 | |
Alke |
|
Endlich war es soweit. Wir, das sind mein Mann Ralle und ich, starteten zu unsere ersten Transalp. Das ist eine Radtour durch die Alpen mit einem Tourführer und 8-10 Teilnehmern. Ich meinte, dass wir zwei uns dieses Abenteuer recht gut überlegt hatten, dies schon immer mal machen wollten und nun recht gespannt darauf waren. Die Tour hatte eine Gesamtlänge von ca. 350 km. Start war im österreichischen Seefeld und Ziel sollte am Gardasee in Italien sein.
Ralle und ich nahmen wieder ein gemeinsames Erlebnis in Angriff und stellten uns die Tour mit ständigem bergauf und bergab vor. Gespickt mit Herausforderungen bei denen wir an unsere körperlichen Grenzen gehen werden. Nun sind wir beide recht gut trainiert. Radfahren gehört zu einem unserer Hobbys und so einige Radkilometer haben wir schon absolviert - aber durch bzw. über die Alpen!?
Unser Tourführer Albi hatte die Strecke genauestens geplant, sie selbst schon mit dem Bike abgefahren, Übernachtungen gebucht und auch ein Begleitfahrzeug, mit welchem unser Gepäck transportiert wurde, samt Fahrer organisiert.
Das Abenteuer konnte also beginnen...
 | |
Das Team |
|
Das Wetter war die gesamte Zeit super und sehr warm. Temperaturen zwischen 25°C und 30°C tagsüber und wenig Abkühlung nachts. Nur einige abendliche Gewitter brachten etwas Regen. Die Gewitter kamen mit grollenden Getöse, Wetterleuchten und Prasselregen über die Alpen gezogen. Diese einzigartigen Naturschauspiele sahen wir meist vom Hotel aus, wo wir nach einem schmackhaften Abendessen auf der Terrasse oder dem Balkon saßen. Hier konnten wir bei einem Gläschen Wein die Tageseindrücke gut austauschen und dabei schön entspannen.
Unsere Ausrüstung sowie unsere Trekkingräder wurden durch Albi nochmals gecheckt. Alle Tourteilnehmer waren super gut gelaunt, die Stimmung prima und dies sollte auch die gesamte Zeit so bleiben. Wir fuhren täglich zwischen 40 und 90 km, die wir in 4-6 Stunden schafften. Die Strecke verlief meist auf geteerten Radwegen. Ja und dies war also eine erste ganz angenehme Überraschung: kein Fahren über Stock und Stein oder auf holprigen Wegen, welches das Vorankommen erschweren würde. Die guten bis sehr guten Wegbedingungen ließen mich das Berganfahren zumeist nicht sonderlich schwer erscheinen. Es gab schon einige Anstiege, die aber Dank einer guten Gangschaltung recht leicht zu bezwingen waren und für mich noch keine sonderliche Herausforderung darstellten. Ganz anders empfand ich die Talfahrten. Etwas Angst vor zu hoher Abfahrtsgeschwindigkeit bekam ich durch krampfhaftes Bremsen Schmerzen in Händen, Armen und Schultern. Irgendwie machte Bergauffahren mehr Spaß.
 | |
Norbertshöhe |
|
Unser gemäßigtes Radeltempo und der Zusammenhalt der Gruppe ließen Zeit, Eindrücke links und rechts der Wege zu sammeln. Gepäck brauchte nicht geschleppt zu werden. Die Räder konnten einfach nur rollen. Die Alpen waren mir bisher nur von Winterurlauben bekannt. Meistens führte die Tour neben den Flüssen Inn und Etsch entlang und immer Richtung Süden. Dies vermittelte den Eindruck, dass gar nicht so viele Berge bezwungen werden mussten. Hinzu kam der Umstand, dass die Tagesetappen meist nachmittags geschafft waren. So konnten wir in angenehmer Atmosphäre am Hotelpool relaxen, die müden Beine baumeln lassen und uns entspannen. Das war eine zweite sehr angenehme Überraschung: bei aller Anstrengung blieb trotzdem viel Zeit zum Genießen. Was wir zwei auch in vollen Zügen taten.
 | |
Relaxen in Meran |
|
Vor dem Überqueren des Alpenhauptkammes, der "Königsetappe" über die Norbertshöhe und den Reschenpass machte sich in mir eine kribblige Anspannung breit. Aus meiner Sicht war das nun die echte sportliche Herausforderung, welche meine Lungen, Muskeln und Psyche zu Höchstleistung zwang. Mein Ego war aktiviert. Ich wollte dies ohne Zwischenstopp schaffen. Überholt wurden ich und die Anderen von Passbezwingern auf Rennrädern. Mit denen lieferte Ralle sich kleine Wettkämpfe und auch ich war dadurch motiviert, sie nicht allzu weit davon fahren zu lassen. Gegenseitig beflügelnd schraubten wir uns Kurve für Kurve die Passstraße nach oben. Der Adrenalinschub war regelrecht zu spüren. Am höchsten Punkt angekommen wurden Ralle und ich mit einem Hochgefühl der Freude und Erleichterung belohnt. Unsere Erwartungen waren erfüllt.
Laut Tourenplan sollte dies die größte Herausforderung bleiben. Die Strecke zum Gardasee führte nach meinem Empfinden fast nur geradeaus und hatte einige leichte Anstiege. So konnte ich viele Eindrücke sammeln und hatte die Möglichkeit, die herrliche Gegend zu genießen und in Bildern festzuhalten. Wir fuhren kilometerlange Wege durch Apfelplantagen und gepflegte Weinberge und hatten eine weite Sicht auf Berge und Gletscher. Es war einfach toll und auch gut so, dass nicht nur steile Passagen zu bewältigen waren. Gerade bei den heißen Temperaturen war es eine Wohltat, den Fahrtwind auf der Haut zu spüren.
 | |
Finale am Gardasee |
|
Ralle und ich suchten dann aber doch noch nach einer zusätzlichen, nicht geplanten Herausforderung. Kurz entschlossen lösten wir uns an einem Vormittag von der Gruppe und nahmen die supersteile Auffahrt zur Burg Juval, dem Domizil von Reinhold Messner in Angriff. Dies war der bisher anspruchvollste Berganstieg, den wir mit Rädern schafften. Gegenseitig peitschten wir uns nach oben. Serpentine für Serpentine wurde der Muskelschmerz in den Beinen größer und wir schnauften ganz schön. Das Ziel schon vor Augen führte der Weg aber immer wieder um eine weitere Kurve und wirkte endlos. Ich konnte nicht mehr. Ralle und ich legten eine Pause ein. Die Beine schlackerten, zitterten und waren butterweich. Vom Ehrgeiz gepackt erreichten wir beide dann kurze Zeit später die Burg und waren zufrieden. Wenn ich im Nachhinein diesen Anstieg mit der "Königsetappe" vergleiche, war der Reschenpass weniger anstrengend. Mein Ego war mit Bergfahrten nun befriedigt. Ralle und ich hatten wieder gemeinsam einen Gipfel erreicht und wir waren glücklich dabei.
Die für mich anspruchsvollere Aufgabe war die Abfahrt zurück ins Tal. Meine Bremsen glühten und ich hätte gerne eine Seilbahn genommen. Es gab aber keine. Ralle rollte Teilstrecken voraus und wartete immer wieder geduldig auf mich.
Ohne große Anstrengung radelte die Transalp dem Gardasee entgegen.
Selbst kleine Radpannen, ein Felgenbruch und zwei platte Reifen, hatten der guten Stimmung in unserer Gruppe nichts angetan. Jeder strengte sich an, wurde vom Team mitgezogen und wir hatten viel Spaß. Gern gehen meine Erinnerung an die kleinen Stopps an den traumhaften Rastplätze mit Wasserstelle, Baden im Kalterer See oder die kleinen Stadtbummel zurück. Es war ein schöner Aktivurlaub.
Alles war rundum stimmig und hatte unsere Vorstellungen zu Beginn der Tour weit übertroffen. Ralle und ich sind uns einig, es war ein gelungenes Abenteuer und dies wird nicht unsere letzte Transalp gewesen sein.
|