Transalp.info by Andreas Albrecht

Toskana

Biken in der Toskana

Prolog

prologDie Transalp-Saison ist kurz. Nur von Juli bis September lässt sich der Alpenhauptkamm mit einiger Sicherheit bezwingen. Davor oder danach ist das Schneerisiko auf den Pässen über 2000 Metern viel zu hoch. Also stellt sich mir die Frage: Wo und wie kann ich die Mountainbike-Saison verlängern? Wenn ich denn schon am Gardasee angekommen bin, liegt die Antwort nicht zu weit entfernt. Mit dem Auto noch ein Stück weiter nach Süden und schon bin ich in der Toskana. Über diese Region braucht man nicht viele Worte verlieren, um zu wissen, dass sie eines der Traum-Reiseziele ist. Ihre Geschichte, die Natur, die Landschaft mit Meer und Bergen und natürlich die kulinarischen Genüsse - die Toskana hält eine Vielzahl von Gründen bereit, dort Urlaub zu machen und das Mountainbike dabei zu haben. Außerhalb der Hochsaison sind selbst die Hauptattraktionen nicht überlaufen. Die Temperaturen sind angenehm und selbst im Oktober kann man noch im Mittelmeer baden. Mich reizt vor allem die Kombination Meer und Berge. Dafür findet man an der Mittelmeerküste zwischen La Spezia im Norden und der Halbinsel Monte Argentario im Süden jede Menge reizvolle Ziele.

Ergänzung

Weitere Hinweise zu MTB-Touren in der Toskana findet ihr auch hier.

 

 


 

San Vincenzo

vincenzoBesonders ins Herz geschlossen habe ich die Gegend um San Vincenzo, ca. 50 km südlich von Livorno gelegen und in Sichtweite zur Insel Elba. Direkt am breiten Sandstrand findet man jede Menge Unterkünfte, von denen viele auch das ganze Jahr geöffnet haben. In der Vor- und Nachsaison gibt es praktisch überhaupt keine Probleme, ohne Vorreservierung ein Zimmer zu finden. Nach meiner Erfahrung kann man z.B. im Oktober einfach losfahren und dort einchecken, wo es einem gefällt. Diesmal hat uns das Hotel "Il Delfino" in San Vincenzo geradezu magisch angezogen. Es befindet sich in ruhiger Lage direkt am Strand. Die Zimmer mit Meerblick sind verfügbar, das Frühstück ist o.k., das kleine Ortszentrum ist zu Fuß schnell erreicht. Wenn man dann noch Glück hat und im besten Zimmer einchecken kann, ist das Glück vollkommen. Vom sonnigen Balkon und vom breiten Doppelbett aus blickt man direkt auf das Mittelmeer mit der Insel Elba. Schöner kann es kaum sein. Und manchmal denke ich, es gibt keine Zufälle im Leben. Im Radladen um die Ecke am Kreisverkehr treffen wir Birgit aus Deutschland, die hier lebt und arbeitet. Schnell sind wir in ein Schwätzchen vertieft und erfahren, das noch ein Deutscher in San Vincenzo lebt, der etwas mit dem Radfahren zu tun hat. Es ist Thomas, der als ausgebildeter MTB-Guide geführte Touren in der Region anbietet. So finden auch diejenigen Radfahrer kompetente Ansprechpartner, deren italienische Sprachkenntnisse sich auf "Buon giorno" und "Gracie" beschränken. Eine Landkarte im Maßstab 1:100.000 bekommt man im örtlichen Tourismusbüro und los kann es gehen mit den Radtouren. Zur ersten Orientierung empfiehlt es sich, in Richtung Berge zum Vorort San Carlo zu fahren. Von dort bietet sich ein schöner Blick auf das Mittelmeer und die umliegende Gegend.

Tourenvorschläge

bike 014Wenn man im Gelände abseits der befestigten Straßen fahren will, muss man wissen und beachten, dass die Wegerechte anders als in Deutschland sind. Privatgrund und Privatwege ("Strada privata") dürfen nicht ohne weiteres befahren werden. Das sollte man unbedingt respektieren. Im Zweifel hilft freundliches Fragen weiter: "Buon giorno. E questa strada possibile per bicicletta?" Es kann auch vorkommen, dass Feldwege oder Forststraßen im Gelände einfach enden. Im Zweifelsfalle sollte man dann besser zurückfahren, als sich im unbekannten Gelände zu verfransen. Das gilt vor allem auch vor dem Hintergrund, dass im Oktober Jagdsaison ist und viele Einheimische diesem Hobby frönen. Deshalb empfiehlt es sich auch, mit farblich durchaus auffallender Radbekleidung unterwegs zu sein.


Tour 1: Populonia - Piombino

  • Länge: ca. 50 km
  • Höhenmeter: ca. 500 hm
  • Charakteristik: leichte Tour, für die Querung des Monte Massoncello ist ein MTB angebracht
  • Strecke: San Vincenzo - Baratti - Populonia - Monte Massoncello - Salivoli -Piombino - San Vincenzo
  • reine Fahrzeit: ca. drei Stunden

piombinoWegbeschreibung:

  • von San Vincenzo aus die Straße in Richtung Piombino bis zum Abzweig nach Populonia fahren
  • hier rechts abbiegen und weiter der Straße folgen
  • am Campingplatz empfiehlt sich ein kleiner Abstecher zur Küste mit schönem Blick auf die halbkreisförmige Bucht des Golfo di Baratti
  • weiter an den etruskischen Gräberstätten (Besichtigungsmöglichkeit) vorbei und direkt am Meer entlang in den Ort Baratti
  • hier bergauf zum mittelalterlichen Ort Populonia, dessen Gründung auf die Etrusker zurückgeht, schöner Blick auf das Mittelmeer und die Insel Elba
  • dann die Strecke zurück bis zum unbefestigten Parkplatz in der Nähe eines großen Eisentores, das einen Durchgang für einspurige Fahrzeuge hat
  • hinter dem Tor beginnt der grobe Forstweg durch den Monte Massoncello mit ein paar kräftigen Anstiegen, der breite Hauptweg ist nicht zu verfehlen
  • schließlich erreicht man an einer Busschleife Salivoli, einen Vorort von Piombino
  • von hier führt ein ausgewiesener Wanderweg abseits der Straßen zurück in Richtung Baratti, der mit dem MTB befahrbar ist
  • vorher sollte man allerdings die Gelegenheit wahrnehmen und nach Piombino hineinfahren, das eine nette kleine Altstadt aufweist
  • falls man auf der Straße zurückfahren will, passiert man zwangsläufig die Anlagen der Schwerindustrie mit qualmenden Hochöfen
  • falls viel Verkehr ist, kann man den breiten Seitenstreifen nutzen
  • kurz hinter Osteria zweigt dann nach links die Straße Richtung San Vincenzo ab, das man auf einer schönen Fahrt durch die Pinienwälder wieder erreicht

Tour 2: Campiglia Marittima

  • Länge: ca. 40 km
  • Höhenmeter: ca. 400 hm
  • Charakteristik: leichte Tour, kann auch mit Trekkingbikes problemlos gefahren werden
  • Strecke: San Vincenzo - Rimigliano - Lumiere - Campiglia Marittima - bei altem Krankenhaus Nebenstraße bis Cafaggio - Venturina - Podere i Granai - Küstenstraße - San Vincenzo
  • reine Fahrzeit: ca. zweieinhalb Stunden

marittimaWegbeschreibung:

  • von San Vincenzo aus die Straße in Richtung Piombino bis zum Abzweig Rimigliano fahren
  • hier links abbiegen auf die kaum befahrene Nebenstraße
  • nach Überquerung der SS1 "Aurelia" bis Lumiere fahren
  • hier rechts ab in Richtung Venturina
  • kurz nach Ortseingang nach links abbiegen in Richtung "Calidario" (Thermalbad)
  • den Parkplatz links passieren und die schmale Einbahnstraße "falsch" herum durchfahren
  • man stößt dann nach wenigen hundert Metern auf die Straße nach Campiglia Marittima
  • hier links bergauf bis man nach einigen Kehren den kleinen Ort mittelalterlichen Ursprungs erreicht
  • Cappuccino-Rast am Marktplatz
  • danach die verwinkelten Gassen mit vielen steilen Treppen zu Fuß erkunden
  • zum ehemaligen Krankenhaus fahren (großes charakteristisches Gebäude in Richtung "Via dell' Annunziata" und Buswendeplatz)
  • hier rechts steil hinab das schmale Asphaltsträßchen bis Cafaggio fahren
  • rechts auf Straße bis Venturina
  • den Ort in Richtung San Vincenzo durchqueren und bei der Terme di Caldana links abbiegen Richtung Magona, Poggio, Baratti
  • nach Überquerung der SS 1 "Aurelia" und der Bahnlinie rechts abbiegen und auf der Nebenstraße bleiben
  • kurz nach dem Passieren der Podere i Granai erreicht man wieder die Küstenstraße und rollt gemütlich zurück nach San Vincenzo

Tour 3: Rund um den Monte Calvi

  • Länge: ca. 60 km
  • Höhenmeter: ca. 600 hm
  • Charakteristik: Königstour ab San Vincenzo durchs toskanische Hinterland mit seinem Korkeichenwäldern, Orientierung abseits der Straßen nicht ganz einfach, da es kaum Wegweiser gibt, ein Mountainbike ist für die Abschnitte im Gelände die richtige Wahl
  • Strecke: San Vincenzo - Campiglia Marittima - Prata - Sassetta Castagnetto Carducci - Casone - San Vincenzo
  • reine Fahrzeit: ca. fünf Stunden

steinbruchWegbeschreibung:

  • ab San Vincenzo kurz auf Hauptstraße Richtung Follonica, Venturina
  • am Ortsausgang nach links Richtung Campiglia Marittima
  • die SS 1 überqueren und bergauf weiter, vorbei an den Kalksteinbrüchen
  • Besichtigungsmöglichkeit am "Parco Archeo-Minerario di San Silvestro"
  • in Campiglia Marittima zum ehemaligen Krankenhaus fahren (großes charakteristisches Gebäude in Richtung "Via dell' Annunziata" und Buswendeplatz)
  • hier beginnt die zunächst höhengleiche breite Schotterpiste, die an der Bergflanke entlang führt
  • schließlich wird sie schmaler und geht bergab
  • nach einem verlassenen kleinen Steinbruch (die Geräte rosten noch vor sich hin) kommt ein Abzweig nach rechts "Strada privata", diesen Weg nicht fahren
  • Achtung! - hier geradeaus dem immer schmaler werdenden Weg folgen
  • nach ein paar Dutzend Metern nach rechts einen unscheinbaren Pfad in den Wald hinein fahren, bergab; nicht dem scheinbaren Hauptweg geradeaus folgen - er endet im Wald
  • nun ist die Orientierung nicht ganz einfach; grobe Richtung: den Bergrücken des Monte Calvi immer an der linken Seite haben
  • man fährt auf Forstwegen auf und ab durch Korkeichenwälder und an einsamen Steinhäusern vorbei
  • in der Nähe von Prata erreicht man die Verbindungsstraße zwischen Suvereto und Sassetta
  • hier nach links fahren, zunächst mäßig ansteigend, dann in vielen Kurven nahezu höhengleich
  • schließlich erreicht man Sassetta: ein uraltes Bergdorf mit verwinkelten Gassen, die von der Durchgangsstraße abgehen
  • hier Rastmöglichkeiten
  • weiter in Richtung Castagneto Carducci, an Straßeneinmündung links halten, dann schöne Abfahrt
  • in Castagneto Carducci durch den mittelalterlichen Ortskern fahren, schöner Blick über die Ebene zum Mittelmeer
  • nach der Abfahrt Abzweig nach links nicht verpassen, über Casone auf Nebenstraße bis San Vincenzo
  • wer will, kann noch die Stichstraße zum Torre Donoratico hinauffahren
  • neben dieser weithin sichtbaren Ruine eines Castellos aus dem 9. Jahrhundert befindet sich ein Restaurant mit weitem Blick über die Ebene
  • ansonsten auf flacher Strecke direkt zurück

Weitere Touren: z.B. auf der Insel Elba

  • als kompetenter Ansprechpartner vor Ort ist zu empfehlen: Thomas
  • er ist ausgebildeter MTB-Guide, stammt aus Deutschland und wohnt direkt in San Vincenzo
  • in der Hauptsaison betreut er die vorwiegend die Urlaubsgäste der Hotelanlage: Garden Club
  • in der Vor- und Nachsaison ist er der ortskundige Spezialist auch für die Single-Trails, die man sonst nicht findet
  • Kontakt:
  • email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
  • Tel.: 0039-348-3157201

Weitere Infos

Anfahrt

Mit dem Auto über den Brenner bis Modena, hier weiter auf der A1 über Bologna bis Florenz.
Von Florenz mautfrei weiter auf der Schnellstraße bis Livorno.
Auf der SS 1 "Aurelia" an der Küste entlang bis Ausfahrt - San Vincenzo-Centro.
Von München ca. 720 km, Fahrzeit ca. 7 Stunden

Bike-Shop

mit der deutschsprachigen Birgit
Centro del Ciclo, 57027 San Vincenzo (LI), Largo Berlese 12, gleich am Kreisverkehr nach der Bahnunterführung
Tel.:0039-0565-704488
email:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Fahrradverleih: Citybike, Tourbike, MTB (auch vollgefedert), Rennräder
Rollerverleih: 125 ccm Verkauf: Fahrräder, Ersatzteile, Bekleidung
Reparaturen

Kartenmaterial

vor Ort im Tourismusbüro erhält man eine Karte im Maßstab 1:100.000, die von der regionalen Tourismusagentur herausgegeben wird

Tourist-Information

Ufficio Informazioni Turistiche
I-57207 San Vincenzo, Via B. Alliata 2
Tel.: 0039-0565-701533, Fax:0039-0565-706914
www.costadeglietruschi.it

Unterkunftstipps (ganzjährig geöffnet)

  1. Hotel Il Delfino: www.hotelildelfino.it
  2. Villa Lo Scoglietto: www.scoglietto.com
  3. toskana-appartement.de - Hier findet man 99.000 Ferienwohnungen weltweit mit Schwerpunkt Italien - weiter Informationen zur Toskana inkl. Radtouren, Golfplätzen etc.
  4. treffpunkt-elba.de - Informationen zur Insel Elba inkl. Radtouren, Golfplätzen etc. und umfangreiches Sortiment an Ferienwohnungen

Essen

In Italien isst man am besten dort, wo die Einheimischen hingehen. Man sollte z.B. darauf achten, wo in der Mittagszeit vor Gaststätten viele Fahrzeuge, insbesondere von Handwerkern stehen.
Wenn es dann nicht zu piekfein aussieht, kann man fast sicher sein, dass man dort gutes hausgemachtes Essen zu moderaten Preisen erhält.
In der Fußgängerzone von San Vincenzo gibt es so z.B. den einfachen Stehimbiss "La Lampara - Rosticceria & Pizzeria" mit leckeren Suppen, Nudelgerichten und Pizza; ideal um nach der Tour schnell einen Happen zu sich zu nehmen.

Ausflüge (wenn man das Auto dabei hat)

  • Voltera
  • Venturina - Calidarium
  • selbst Rom ist nicht zu weit entfernt
    dazu am besten am Wochenende hinfahren, dann parkt man im Zentrum gebührenfrei; mit ein wenig Glück direkt neben dem Colosseum