Transalp.info by Andreas Albrecht

Das Nachfahren der Touren geschieht auf eigenes Risiko. Siehe auch die Hinweise im Haftungsausschluss.

Tiroler Jöchl Transalp


2. Tag: Maria Waldrast - Brenner Grenzkamm - Enzianhütte

Strecke: 54,9 km, 2034 hm
Maria Waldrast - Matrei - Statz - Steinach am Brenner - Stafflach - Gries am Brenner - Vinaders - Sattelbergalm - Sattelberg - Brenner Grenzkamm bis Nähe Sandjöch - Giggelberg - Abzweig Enzianhütte - Zirog - Enzianhütte

  • 17 %: Straße
  • 35 %: Radweg, Teer, Nebenstraße mit wenig Verkehr
  • 39 %: Feldweg, Schotter
  • 9 %: Trail, Pfad (S1, max. S2)
  • Schiebepassagen. ggf. bei der Auffahrt Sattelberg (zum Ende hin zwei kurze steile Rampen mit je. ca. 20 Höhenmetern)
  • GPS-Track: 2-TirolJoch-MariaWaldrast-Enzianhuette.gpx

siehe auch Variante leichte Abfahrt vom Brenner Grenzkamm nach Giggelberg: Hinweise im Tourbericht, eingezeichnet auf Übersichtskarte

  • GPS-Track: 2-Var-Grenzkamm-Giggelberg-leicht.gpx

Übersichtskarte

schwarz: Hauptroute
rot: Varianten (wenn vorhanden)

2 Tiroler Joechl Transalp

Tag2 TirolJoch


Ein klarer und hier oben noch angenehm frischer Morgen bricht an. Wir rollen auf der Mautstraße gemütlich bergab nach Matrei. Dabei genießen wir das Panorama hinüber zu den Tuxer Alpen.

Panorama Richtung Tuxer Alpen

Blick von Maria Waldrast in Richtung Tuxer Alpen


Ab  Matrei gibt es entlang der Brennerstraße ein paar Nebenwege. Die nutzen wir bis Stafflach. Hier beginnt eine Engstelle, so dass wir bis Gries auf der Bundesstraße fahren. Die ist am Montagmorgen noch kaum befahren, es nerven noch keine Horden von Motorradfahrern. Flugs sind wir am Gasthof Rose, wo Hermann in alter Frische auf uns wartet. Zeit für ein zweites Frühstück. Die Mama von Thomas Libiseller, dem Chef des uralten Gasthauses, serviert uns Rührei mit Speck, dazu ein Haferl Kaffee. Da fällt der Aufbruch schwer.

Gasthof Rose

Rast im Gasthof Rose in Gries am Brenner. immer wieder bin ich gerne Gast bei Thomas (hier mit Philipp Petermann bei der Olperer-Umrundung)


Doch schließlich reißen wir uns los. Thomas erscheint noch rechtzeitig, so dass wir uns auch von ihm verabschieden können. Los gehts. Heute steht die Brennergrenzkammstraße auf dem Plan. Bei diesem klaren Sommerwetter ein absolutes Highlight. Im Laufe der Jahre habe ich viele der möglichen Varianten ausprobiert, den Brenner Grenzkamm zu erreichen. Wir entscheiden uns heute für die am wenigstens mit Schieben verbundene Variante. Diese führt hinein ins Obernberger Tal bis Vinaders.

Im Obernbergertal

Im Obernbergertal


Bei Vinaders zweigt dann der Weg zur Sattelbergalm ab. Zunächst asphaltiert wird daraus später ein gut fahrbarer Schotterweg. An der Sattelbergalm kann man vor einer Traumkulisse rasten und bei Bedarf übernachten.

Sattelbergalm

Sattelbergalm


Wir lassen uns vom Chef die Geschichte vom "bösen Bauern" erzählen. Die Passage auf der originalen Grenzkammstraße führt im ersten Abschnitt auf Südtiroler Seite über den Weidegrund eines Bauern. Dieser hatte in Transalpkreisen eine gewisse Berühmtheit erlangt. Zu dessen Ehrenrettung muss man allerdings etwas über die Entstehungsgeschichte der Problematik erzählen:

Es begab sich Ende der 1990er Jahre, als ein selbsternannter Transalp-Guru ein inzwischen hochkommerzielles Etappenrennen über die Alpen ins Leben rief. Die erste Veranstaltung hatte sicher noch einen gewissen Pioniercharakter und die Organisatoren scherten sich recht wenig um eine Durchfahrtsgenehmigung auf Privatgrund. So muss der betroffene Bauer sich wohl erstaunt die Augen gerieben haben, als plötzlich und ohne Vorankündigung Scharen von Mountainbikern über seinen Weidegrund fuhren und seine Kühe erschreckten. Manche Teilnehmer von solchen Massenveranstaltungen entsorgen zudem noch gern ihren Müll in Form von Verpackungen diverser Energieriegel, indem sie diese einfach in die Landschaft schmeißen. Jedenfalls schaltete der Bauer nach diesem Erlebnis auf stur und verjagt jeden Mountainbiker, dessen er ansichtig wurde, von seinem Grund. Ein gewisses Verständnis kann ich für sein Verhalten schon aufbringen. Von demjenigen, der diese Problematik damals losgetreten hatte, ist nicht bekannt, ob er irgendwelche Versuche unternommen hat, die Situation zu entspannen.


Sattelbergalm

Nach einer Rast an der Sattelbergalm bei einer Tour zusammen mit meiner Frau


Das Thema "böser" Bauer hat sich inzwischen erledigt.Man fährt von der Sattelbergalm auf guter Forststraße über die grüne Grenze nach Südtirol (Tor wegen Weidevieh wieder schließen). Das evtl. vorhandene Schild "Bikeverbot" beachten - ggf. das Rad 400 m schieben bis zum Abzweig auf die alte Militärstraße hinauf zum Brenner Grenzkamm. Laut Auskunft des neuen Bauern toleriere er den Weg, er müsse nur offiziell sperren, weil er sonst nach einigen Jahren das Wegerecht verliert. Insofern erklärt sich das "Bikeverbot" Schild.

Hinauf zum Sattelberg geht es auf der alten Militärpiste, die man dann bergauf fahren kann, sofern man dazu in der Lage ist. Denn es warten ein paar steile Rampen. Wenn dazu noch, wie so oft und auch heute, starker Wind von vorn oder von der Seite bläst, werden sich kurze Schiebepassagen kaum vermeiden lassen.

Rampen

Steile Rampen am Sattelberg hier bei der Abfahrt - bei dieser Transalp  in der Gegenrichtung kaum fahrbar.


Nicht so für Dirk, Jürgen und Stephan, die den Weg komplett hochdrücken. Oben bei den zerfallenen Militärunterkünften sammeln wir uns wieder.

Sattelberg

Sattelberg - Beginn des oberen Teils der Brennergrenzkammstraße


Nun beginnt der gemütliche Teil. Kilometerlang windet sich die alte Militärpiste an den Bergflanken entlang in Richtung Sandjöchl. Diese Schotterpiste ist eine der wenigen sinnvollen Hinterlassenschaften des militärischen Größenwahns von Mussolini. Südtirol wurde ja bekanntlich nach dem Ersten Weltkrieg Italien angegliedert, was bis heute Gärstoff bildet für diverse Differenzen und Spannungen. Ob die im vereinigten Europa irgendwann ganz verschwinden, bleibt abzuwarten. Das faschistische Regime in Italien der 1920er bis 1940er Jahre betrieb jedenfalls mit wenig Feingefühl eine teilweise brutale Politik der Italienisierung der deutschsprachigen Volksgruppe. Damit verbunden war auch eine Abriegelung der neuen Grenze am Brenner zu Österreich und deren militärischer Befestigung unter anderem hier am Brenner Grenzkamm. Dieses Straßensystem sollte zum Glück jedoch nie in irgendwelche Kampfhandlungen einbezogen werden. So liegen die Straßen, Pisten und Trails noch so, wie sie angelegt wurden.

Grenzkamm

Brenner Grenzkamm - das ausgeprägtes System alter Militärstraßen ist ein Glücksfall für die heutige Zeit


Inzwischen gibt es neben Mountainbikern auch andere Nutzergruppen.

Ziegen

Pferde


Wir erweisen dem Sandjoch mit einem kurzen Abstecher zu Fuß noch unsere Ehre und bereiten uns danach auf die Abfahrt vor. Ein Trail führt vom Sandjöchl auf dem Weg 1 hinab nach Giggelberg. Dabei quert er mehrfach die Militärpiste. Die technischen Schwierigkeiten halten sich in Grenzen, so dass man ihn auch mit einem Transalprucksack auf den Rücken fahren kann.

Sandjoch


Wem das trotzdem nicht behagt, kann jederzeit auf die Schotterstraße ausweichen. Diese Variante ist auf der Übersichtskarte und mit folgendem GPS-Track dokumentiert:
2-Var-Grenzkamm-Giggelberg-leicht.gpx
Wie auch immer, früher oder später erreicht man den Rest des Weges auf einem kleinen Sträßchen, das zur schon erwähnten alten Bahntrasse führt. Hier lassen wir es ordentlich laufen. Stephan tut dabei des Guten wohl etwas dazu. Ich bin kurz hinter ihm, sehe uns auf eine Linkskurve zufahren, bremse ab und wundere mich, warum Stephan das nicht tut. Ich denke gerade, das kann nicht gut ausgehen, als Stephan seinen Fehler bemerkt. Ich rufe nach hinten: "Achtung!", als Stephan auch schon gekonnt und elegant im weichen Gras eine Notlandung vom Feinsten hinlegt. Super Haltungsnoten und nichts passiert. Erleichtertes Lachen löst die Spannung, die bei uns aufgekommen ist, denn alle hatten freies Blickfeld. Ich mache den Vorschlag, das aus Gründen der fotografischen Dokumentation zu wiederholen, Stephan lehnt aber unverständlicherweise ab. Nun gut - weiter geht's. Oberhalb von Gossensass erreichen wir Giggelberg.

Gossensass

Giggelberg: Blick auf Gossensass auf das Südtiroler Wipptal entlang der Eisack


Schließlich erreichen wir die alte Bahntrasse. Dort befindet sich ein Radweg, der uns nahezu höhengleich nordwärts bringt zum Beginn der Auffahrt zur Enzianhütte.

alte Bahntrasse

Historisches Bild: bei unserer damaligen Befahrung fuhren wir noch auf der groben Piste der aufgelassenen Trasse der alten Brennerbahn. Heute ist es ein asphaltierter Radweg, der vom Brenner bis nach Verona führt.


Die Auffahrt zur Enzianhütte ist im Hochsommer eine schweißtreibende Angelegenheit. Unterwegs kann man sich an der Zirog-Alm Abkühlung verschaffen. Schließlich erreichen wir die Enzianhütte, die auf knapp 2000 m Höhe liegt. Dort wartet eine urige Unterkunft auf uns. Die Auffahrt ist auf jeden Fall angenehm zu fahren, das Preis-Leistungsverhältnis der Enzianhütte stimmt, das Essen ist lecker. Die Empfehlung kann ich ruhigen Gewissens aussprechen. Ein wunderbarer Sonnenuntergang beschließt diese Königsetappe in den Alpen.

Enzianhütte

Enzianhütte


Einkehrtipps:

  • Gries am Brenner: Gasthof Rose - Gries 16, 6156 Gries am Brenner, Telefon: +43 5274 87201
  • Sattelbergalm: Neder 311, 6156 Gries am Brenner,  Telefon: +43 5274 87717

Radshops:

  • Steinach am Brenner: Sport 2000 Resch im Ortszentrum am Abzweig der Straße zum Lift zur Bergeralm, Zirmweg 84b, 6150 Steinach am Brenner, Telefon: +43 699 12133803
  • Steinach am Brenner: WippRad an der Talstation Lift Bergeralm: Huebenweg 25, 6150 Steinach am Brenner, Telefon: +4352726333

Übernachtungstipps:

  • Gries am Brenner: Gasthof Rose - Gries 16, 6156 Gries am Brenner, Telefon: +43 5274 87201
  • Sattelbergalm: Neder 311, 6156 Gries am Brenner,  Telefon: +43 5274 87717
  • Enzianhütte: Tel.: +39 0472 631224

Weitere Einträge nehme ich gern auf. Anmelden bzw. Kontaktaufnahme über Kontakt oder die Angaben im Impressum.


Hinweise zu anderer Einteilung der Etappen

  • in Matrei übernachten
  • bei Schlechtwetter oder Schneegefahr Schlüsseljoch auslassen: ab Giggelberg auf ausgeschildertem Eisack-Radweg über Gossensass und Sterzing nach Stilfes, dort weiter auf Hauptroute

Not- bzw. Schlechtwettervarianten

  • mit österreichischer Regionalbahn zwischen Matrei und Brenner
  • mit italienischer Regionalbahn zwischen Brenner und Gossensass, Sterzing, Brixen, Klausen