gefälle. Ein Abrutschen hätte eine schöne Schotterflechte zur Folge. Einen Fotostopp wird man auf jeden Fall am Goldsee einlegen. Auch hier finden sich, wie im gesamten Gebiet rund um das Stilfser Joch, Überreste militärischer Stellungen aus dem Ersten Weltkrieg. Nachdenklich machen wir uns auf den Weg. Durch das Zusammenwachsen Europas glauben viele, dass kriegerische Auseinandersetzungen auf unserem Kontinent wohl nicht mehr möglich sind. Unter der Oberfläche schwelen aber in vielen Regionen nach wie vor Konflikte. Wenn man bedenkt, dass in Südtirol noch in den 1960er Jahren Anschläge verübt wurden, die seitens Rom mit deutlich repressiven Maßnahmen beantwortet wurden, wird einem klar, dass die Volksseele viele Überraschungen, auch unangenehmer Art, bereit hält. Nach meiner Auffassung liegt das vor allem an Vorurteilen, die sich dann bilden, wenn man vom anderen nichts aus erster Hand weiß. Wer in fremden Gefilden auf Hilfe und Unterstützung angewiesen ist und auf die Einheimischen zugeht, der wird in den seltensten Fällen Zurückweisung erfahren. Das ist zumindest meine Erfahrung, die ich während meiner zahlreichen Transalptouren gemacht habe.

Goldseetrail Goldseetrail Goldseetrail

 Es wird Zeit, dass wir die Furkelhütte erreichen. Kurz davor treffen wir die ersten Wanderer. Da wird es schon eng auf dem Trail. Wir verschieben deshalb die Rast auf dem gewiss großartigen Aussichtsbalkon der Hütte zum Ortler hin und fahren auf dem Almweg weiter zur Stilfser Alm. Unterwegs treffen wir Arbeiter des Nationalparks, die Wege instand halten. Zunächst schauen sie etwas unwirsch. Siegi kennen sie jedoch und er verwickelt sie in ein Gespräch. Dabei schaltet er auf Südtiroler Dialekt um. Durch die vielen gemeinsam Touren mit Appi, der als Nordtiroler ja ähnlich spricht, kriege ich doch einiges mit und höre, dass langsam begriffen wird, dass Mountainbiker doch wohl weniger Schaden an den Trails anrichten, als zum Beispiel heftige Regengüsse oder extensive Weidewirtschaft.

Goldseetrail Goldseetrail GoldseetrailWie dem auch sei, wir freuen uns jedenfalls über die Linienführung des Trails, der u.a. auch auf Siegis Anregungen hin so gestaltet wird und auf den vorzüglichen Kaiserschmarren, den uns Siegi an der Stilfser Alm avisiert. Obwohl ich eigentlich kein Freund von Süßspeisen um die Mittagszeit bin, lange ich ordentlich zu und bin dicke satt von der gehaltvollen Mahlzeit. Die Essenspause haben wir auch nötig. Schließlich ist es nicht so, dass der Goldseetrail, so wie ihn Siegi fährt, nur bergab verläuft. Kürzere und längere Gegenanstiege summieren sich im Laufe der Tour zu rund 600 Höhenmeter im Anstieg seit dem Start am Stilfser Joch. Wir sind froh, dass wir dorthin mit dem Shuttlebus gefahren sind. Das schöne am Goldseetrail ist auch, dass man an vielen Stellen abzweigen und früher ins Tal abfahren kann, wenn man keine Lust mehr hat oder sich das Wetter verschlechtert. Diese Gefahr besteht heute für uns nicht. Wir fahren ihn bis zum Ende durch. An der Tschageiner Hütte spendiert Siegi auf die Tour einen kleinen Prosecco - wir prosten uns zu und bedanken uns bei ihm für die schöne Tour. Er winkt lachend ab und sagt, nein, zu Ende ist die Tour noch nicht. Erst bei der Glurnser Alm unterschreiten wir die 2000-Meter-Höhenmarke und jetzt geht es wirklich nur noch abwärts. Ein letzter Trail statt der Forstautobahn - bis hinunter nach Glurns vernichten wir rund 1000 Höhenmeter. Das Grinsen will nicht aus den Gesichtszügen weichen. Das mittelalterliche Städtchen ist ein schöner Endpunkt dieser außergewöhnlichen Transalp. Danke, Siegi! Noch einen Cappuccino auf dem Marktplatz inmitten von Herden von Radlern aller Art. Dann wartet nur noch ein kurzer Anstieg nach Mals auf uns. Auch den werden wir noch schaffen.

Shuttle: www.bikeshuttle.it

07Trail goldsee

Varianten: Anfahrt mit Rad

Vinschgau-Radweg bis Prad, Straße zum Stilfserjoch

Übernachtungstipps:

Prad
Gasthof Stern, Silbergasse 1, 39026 Prad, Tel. 0039-0473-616123 www.gasthof-stern.it   
Hotel Zentral: Aktiv- & Wellnesshotel , Zentrum 48, Tel. 0039-0473-616008  www.zentral.it

Stilfser Joch
Alpengasthof Tibet,  Stilfserjoch, Tel (sommer): 0039-0342-903360     www.tibet-stelvio.com