| Strecke | München - Bad Tölz - Achensee - Zillertal - Pfitscher Joch - Pfunderer Joch - Pustertal - Fanes - Cortina d'Ampezzo - Forc. Ambrizzola - Passo Duran - Ágordo - Lago del Mis - Praderadego - Follina - Venedig | ||
| Länge | ca. 515 km | ||
| Höhenmeter | ca. 9.800 hm | Etappen (7) |
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| Landkarten |
Digitale Karte Bayern 3D,
Digitale Karte Tirol,
Digitale Karte Südtirol,
Digitale Karte Gardasee,
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| Tourplanung | Andreas Albrecht, David Strixner, Dietmar Orgas, Frank Dörr, Matthias Neumann | Teilnehmer | Andreas Albrecht, David Strixner (2009), Dietmar Orgas (2009), Matthias Neumann (2010) |
TourberichtUnsere Sehnsüchte sind unsere Möglichkeiten.
Robert Browning (1812 - 1889) |
| Prolog | ||||||||||||||||
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Nicht alles kann gleich auf Anhieb klappen. Schon seit einigen Jahren schwirrte in mir die Idee einer Transalp von München nach Venedig herum. Vom Marienplatz zum Markusplatz - war der Arbeitstitel. Von einem Sommer zum anderen haben wir es verschoben, immer kam etwas dazwischen. Wir - das sind mein langjähriger Transalpbegleiter David und ich. David ist Urmünchner und ihn reizt die Vorstellung, eine Transalp direkt an der Haustür zu beginnen, ganz besonders. Die Streckenplanung vom flachen Münchner Umland bis zu den Alpen ist logischerweise sein Part, es sind ja sowieso seine Radelstrecken. Direkt an der Isar entlang wird es flussaufwärts gehen. Bei der weiteren Planung war uns schnell klar, dass einige Etappen auch mal mehr als 100 Kilometern pro Tag lang sein können, um nicht länger als sieben Tage unterwegs zu sein.
Der Zeitraum von einer Woche hatte sich für uns im Laufe der Zeit als Obergrenze für eine Transalp herausgestellt. Noch länger unterwegs zu sein, hatte uns einfach keinen Spaß gemacht.
Als Zeitraum hatten wir Mitte September vorgesehen. Da gibt es keine Unterkunftsprobleme, Übernachtungen findet man meist im ersten Anlauf. Außerdem gibt es oft stabile Spätsommer-Wetterlagen. Altweibersommer nennt man das - kenne ich noch von früher. Wie das Leben aber so spielt, gibt es das nicht immer, schon gar nicht, wenn ich in jenem Jahr unterwegs bin. Ein "junges" Genua-Tief (so drückte sich der Wetterdienst vornehm zurückhaltend aus) sollte unseren Tatendrang hemmen. Als das Tief dann etwas älter wurde und in seine pubertären Flegeljahre kam, gab es Schneefall bis weit unter 1500 Meter. Natürlich genau zu dem Zeitpunkt, als die hochalpinen Etappen anstanden. Damit hat es uns auf die Alternativstrecken gezwungen. Insofern nicht weiter tragisch, da man so etwas bei einer Transalp sowieso einplanen sollte. Am letzten Tag, der uns beim ersten Anlauf bis nach Venedig bringen sollte, war das Genua-Tief inzwischen so ausgewachsen, dass es uns mit sintflutartigem Regen daher kam. Schweren Herzens haben wir uns zum Abbruch entschließen müssen. Es hätte keinen Sinn ergeben, in strömendem Regen eine vernünftige Strecke nach Venedig zu suchen. Denn das war uns im Vorfeld bei der Planung klar. Den "schwierigsten" Abschnitt stellt bei dieser Transalp die Überwindung der Venetischen Tiefebene dar. Zumindest wenn wir den Anspruch haben, stark befahrene Straßen so weit als möglich zu meiden.
Die (fast) Vollendung:Eine unvollendete Tour ist es nicht geblieben. 2010 bin ich dann den hochalpinen Abschnitt gefahren, der im Jahr zuvor den Wetterkapriolen zum Opfer gefallen ist. Dabei haben wir uns Zeit gelassen und das letzte Stück nach Venedig so schön und passend zu einer Mountainbike-Transalp wie möglich gestaltet. Zusammen mit Matthias Neumann habe ich den Abschnitt durch die Dolomiten befahren. Ein traumhaftiges Erlebnis: Pfunderer Joch, Fanes, Forcella di Ambrizzola etc., und das bei bestem Wetter.Einen Regentag haben wir unterwegs auf der Fanes-Hütte einfach ausgesessen. Einige Transalpler sind bei Null-Sicht und Schneematsch durchgefahren. Muss jeder selber wissen. Wir hatten am folgenden Morgen jedenfalls einen perfekten Tag. Auch für die letzte Etappe hinein nach Venedig haben wir eine schöne Route gefunden. Die Zeit haben wir uns genommen. Dadurch ist diese Transalp schon ziemlich rund geworden: rund 500 km und knapp 10.000 Höhenmeter; also locker an 7 Tagen zu schaffen. Ein wenig Feintuning werde ich noch betreiben. Am Passo Duran gibt es doch noch eine Variante, die ein wenig mehr Schotter oder Trails bringt. Erste Bilder hier: klicken Der Bericht spiegelt eine mögliche sinnvolle Etappeneinteilung aus den beiden Touren in 2009 und 2010 wieder. Damit sind ein paar Hüttenübernachtungen verbunden, z.B. auf der Fanes-Hütte, die wirklich sehr zu empfehlen ist.
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| Die Mühen der Ebene |
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Der "scharfe" Start zur Transalp erfolgt im Zentrum von München am Marienplatz. Bis wir dort angelangt sind, haben wir schon gut 15 km in den Beinen, aber kaum Höhenmeter zurückgelegt. Das weitläufige Umland der bayrischen Landeshauptstadt ist bretteben. Wir betrachten die zusätzliche Anfahrt aus dem Westen Münchens - wo David wohnt - als willkommenen Aufgalopp. Er führt uns auf schönen Nebenwegen - sogar ein netter Singletrail ist dabei - radfahrerfreundlich in die Innenstadt. München ist ein Traum für Radfahrer; Radwege ohne Ende und in beispielhafter Vernetzung und Ausschilderung. Nach dem obligatorischen Startfoto am Marienplatz sind wir kaum einen Kilometer dem Autoverkehr ausgesetzt. An der Ludwigsbrücke, in der Nähe des Deutschen Museums, sind wir schon an der Isar. Dem Flusslauf werden wir bis nach Bad Tölz folgen, fast durchgehend auf Rad- und Forstwegen, sogar kleine Trailabschnitte gibt es in der Pupplinger Au. Die bekannten Isartrails lassen wir auf Anraten von David aus. Zuviel Auf und Ab, wir wollen Strecke machen. Mindestens bis zum Sylvensteinsee soll es heute gehen. Doch zuvor passieren wir das Kloster Schäftlarn, fahren auf dem Dammweg des Isarkanals und stoßen schließlich auf die Route "Via Bavarica Tyrolensis". Der werden wir im wesentlichen bis ins Zillertal folgen. Die ersten kleineren Anstiege erwarten uns, als wir kurz vor Bad Tölz das Bayerische Oberland erreichen. Im malerisch gelegenen Kurort legen wir eine erste längere Pause ein und machen eine späte Mittagsrast. Es beginnt leicht zu tröpfeln. Der Wetterbericht hatte es vorausgesagt. Wir sind erfreut, als sich die paar Tropfen bald verziehen und die Vorhersage nicht eintrifft. Wir kommen gut voran. David kennt den Weg und wir verfransen uns nur einmal kurz in Geretsried. Wie David sagt, an der üblichen Stelle. Ich bin dann recht erstaunt, als wir uns auf dem kurzen Anstieg vom Sylvensteinsee befinden. Das wir so zeitig hier sind, hätte ich nicht erwartet. Der Stausee wurde in den 1950er Jahren gebaut, einerseits um Elektrizität zu gewinnen und andererseits um die immer wiederkehrenden verheerenden Hochwasser der Isar in den Griff zu bekommen. Wir passieren die Staumauer und umfahren den Stausee auf der rechten Seite. Nach dem neuen Ort Fall - der alte musste dem Wasser weichen - beginnt eine Passage auf einer leichten Schotterpiste. Sie ist landschaftlich schön gelegen und führt uns zur Walchenklamm. Abfahrten wechseln mit Gegenanstiegen, alles auf der Route der "Via Bavarica Tyrolensis". Hier haben die Planungsstrategen manchmal des Guten etwas zu viel getan. Besonders die Wegführung kurz vor dem Achensee wird wohl schon manchen Radtouristen zum Verzweifeln gebracht haben. Ohne ersichtlichen Grund hat man einen Anstieg über reichlich 100 Höhenmeter eingebaut. Dieser bringt keinen erkennbaren Gewinn z.B. in Form einer fantastischen Aussicht oder ähnlichem. Wir haben schon mehr als 100 km in den Beinen, sind zwar nicht am Ende unserer Kräfte, aber auch nicht mehr taufrisch. Im nächsten Ort - Achenkirch - suchen wir uns eine Unterkunft und werden auch bald fündig. Es ist Nachsaison und die Zimmersuche geht schnell. Die Wirtin bestätigt unseren subjektiven Eindruck und erzählt, dass diese Radroute auch als familien- und seniorenfreundlich beworben wird. Da hat sie schon ganz andere Urteile gehört. Na ja, diese Erfahrung habe ich schon oft gemacht - die Trassen für Radwege werden oft von Touristikern entworfen und nicht von Radfahrern. Uns ist es egal. Wir haben unser Tagesziel erreicht. Der vorhergesagte Regen setzt ein. Es plätschert munter vor sich hin. Wir sitzen im Trocknen und sind damit zufrieden. HRM-Profil Map |
| 2. Tag: Achensee - Zillertal - Pfitscher Joch |
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Auch für den zweiten Tag haben wir eine lange Strecke vor uns. Wir wollen den Alpenhauptkamm am Pfitscher erreichen. Da heißt es im Zillertal Strecke zu machen.
Doch es geht zunächst gemütlich los. Der Regen hat sich über Nacht verzogen. Es hängen zwar jede Menge tiefer Wolken in den Bergen, doch es bleibt trocken. Unsere Route führt am Achensee entlang, dann folgt die Abfahrt ins Inntal. Dort wechseln wir auf den Innradweg, den wir bald darauf bei Strass verlassen und auf den Zillertaler Radweg wechseln. Bis Mayrhofen gewinnen wir auf knapp 30 Kilometern gerade einmal gut 100 Höhenmeter. Es rollt zwar leicht, zieht sich allerdings hin und fühlt sich dadurch zäh an. In Mayrhofen gibt es einen M-Preis. Diese österreichischen Supermärkte bestechen durch ihre stets angeschlossenen Verpflegungsstationen. Stets sauber und mit einem ordentlichen Imbissangebot sind sie ein idealer Rastplatz. Im Laden kann man weitere Reisevorräte einkaufen. M-Preis würde ich bei einer Expansion nach Deutschland gute Marktchancen einräumen: M-Preis Nach Mayrhofen beginnt der langgezogene Anstieg zum Pfitscher Joch. Zunächst geht es die alte Schluchtstrecke entlang in den Zemmgrund. Mangels sinnvoller Alternativen geschieht das auf der Straße. Im Hochsommer kann es durchaus regen Ausflugsverkehr geben. Der wird allerdings ein wenig gebremst durch die Tatsache, das die Zufahrt für PKW derzeit nur über einen einspurig befahrbaren Tunnel möglich ist. In Ginzling wechseln wir auf die Nebenstrecke, das ist die alte Talstraße. Ca. zwei Kilometer vor dem Berggasthaus Breitlahner sind wir wieder auf der Hauptstraße. Der Breitlahner ist auch eine gute Übernachtungsmöglichkeit für die, die ihre Etappen anders einteilen wollen. Für die Autos beginnt hier die Mautstraße zum Schlegeisspeicher. Wir umfahren diesen Abschnitt elegant auf einem angenehm zu fahrenden Forstweg, der ein paar Trailabschnitte enthält. Die letzten Serpentinen hinauf zum Schlegeisspeicher legen wir wieder auf der Straße zurück. Die gewaltige Staumauer dominiert den Talschluss. Nach einem letzten Tunnel, in dem das Wasser von den Wänden tropft, stehen wir am Stausee, dem bekannten Schlegeisspeicher. Ein hochalpines Panorama breitet sich vor unseren Augen auf. Noch ist viel Publikumsverkehr, der auf der nun beginnenden Schotterstrecke immer weniger wird, je mehr wir uns vom Parkplatz entfernen. Nach der Imbissstation am Zamsgatterl wird der Pfad ein wenig verblockt, so dass man hin und wieder absteigen und ein Stück schieben muss. Dabei passieren wir auch den berühmten Felsblock, auf den irgendjemand "Venedig" geschrieben hat. Der zugehörige Pfeil sagt: da lang! Unter anderem deshalb ist es für mich auch der einzig logische Weg über den Alpenhauptkamm bei einer Transalp nach Venedig. Diese Route wird auch fleißig von Radfahrern frequentiert, die nicht mit einem Mountainbike unterwegs sind. Da bleibt einem vor Staunen fast der Mund offen stehen, wenn man hier plötzlich eine Gruppe älterer Herrschaften mit Fahrrädern antrifft, denen man maximal eine Kurztour in einen Biergarten zutrauen würde; den Fahrrädern - wohlgemerkt. Auch Rennradler sollen schon hier gesichtet worden sein. Deren Vergnügen wird wohl in einer langen Schiebepassage bestehen. Die bleibt den meisten Mountainbikern erspart, denn seit einigen Jahren gibt es eine Schotterpiste, die ungefähr ab Höhe Lavitzalm zum Pfitscher Joch führt. Damit gehört die frühere üble Tragepassage wohl endgültig der Geschichte an. Komplett fahrbar ist die Schotterpiste allerdings auch nicht immer und auch nicht für jeden. Einerseits können im Juni/Juli noch Schneefelder das Weiterkommen hemmen, andererseits ist der Weg teilweise sehr grob, weil er immer wieder durch Witterungseinflüsse ausgewaschen wird. Dazu kommt eine gewisse Steilheit, die sich in den Alpen leider nicht vermeiden lässt - da sollten die Tourismusämter endlich mal etwas dagegen unternehmen. Wir beenden heute unsere Etappe im Berggasthaus am Pfitscher Joch. "Wir", das sind inzwischen Matthias und ich. Ich habe das schlechte Wetter des Vorjahres hinter mir gelassen und befinde mich nun auf einer Schönwetter-Transalp. Deshalb gönnen wir uns eine Hütten-Übernachtung, die erste in Südtirol. HRM-Profil Map |
| 3. Tag: Pfunderer Joch - Pustertal |
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Aufgrund der Höhenlage ist es beim Aufbruch am Morgen noch ziemlich kühl, auch wenn uns heute ein strahlender Tag erwartet. Wir ziehen die Windjacken über und ab geht's ins Pfitscher Tal. Eine schöne, lange und einfache Abfahrt. In Stein finden wir einen Wiesenweg, der rechts am Hang immer leicht bergab bis St. Jakob führt - ein Traum. Weiter versuchen wir die Hauptstraße zu meiden, was uns bis zum Stausee bei Ried ganz gut gelingt. Im Pfitscher Tal haben wir dann die Qual der Wahl. Entweder die hochalpine Variante über das Pfunderer Joch ins Pustertal oder die leichte Variante über Sterzing und durch das Eisacktal. In Niedervintl treffen beide Routen auf den Pustertalradweg wieder zusammen. Bei der zweiten Befahrung haben Matthias und ich einen Traumtag erwischt und nehmen das Pfunderer Joch in Angriff. Für mich ist es schon einige Jahre her, als ich das erste Mal diesen Übergang befahren habe. Ich hatte noch in Erinnerung, dass der Schotterweg ab Fussendrass mit einer Rampe beginnt und dann steil bleibt. Meine Erinnerung hat mich nicht getrogen. Bis zur Wasserstelle an der Großbergalm gibt es keine Stelle zum Ausruhen, abgesehen von den zwei Brücken, die wir überqueren und ca. 10 m Flachstrecke bieten. Die Wasserstelle besteht aus einem Eisenrohr, das Wasser aus einer Quelle zusammenfasst. Es ist gutes Wasser, wie uns ein Einheimischer bestätigt. Schmeckt auch gut - wie wir beide finden. Kurz nach dieser Stelle weitet sich das Tal, wir befinden uns oberhalb der Baumgrenze und haben freie Sicht in Richtung Pfunderer Joch. Einzelne Schneefelder sind noch vom Wintereinbruch der vergangenen Woche übriggeblieben. Sie bilden einen schönen optischen Kontrast zum strahlend blauen und klaren Himmel. Gestochen scharf liegen die Felswände in der Sonne. An den beschatteten Nordseiten hält sich der Schnee. Ein Traumtag an einem der schönsten Übergänge in den Alpen, die für Mountainbiker geeignet sind. Die alte Militärpiste windet sich nach der Überquerung des Wildbaches über eine verfallene Brücke in Serpentinen zum Pfunderer Joch auf 2568 m. Vom Hörensagen weiß ich, dass es einige Leute gibt, die hier schon komplett gefahren sind. Das halte ich für realistisch, zumal der Untergrund heute recht griffig ist. Das schönste am Pfunderer Joch ist, dass der Pass von ganz oben komplett fahrbar ist. Im Hintergrund sehen wir die Gletscher am Hochfeiler, vor uns breitet sich eine sanfte Hochebene aus. Wir durchqueren ein paar Bachläufe und kommen bei der kleinen Jägerhütte mit zwei Jägern ins Gespräch. Die Jagd geht auf die Gams, wie sie sagen. Da ist die Verwechslungsgefahr zum Glück gering. Zur Weitenbergalm folgt ein etwas anspruchsvollerer Trail, der in einigen Spitzkehren hinab führt. Die Alm ist ein schöner Rastpunkt. Wir trinken eine frische Buttermilch und legen eine ausgiebige Pause ein. Der weitere Weg hinab ins Pustertal ist einfach. Bis nach Dun führt ein grober Schotterweg, der schnell an Höhe verliert. Als wir die kleine Teerstraße erreichen, die das Weitental erschließt, werden wir auf eine Hinweistafel aufmerksam. Sie verkündet als Belohnung für die Alpenüberquerung München - Venedig einen Aufkleber, der im Lebensmittelladen in Weitental erhältlich ist. Deshalb machen wir natürlich einen Abstecher dorthin und nehmen ihn in Empfang, auch wenn wir noch gar nicht in Venedig angekommen sind. Von Weitental hinab ins Pustertal gibt es keine sinnvolle Alternative als die normale Teerstraße. In Niedervintl erreichen wir das Pustertal und beschließen die heutige Etappe. HRM-Profil MapAlternative:Wenn am Pfitscher Joch noch Schneefelder liegen, ist am Pfunderer Joch kein Durchkommen. Da bleibt als Alternative - wir wollen ja Venedig erreichen und nicht als Ötzi enden - der Weg hinab nach Sterzing und durchs Eisacktal auf dem Radweg bis Franzensfeste. Hinter Mittewald (Mezzaselva) empfiehlt es sich, den Radweg kurzzeitig zu verlassen. Die Architekten des ansonsten gut trassierten Radwegs haben es sich hier nicht nehmen lassen, nach der sanft geschwungenen Radbrücke ein paar heftige und recht unnütze Rampen einzubauen. Das kann man leicht umgehen, in dem man das kurze Stück zwischen Mittewald und Franzensfeste auf dem breiten Seitenstreifen der Bundesstraße bergab rollt und an den ersten Häusern wieder auf den Radweg gelangt. In Franzensfeste wechseln wir auf den Römerweg, der bei Aicha in den Pustertaler Radweg übergeht. In Niedervintl stoßen wir dann wieder auf die Hauptroute, die vom Pfunderer Joch kommt.HRM-Profil Map |
| 4. Tag: Pustertal - Fanes | |||
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In Niedervintl fahren wir wieder auf den Radweg, der uns mit leichten bergauf/bergab ins Herz der Dolomiten bringt. Nun wieder auf einheitlicher Strecke für beide Varianten der Transalp München - Venedig.
Ein paar Kilometer weiter in der Nähe von St. Lorenzen gabelt sich die Route wieder. Im vergangenen Jahr bin ich mit David und Dietmar die alternative Variante über die Plätzwiese gefahren. Jetzt ist die Hauptroute an der Reihe, die durch die Fanes führt. Beide Varianten bieten die Möglichkeit einer vernünftigen Hüttenübernachtung. Auf der Plätzwiese ist das die Dürrensteinhütte.
In der Fanes ist das die gleichnamige Faneshütte bzw. Üica de Fanes, wie sie in der ladinischen Sprache heißt, zu gut deutsch Pfannenhütte. Der Name rührt von der Lage der Hütte her. Sie befindet sich am Rande einer kleinen Hochebene, die sich wie eine Bratpfanne vor ihr eindellt und bis zur gegenüberliegenden Lavarella-Hütte reicht. Auf dem Grund der Pfanne befinden sich Wiesen und ein kleiner See.
Quelle: www.rifugiofanes.com An der Fassade der Hütte befindet sich (Stand 2010) ein kleines Plakat, das den Namen der Hütte in drei Sprachen anbietet:
Mehrsprachigkeit ist heutzutage eine der wesentlichen weichen Standortfaktoren und aus meiner "beschränkten" deutschen Sicht geradezu ein Geschenk, wenn Kinder so aufwachsen können, dass sie nahezu spielerisch mit zwei Sprachen groß werden. Insofern gibt das Plakat an der Faneshütte mit einem Augenzwinkern die richtige Antwort. Die Hütte liegt im ladinisch-sprachigen Teil von Südtirol, also müssten mindestens diese drei Sprachen auf den Schildern auftauchen. Und natürlich noch Englisch dazu, denn schließlich ist das ja de facto die weltumspannende Sprache, die aufgeschlossenen Menschen auf der ganzen Welt eine Kommunikation über Länder- und Sprachgrenzen hinweg ermöglicht. Auf der Website der Fanes-Hütte findet sich dazu folgender Spruch, der aus der Erfahrung der Wirtsleute mit ihren internationalen Gästen gewachsen ist: "Längst schon sitzt nicht mehr jeder auf seiner Sprachinsel, sondern hat mit dem Glas in der Hand seinen Platz gewechselt und unterhält sich mit "Händen und Füßen": Und so entsteht im "Reich der Fanes" ein kleines "Vereintes Europa", in dem sich die Menschen über alle politischen und wirtschaftlichen Grenzen und Probleme hinwegsetzen." Quelle: www.rifugiofanes.com/emozioni_d.htm (Wohlgemerkt - die italienischen und englischen Übersetzungen finden sich auch dort).
Der ehemals mondäne Skiort hat seine beste Zeit längst hinter sich und lebt nur noch vom langsam verblassenden Ruhm der Olympischen Winterspiele im Jahr 1956. Ich hatte einst das Pech, bei widrigen Witterungsbedingungen dort übernachten zu müssen - extrem teuer in einem miesen Hotel. "Nie wieder", habe ich mir damals geschworen. Der Schwur lässt sich leicht halten. HRM-Profil Map |
| 5. Tag: Fanes - Cortina d'Ampezzo - Forc. Ambrizzole - Passo Duran | |||
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Am Morgen hat sich das Tief verzogen. Strahlend blauer Himmel ist die Belohnung für unser Ausharren. Die Bergspitzen sind weiß mit Schnee überzuckert. Die Sicht ist fantastisch. Wir haben alles richtig gemacht. Sich selber keinem Zeitdruck auszusetzen ist bei einer Transalp wohl die sinnvollere Einstellung. Matthias und ich haben nicht das Gefühl, einen Tag verloren zu haben durch unser Ausharren in der Fanes-Hütte. Nein, wir sind uns beide einig; wir haben einen Traumtag gewonnen.
Diese klaren, frischen Tage in den Alpen sind ein Geschenk. Das werden wir jetzt genießen, wir haben uns mit unserer Geduld selber belohnt. Eine Königsetappe wartet auf uns. Wir frühstücken so zeitig es geht. Als Tagesziel peilen wir den Passo Duran an. Dort befindet sich ein nettes Berggasthaus. Das weiß ich noch vom Vorjahr. Ob wir es in Ruhe schaffen werden, ist noch ungewiss. Die Strecke ist zwar nicht extrem lang, hat aber deutlich über 2000 Höhenmeter, soviel ist mir klar. Draußen ist es knapp unter Null Grad, leichte Schneereste sind noch auf dem Weg. Lange werden wir nicht frieren, denn aus dem Stand geht es von der Faneshütte steil bergauf zum Limojoch. Die reichlich 100 Höhenmeter bringen uns gleich ins Schwitzen. Die Sonne ist noch nicht über die Berggipfel geklettert und sobald man steht, ist es lausig kalt. Wir ziehen für die Abfahrt alles an, was an wärmenden Sachen im Rucksack ist. Bei der Abfahrt auf einer groben Schotterpiste erreichen wir bald sonnige Abschnitte. Die wärmen uns aber erst weit unten im Tal.
Zum Glück haben wir Wetterprobleme in diesem Jahr nicht. Die Sonne strahlt weiter vom Himmel und langsam gewinnt sie auch an Kraft. Im Talgrund orientiere ich mich kurz. Ich war bei diversen Transalps schon des öfteren in dieser Gegend und wollte den bestmöglichen Weg für Mountainbikes nach Cortina suchen. Natürlich habe ich ihn auch gefunden. Mittlerweile habe ich wohl so eine Art "7.Sinn" bei der Wegsuche entwickelt der mir sagt: hier entlang. Nur noch selten fahre ich in die Irre. Das hat allerdings weniger mit meinen sowieso nicht vorhandenen übersinnlichen Fähigkeiten zu tun, sondern eher damit, dass die Wege von Menschenhand angelegt wurden. Das geschah und geschieht seit Jahrtausenden immer mit dem Ziel, eine Verbindung zwischen Orten herzustellen, die Menschen wichtig sind. Dabei können es durchaus verschiedene Gründe sein: wirtschaftliche, religiöse, militärische. Dabei folgen die Wegbauer fast immer einer geografischen und ökonomischen Logik. Die Herstellung einer Verbindung zwischen zwei Orten folgt im wesentlichen in einer Kombination von 3 Kriterien:
Ab der Malga Federa wird dann der Weg zu einer Schotterpiste, bald sehr grob und kurze extrem steile Rampen. Ein paar Schiebestücke lassen sich mit dem Transalprucksack wohl kaum vermeiden. Es ist alles aber halb so wild. Zur Belohnung wartet dann das Rif. Croda da Lago am gleichnamigen Bergsee: Mittagspause in der Sonne mit einem schönen Blick auf das, was uns noch bevorsteht - der Weg zur Forcella Ambrizzola. Leider wird die Idylle ausgerechnet heute etwas getrübt durch eine Horde laut schnatternder Pensionisten. Es ist unverkennbar der näselnde Wiener Dialekt, der selbst in den Ohren der meisten Österreicher eher unschön klingt. Irgendein Wanderreiseveranstalter mit Verbindung zur europaweit agierenden Busreise-Mafia hat sie wohl so weit herangekarrt, dass sie den schönen Höhenweg hierher bewältigen konnten. Die Bedienung ist das offenbar schon gewöhnt, denn sie geht gekonnt mit den mundartlichen Besonderheiten der Bestellungen um. Um so mehr ein Grund für Matthias und mich uns der Landessprache zu befleißigen so gut es geht. Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg zur Forcella Ambrizzola. Ich kenne den Weg schon und freue mich, dass heute so gute Sicht herrscht. Er ist zu großen Teilen fahrbar und man hat ständig eine wunderbare Aussicht auf die umliegenden Berge. An der Passhöhe wird das Panorama noch gesteigert mit Blick zu: Marmolada, Monte Pelmo und dem markanten Gebirgsstock der Civetta. An der Passhöhe tauchen ein in die Einsamkeit der Bergwelt. Die Wanderer nehmen einen anderen Weg. Wir halten auf den Monte Pelmo zu, der uns mit seinen charakteristischen Felsformationen eine Orientierung bietet. An der Forcella Ambrizzola darf man sich nicht verleiten lassen und den breiten Wanderweg nach rechts folgen. Auch der in den Karten eingezeichnete Weg geradeaus ist nicht optimal. Dessen Pfadspur ist überhaupt nicht zu erkennen. Nach meiner Erfahrung ist es am sinnvollsten, dem linken Weg Nr. 436 zu folgen. Er führt auf direktem Weg zur Forc. Rocu?. Teilweise ist er zwar verblockt und nicht flüssig fahrbar, aber bei der Alternative geradeaus, würde man Höhenmeter verlieren, die man in unwegsamen Gelände wieder mühsam schiebenderweise wiedergewinnen müsste. Unser Trail ist ab der Forc. Roan mehr oder minder fahrbar. Wir sind heute beide extrem vorsichtig unterwegs, so dass wir lieber einmal zu viel absteigen als Gefahr zu laufen, auf dem verblockten Trail zu stürzen. Schließlich erreichen wir das Rifugio Città di Fiume (www.rifugiocittadifiume.it) Unsere Wasservorräte gehen zur Neige, also machen wir hier eine kurze Rast. Eine kleine italienische Wandergruppe genießt ebenfalls den schönen Nachmittag. Wir kommen gleich ins Gespräch und sie drücken gleich die übliche Anerkennung über unsere Reiseroute aus. Sie stammen aus Treviso in der Nähe von Venedig und können mir bestätigen, dass meine geplante Route über den Passo Praderadego wohl eine sinnvolle Wahl ist. Ein Mann spricht von einer strada bianca, also einer geschotterten Straße, es sollte also passen. Als wir den Pass dann am folgenden Tag passieren, stellt sich zwar heraus, dass von der Schotterpiste bei der Abfahrt noch ein kurzes Stück übriggeblieben ist. Doch dazu mehr an der passenden Stelle. Matthias und ich checken erst einmal die weitere Strecke. Wenn wir es heute noch bis zum Passo Duran schaffen wollen, liegen noch knapp 1000 Höhenmeter vor uns, verteilt auf drei Anstiege. Ein Blick auf die Uhr zeigt uns, dass es machbar sein sollte, wenn uns keine Panne einen Strich durch die Rechnung macht. Außerdem liegen für den Notfall noch ein paar Übernachtungsmöglichkeiten an der Strecke als da wären: Passo Staulanza, Rifugio Palafavera, Pecol. Also ziehen wir los, begleitet von den Wünschen der Wanderfreunde: Buon viaggio, ragazzi! Es folgt eine kurze Abfahrt auf der Schotterpiste bis zu einem Wanderparkplatz an der Straße zum Passo Staulanza. Die paar Höhenmeter zur Passhöhe sind schnell erledigt. Dann rollen wir zügig hinab nach Pecol, wo wir uns noch einmal verpflegen wollen. Das verschlafene Örtchen hat zwar einen Alimentari, der macht aber erst später und dann auch nicht pünktlich auf, so dass sich die Pause hinzieht. Aber egal, wir müssen etwas essen, da ich nun nicht weiß, wie der Übergang ins Valle della Grava aussieht. An der Flanke der Civetta entlang quert die Schotterpiste ein Skigebiet. Es gibt also erwartungsgemäß ein paar steile Abschnitte, allerdings auf einer guten Schotterpiste. Schließlich folgt ein netter Trail zum Forcella della Grava, der von einem groben Karrenweg ins Tal hinunter abgelöst wird - sehr fein. An der Malga Grava wird renoviert, trotzdem ist das Valle della Grava ein einsames Tal, dass wir auf einer Mischung aus Schotterpiste und zerbröckelnden Asphalt hinunterrollen. Bei den paar Häusern von Moiazza erreichen wir die Verbindungsstraße zwischen Passo Cibiana und Passo Duran. Die Strecke kenne ich noch von der Regenetappe des vergangenen Jahres. Alles wird gut, wir schaffen noch die gut 300 Höhenmeter zum Rifugio Sebastiano am Passo Duran. Wir bekommen ohne Probleme ein Zimmer und ein ordentliches Abendessen. Schön, dass wir es heute so weit geschafft haben. HRM-Profil Map |
| 6. Tag: Passo Duran - Agordo - Lago del Mis - Praderadego - Ponte della Priula |
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Was uns heute erwartet, ist aus meiner Sicht zweigeteilt. Der erste Teil ist bekanntes Terrain: heraus aus den Alpen, den Fluss Piave erreichen und dann weitersehen, was der zweite Teil bringt. Das war im Vorfeld bei der Planung die weitgehend unbekannte Größe. Da gibt es kein vernünftiges Kartenmaterial mehr, Wanderkarten im Maßstab 1:50.000 - Fehlanzeige.
Das einzige brauchbare Material sind alte italienische Militärkarten, die ich aber "nur" in digitaler Form habe, eingebunden in meine GPS-Software der Wahl - TTQV. Ich hatte zwar auch einen GPS-Track von der bekannten Weitwanderung München - Venedig, der stellte sich für mich als ziemlich unnütz heraus, weil er in dieser Region nach Jesolo lief. Als Radfahrer kannst du dort nicht anlanden, weil der Radtransport, um mit der Fähre nach Venedig zu gelangen, sehr problematisch ist. Also musste ich mich auf meine Intuition verlassen. Bei der abgebrochenen Tour im Jahr 2009 war mir der Höhenzug aufgefallen, der hinter dem Piave auf dem direkten, südlichen Weg nach Venedig liegt. Das sind die Prealpi - die Voralpen. Da muss es doch einen Weg geben. Die Straßenübergänge kann man schnell aus einem Straßenatlas herauslesen. Danach stand mir aber nicht der Sinn. Dann fiel mir auf der alten Militärkarte aus der Serie Carta d'Italia des Istituto Geografico Militare der Übergang über den Passo Praderadego auf. Also war dieser Pass als Übergang gebongt. Matthias und ich sind gespannt. Also los. Die Abfahrt vom Passo Duran hinunter nach Àgordo geht schnell und zügig auf der Straße. Sinnvolle Alternativen gibt es nicht, wie uns der Hüttenwirt am Abend zuvor bestätigt hatte. Eine Querung zur anderen Talseite ist nach einem Erdrutsch vor ein paar Jahren nicht mehr möglich. Schade, aber nicht zu ändern. In Àgordo vertue ich auch keine Zeit mit der Wegsuche. Es ist dieselbe Strecke wie im vergangenen Jahr; Auffahrt auf einer kaum befahrenen Nebenstraße in Richtung Valle del Mis. Das Tal ist durch den Fluss Mis tief eingeschnitten und hat dadurch im oberen Teil den Charakter eines Canyons. Die Straße schlängelt sich an den Abgründen entlang, führt durch einige enge Tunnel und ist offiziell für den Autoverkehr gesperrt, perfekt. Der Lago del Mis ist ein Stausee, der am Talende die Wassermassen auffängt. Im Örtchen Mis sind wir aus den Alpen heraus und es wird schlagartig warm. Zeit für eine Pause zum Kaffeetrinken und Umziehen. Eine kleine Bar findet man in jedem Ort, also auch hier. Wir sind natürlich wieder Exoten und ich erkläre auf die übliche Nachfrage, wo wir herkommen und was das Ziel unserer Reise ist. "Che bravi, ragazzi!" ist meist die Antwort. Wir sind also tolle Jungs, was immer gut fürs Selbstwertgefühl ist. Manchmal gibt es auch einen Tipp für den Weg. Hier allerdings nicht, den haben wir uns schon gestern am Rifugio Citta di Fiume geholt. Ich vertue also nicht viel Zeit mit der Suche nach dem richtigen Weg. Wir sind aus den Alpen heraus und müssen zunächst zwei naturbelassene Flüsse überqueren, den Cordévole und den Piave. Da lässt sich eine kurze Straßenpassage nicht vermeiden, da wir uns an den wenigen Brücken orientieren müssen. Nach dem Örtchen Bribano überqueren wir den Piave und finden einen MTB-Weg, auf dem wir uns über Feldwege an den letzten größeren Anstieg vor Venedig heranpirschen, dem Passo Praderadego. Wir kalkulieren die vor uns liegenden Höhenmeter bis zur Passhöhe, die auf 916 m liegt. Das sind von hier aus ca. 500 Höhenmeter Aufstieg. Kann also nicht so wild werden, denken wir. Mit dieser Einschätzung liegen wir falsch. Nach dem Örtchen Valmaor wird es ziemlich steil. Wir sind heilfroh, dass das kleine Sträßchen asphaltiert ist. Auftrieb gibt uns dann ein Hinweisschild - wir befinden uns wieder auf der Via Claudia, es passt also. Hier haben die alten Römer also den Übergang über die Berge gesucht. Der Weg durch das Flusstal am Piave erschien ihnen damals wohl zu riskant. Oben am Pass ist ein kleines Gasthaus, übernachten kann man dort auch. Es wirkt aber nicht wirklich einladend auf mich. Wir stärken uns mit kalter Cola und freuen uns auf die Abfahrt. Strada bianca - Schotterpiste - hatte der Mann gestern gesagt. Das war einmal, nur ein kurzes Stück ist im naturbelassenen Zustand. Der Rest scheint erst kürzlich geteert worden zu sein, wahrscheinlich geschuldet dem Radweg auf der Via Claudia. Wie dem auch sei; der Übergang folgt der logischen Routenführung einer Direttissima und außerdem ist die Straße nur halboffiziell für Autos freigegeben. Uns kommt auf der serpentinenreichen Abfahrt nach Valmareno nur ein einziges Auto entgegen, ein deutscher Urlauber mit Mutti auf Erkundungstour. In der Ebene angekommen, suchen und finden wir Nebenwege, die uns nach Follina bringen. Auch hier gibt es Übernachtungsmöglichkeiten. Wir liegen gut in der Zeit und fahren weiter und erwischen doch tatsächlich einen feingeschotterten Radweg, der uns abseits der Straße nach Pieve di Soligo bringt. Auch hier ist es uns noch zu früh für die Sache nach einen Schlafplatz. Ein kurzes Stück müssen wir die Straße benutzen bis uns bei Barbisano eines der spärlich gesäten Hinweisschilder die Gewissheit gibt, noch auf der Via Claudia zu sein. Wir sollen links nach Collalto abbiegen. Der Ortsname riecht schon nach Höhenmetern. Tatsächlich müssen wir ein Stück hinauf, werden oben aber belohnt mit einer wunderschönen Schotterallee, die uns direkt in südlicher Richtung unserem Ziel näherbringt. Als wir dann wieder auf eine kleine Teerstraße stoßen, überlegen wir lange, ob wir rechts oder links weiterfahren sollen. Wir entscheiden uns schließlich für links - Volltreffer. Ein Stück rollen wir bergab, dann öffnet sich der Blick auf die Ebene. Eine Schotterpiste führt abwärts durch die Weinberge. Die Weinlese ist in vollem Gange und mit viel Gewinke und Gegrüße erreichen wir das Örtchen Colfosco. Einmal die Hauptstraße überquert und schon sind wir auf dem Uferdammweg des Piave - wieder perfekt. Den radeln wir bis Ponte di Priula. Wir beratschlagen kurz, suchen uns hier ein Quartier und werden schnell fündig. Das 2-Sterne-Hotel San Carlo liegt an der Hauptstraße. Der Preis ist ok, die Räder stehen sicher in der Garage, also checken wir ein. HRM-Profil Map |
| 7. Tag: Venedig |
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Nach dem wenig aufregenden Spaziergang am gestrigen Abend durch den Ort, der nun wirklich keine besonderen Sehenswürdigkeiten bietet, sind wir aufs Frühstück gespannt. Ist es ein italienisches, dann haben wir schlechte Karten und müssen uns nach einer halben Stunde wieder verpflegen. Es ist mittelprächtig, sogar ein paar Scheiben Käse finden den Weg auf den Tisch neben den obligatorischen, einfallslosen Marmeladenpacks. Zur großen Freude von Matthias ist wenigstens so eine Art Nutella dabei. Ich stille meinen Bedarf nach Süßem mit dem Zucker im Cafe Latte. Das muss als Energiequelle reichen. Außerdem können wir uns unterwegs verpflegen. Wir brechen auf - Venedig ruft. Gleich nach der Brücke über den Piave wechseln wir auf den Uferweg am Fluss. Als Schotterpfad ist er die richtige Strecke für ein Mountainbike. Ich habe hier den GPS-Track der Wanderung München-Venedig ins Gerät geladen. Der gibt uns eine Weile die Richtung vor. Bei einer Kiesgrube will uns die gestrichelte Linie des GPS-Tracks ins Wasser leiten. Der Piave ist einer der letzten weitgehend naturbelassenen Flüsse, die aus den Alpen herausführen. So sucht sich das Flussbett immer mal wieder einen neuen Weg. So auch hier. Wir drehen um und umfahren das Kieswerk. Wie ich schon erwähnte, gibt es für diese Region keine brauchbaren Wanderkarten und ich verlasse mich wieder auf meine Intuition. Wir finden schöne Schotterpisten und Nebenstraßen, die uns über Maserada sul Piave und Breda di Piave nach Quartó d`Altino führen. Hier führt uns ein Radweg in die Irre. Der lacht uns feingeschottert an und verläuft entlang des Flusses Sile nach Süden, direkt ans Meer, wie uns eine Übersichtskarte verrät. Wir denken, da wird es schon eine Querverbindung nach Venedig geben. Doch weitgefehlt; da gibt es nur eine stark befahrene Hauptstraße nach Venedig. Wir drehen um - meine Intuition hat mich diesmal im Stich gelassen. Aber egal, wir fahren zurück bis Quarto d`Altino und finden eine schöne Route die uns Venedig näherbringt. Das Land wird immer dichter besiedelt, es finden sich aber Radwege, so dass der stärker werdende Autoverkehr nicht zu lästig wird. Aus einer Eingebung heraus halten wir in Favaro Veneto an einem Bed & Breakfast an. Der Preis stimmt, wir sichern uns eine Unterkunft für die Nacht und werfen das Gepäck ab. Leicht und entspannt nähern wir uns nach dieser Pause unserem Ziel Venedig. Die Lagunenstadt erreicht man über eine Brücke, die in Mestre beginnt. Dieser Ort ist allerdings ein Ausbund an Hässlichkeit, wie ich von meinen ersten Touren hierher weiß. Zum Glück entpuppt sich der Weg nach Venedig doch als recht ordentlich. Fast durchgängig gelangen wir von Favaro Veneto auf einem Radweg nach Venedig. Nur am Hafen von Mestre fehlt eine Ausschilderung. Ich habe aber meinen selbstgefahrenen GPS-Track und kenne den richtigen Weg. Schließlich sind wir auf der Brücke und rollen die letzten Kilometer in Hochstimmung auf Venedig zu. Die Lagunenstadt liegt schimmernd in der nachmittäglichen Sonne. Von weitem ein friedliches Stillleben. Am Ortseingangsschild halten wir natürlich an, fallen uns in die Arme und schießen das obligatorische Beweisfoto. Ein Traum wird wahr: eine richtige Mountainbike-Transalp von München nach Venedig. Wir haben es geschafft. Auf Matthias wartet noch eine besondere Freude. Morgen kommt Viktoria hier an, seine Frau. Übermorgen feiern sie ihren ersten Hochzeitstag in Venedig - das passt doch wunderbar. HRM-Profil Map |
| Fazit: |
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Das ist eine Transalp, die für viele Mountainbiker die Erfüllung eines langgehegten Traums sein wird. Selten habe ich mich so voll Freude am Ziel gefühlt. Die Strecke ist eine ideale Direttissima und hat Schön- und Schlechtwettervarianten, so dass man mit ziemlicher Gewissheit Venedig erreichen kann.
Die Einteilung der Tagesetappen erfolgte aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen und Vorlieben. Wer diese Transalp nachfahren will, wird vielleicht andere Prioritäten setzen. Auf jeden Fall ist die Strecke nach meiner Auffassung rund und ausgereift und kann ohne Schwierigkeiten in sieben Tagen bewältigt werden. Die Anforderungen an die Fahrtechnik sind nicht extrem hoch, so dass die meistens Mountainbiker die Strecke genießen können und sich nicht allzu sehr mit den Tücken der Trails abmühen müssen. In Venedig empfiehlt es sich, eine Unterkunft in Bahnhofsnähe auf dem Festland zu suchen und die Lagunenstadt zu Fuß zu erkunden. Mit dem Fahrrad ist es nicht sinnvoll, durch die engen Gassen zu streifen. Rückreise:Mit der Bahn:Empfehlenswert ist die Rückreise mit der Bahn. Für kleines Geld kann man in diversen Regionalzügen ohne Voranmeldung die Fahrräder mitnehmen. Die Kapazität der Radabteile ist allerdings recht unterschiedlich. Rechtzeitiges Erscheinen und vor allem direkt in Venedig am Bahnhof St. Lucia einsteigen und nicht auf dem Festland (z.B. in Mestre) sind gute Voraussetzungen für eine entspannte Rückreise. Problemlos lässt sich auch ein Zwischenaufenthalt in Verona einlegen, wenn man die Rückreise als Teil der Reise annimmt und nicht als lästiges Vehikel, um wieder in den "ungeliebten?" Alltag einzutauchen. Shuttle-Services: Venedig ist ein häufig angefahrenes Ziel von Radlern aller Art. Es gibt diverse Anbieter, die organisierte oder geführte Touren im Programm haben. Einfach anfragen, ob sie euch mitnehmen, wenn das zeitlich passt. Google hilft bei der Detailrecherche weiter. Ansonsten kann ich aus persönlicher Kenntnis und Erfahrung nur wärmstens empfehlen: Beide deutschsprachig, extrem zuverlässig und flexibel. |