Transalp.info by Andreas Albrecht

Via Crux Albi


4. Tag: Durch die Dolomiten - Kugeljoch - Passo Sadole

04 350 IMG 2608Dirk ist rechtzeitig zum Frühstück da. Heute will er wieder ein Stück des Weges mitfahren. Wahrscheinlich bis Cavalese, denn der Übergang über das Kugeljoch interessiert ihn auch. Bis dahin ist es eine fahrtechnische leichte, aber konditionell durchaus anspruchsvolle Strecke. Landschaftlich ist sie sowieso überragend. Die Zacken des Rosengartens grüßen hinüber, die Latemargruppe ist zum Glück gut zu sehen, da es nicht diesig ist. Mein ursprünglicher Plan war es, über das Lavaze-Joch ins Fleimstal (Val di Fiemme - die Übersetzung ist nun erlaubt) zu fahren.
Als ich mit meiner Frau vor drei Wochen hier im Südtirol Urlaub machte, waren wir dort zu einem Tagesausflug. Ich hatte mein Mountainbike mit und wollte mir eine Inspiration holen. Auf der Karte identifizierte ich das Kugeljoch als mögliche Alternative. Gehört und gelesen hatte ich davon als Transalp-Übergang noch nichts. Also anschauen und dann entscheiden - Volltreffer. Ein Downhill vom Feinsten und dazu noch mit einer leichteren Schottervariante für den Fall der Fälle. Dirk ist begeistert und will am liebsten noch weiter mitfahren. Ich will heute aber noch über den Passo Sadole und damit die Lagorai-Kette durchqueren. Und von dort käme er nicht zurück zu seinem Urlaubsquartier. Also trennen wir uns in Cavalese, von wo aus er über San Lugano auf dem alten Bahntrassenweg wieder zurück nach Südtirol gelangt (siehe auch Transalp Karwendel-Brenner-Route, 5. Tag).

Ich muss nur noch eine sinnvolle Verbindung im Fleimstal hinüber nach Ziano die Fiemme finden (dort beginnt die Auffahrt zum Passa Sadole). Das ist auch nicht weiter schwer, den es gibt ja den Radweg im Talgrund, auf dem im Winter die Schlussetappe der Tour de Ski ausgetragen wird. Schnell bin ich dort, es warten noch reichlich 1000 Höhenmeter auf mich. Wie viele davon für mich tatsächlich fahrbar sind, wird sich zeigen. Bis zur Malga Sadole lässt sich es auf einer Forststraße, die bald in Schotter übergeht, ganz gut fahren, auch wenn es teilweise rampig zugeht. An der Malga Sadole ist zu meiner Überraschung ein Riesenauftrieb von uniformierten jungen Menschen. Aus der Nachbarhütte strömen sie ins Freie und legen riesige Seesäcke auf der Wiese ab. Wie sich herausstellt, sind das die neuen Rekruten der Finanzpolizei. Das ist in Italien eine bewaffnete Truppe (ich verkneife mir hier einen Kommentar warum und wieso). Sie haben hier einen Teil ihrer Grundausbildung absolviert, wahrscheinlich als Gebirgsjäger, um schmuggelnde Mountainbiker aufzuspüren. Nichtsdestotrotz entsteht bei meinem Passieren kein internationaler Konflikt. Das geschulte Auge sieht auf den ersten Blick, dass hier nur ein armer irrer Radfahrer (natürlich ein Deutscher) sein Heil in der aberwitzigen Bezwingung heute nutzloser Gebirgspässe sieht. Die jungen Leute wollen nach Hause und werfen ihr Gepäck auf den bereitstehenden LKW.

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Nach der obligatorischen Rampe kann ich dann noch ein Stückchen fahren. Am Talschluss befindet sich eine Wasseranlage, deshalb wird der alte Militärweg auch ordentlich in Schuss gehalten. Nun folgt ein Saumpfad, noch ca. 250 Höhenmeter bis zur Passhöhe. Der ist nicht komplett fahrbar, aber gut schiebbar. Eine reichliche halbe Stunde und ich bin oben. Die Ruinen alter militärischer Bauten aus vergangenen kriegerischen Zeiten haben schon viele Winter auf dem Buckel, so dass nur noch die Grundmauern zu erkennen sind. In dieser Einsamkeit frage ich mich zum wiederholten Male, was Militärs doch für bescheuerte Menschen sein müssen. Hier gibt es aber auch gar nichts zu verteidigen, weder heute noch früher. Selbst als Übergang eignete sich der Passo Sadole maximal als Schmugglerpfad.
Dementsprechend stolpere ich zunächst ein paar Höhenmeter auf dem S2-Trail hinab (zur Erinnerung: ich allein auf Transalp + S2-Trail = Schiss). Dann muss ich mich zusammenreißen. Zwei italienische Maiden lassen ihr glockenhelles Lachen ertönen. Sie sammeln Heidelbeeren und ich will mich ihnen als Held präsentieren. Das gelingt knapp im nun fahrbareren Gelände (meine Schiebeübungen haben sie nicht gesehen). Wir werfen uns ein paar Redewendungen über den schönen Tag im allgemeinen und die Schönheit der Bergwelt im besonderen zu. Ich muss ihnen erklären, woher ich mit dem Gerät komme und wohin es mich noch führen soll. Da ertönt auch schon: Bravo, bravo! Das lässt sich nun leicht übersetzen. Mangels vergleichbarer anderer Anwesender denke ich mir, das die Anfeuerung mir gilt und ziehe mit einem überaus freundlichen Gruß weiter.
Mit dem diesem Motivationsschub versehen fällt es mir leicht, bei der folgenden leichten Schotterabfahrt noch Ausschau nach einem Hauch von Trail zu halten, der mich am Ende stracks zu meinem Tagesziel führt, dem legendären Rifugio Refavaie. Hier habe ich vor langer Zeit schon einmal Station gemacht. Das war bei meiner Trans-Dolomiti (im Archiv) im Jahre 2002. Aus der Hütte ist inzwischen ein respektables Berghotel geworden. Der Forellenteich ist noch vorhanden. Keine Frage, was ich heute Abend esse.
Über Nacht kommt es zum Wettersturz, wie vom sehr genauen Südtiroler Wetterbericht vorhergesagt. Leise rieselt der Schnee. Ist mir aber egal, ich sitze sicher und warm in der Hütte und warte den nächsten Tag ab. Dann soll sich das kleine Tief verzogen haben.

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04 VCXA

manghen350 IMG 3617Variante A: Kugeljoch

Schotterpiste statt Trail

Variante B: Manghenpass

Vom Fleimstal auf Nebenstraße über den Manghenpass ins Val Sugana (siehe auch Transalp: Dolomiti 1, Tag 4)

04 VAR B